Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 45† Wiesbaden, ehem. Mauritiuskirche 1504

Beschreibung

Epitaph der Margaretha von Nassau, geb. Gräfin von Hanau-Lichtenberg, nach Helwich 1614 im Chor auf der nördlichen Seite („a sinistris1) in choro“). Das Grabdenkmal wurde 1632 in einer Federzeichnung durch Dors überliefert, eine kolorierte Zeichnung liegt von Andreae vor. Es zeigte demnach im Bildfeld unter einer Kielbogenarkade die Figur der Verstorbenen: Modisch gekleidet2) kniete sie auf einem Sockel betend zum Altar gewandt. Im Sockel des Denkmals befand sich die vierzeilige Grabinschrift auf einer rechteckigen Tafel. In den Ecken des Epitaphs waren vier Wappen angebracht, zwei oben neben den Fialen, die beiden anderen am Sockel. Im Boden vor dem Denkmal befand sich die Grabplatte (vorherige Nr.) mit dem Abbild der Verstorbenen und zwei Wappen. Schrift wohl gotische Minuskel.3)

Nach Dors.

DI 51, Nr. 45 - Wiesbaden, ehem. Mauritiuskirche - 1504

 Gemeinfrei [1/1]

  1. Anno d(omi)ni M ccccc iiii am xxvi dag Maii / starp die wolgeborn frawe Margaretha / geborn von Hanawe Graffyn zu Nassaw / vnd fraw zu wiesbade(n) der got gnad Amen.

Wappen:
Lichtenberg, Hohenlohe; Hanau-Lichtenberg, Nassau-Dillenburg4).

Kommentar

Der Anbringungsort auf der nördlichen Chorseite, die Ausrichtung der Figur auf den Hochaltar und deren Blickrichtung legen nahe, daß dieses Epitaph zusammen mit dem unmittelbar daneben angebrachten und ähnlich gestalteten, nach 1511 entstandenen Grabmal von Margarethas Ehemann Adolf III. (Nrr. 47, 48) als „Ewige Anbetung“5) konzipiert und ausgeführt war. Für Margarethas Eltern und zwei jung verstorbene Brüder sind in der Ev. Kirche zu Babenhausen Epitaphien in Form der „Ewigen Anbetung“ erhalten geblieben.6)

Der Inschrifttext bietet die erste nachweisbare deutschsprachige Grabinschrift im Bearbeitungsgebiet und zugleich den Erstbeleg für die Verwendung der Fürbitte der/dem Gott gnade.7)

Margaretha, Tochter des Philipp I. von Hanau und der Anna von Lichtenberg,8) war seit 1479 mit Graf Adolf III. von Nassau-Wiesbaden-Idstein (Nrr. 47, 48) verheiratet. Dieser Eheverbindung entstammten drei Kinder, der Sohn Philipp der Altherr9) und die beiden Töchter Maria und Anna. Margarethas Schwester Marie war seit 1499 Nonne in Klarenthal.10) Graf Adolf verschrieb dem Kloster am 12. Mai 1505 einen Gulden als jährliche Gült zum Seelgedächtnis seiner verstorbenen Ehefrau, wie sie es in ihrem Testament festgelegt hatte.11)

Anmerkungen

  1. Blickrichtung Helwichs ging vom Kirchenschiff aus zum Chor, also war die linke Seite die Nordseite. Dors hat die entgegengesetzte Blickrichtung, vgl. Einleitung Kap. 3.
  2. Im Unterschied zu ihrer Grabplatte, worauf sie wohl im Gewand einer Stiftsdame abgebildet war, vgl. vorherige Nr.
  3. Dors deutet diese Schriftart an; Fraktur wohl aufgrund der frühen Zeitstellung kaum möglich, vielleicht aber Kapitalis, vgl. zu den Unterschieden zwischen kopialer Überlieferung bzw. Abzeichnung und tatsächlicher Ausführung Einleitung Kap. 3.
  4. Helwich überliefert unter dem Text des Epitaphs nur die beiden auf der Grabplatte befindlichen Wappen Lichtenberg und Hanau-Lichtenberg.
  5. Vgl. zu dieser Grabmalsform Arens, Gotische Grabmäler.
  6. Vgl. DI 49 (Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau) Nrr. 64-67.
  7. Vgl. Einleitung Kap. 4.
  8. Vgl. Europ. Stammtafeln NF I,1 Taf. 62 und NF XVI Taf. 161.
  9. Er wurde in der Unionskirche in Idstein beigesetzt, vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nrr. 449, 450.
  10. Vgl. Isenburg. Urk. II Nr. 3578 zu 1499 August 23 mit Bestätigung der Annahme der Marie von Hanau-Lichtenberg als Schwester in Klarenthal durch Äbtissin Eye von Hunolstein.
  11. Vgl. HHStAW 18/U 92a.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 137.
  2. Dors, Genealogia fol. 54r, bearb. Hauck/Laufer 150 Nr. 27 m. Abb. 51.
  3. Andreae, 2. Genealogienbuch fol. 46r (bei Hauck/Laufer Abb. 52).
  4. St. George, Kopie 69 (nach Dors).
  5. Kremer, Origines II 465 Nr. XXXV.
  6. Rossel, Kirchl. Alterthümer Taf. IV (Abb. nach Dors).
  7. Roth, Geschichte Wiesbaden 275 (nach Helwich), 281 (nach Dors).
  8. Renkhoff, Wiesbaden im Mittelalter Taf. XIV (Abb. nach Dors).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 45† (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0004503.