Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 38 Wiesbaden, Kath. Pfarrkirche St. Mauritius (aus ehem. Mauritiuskirche) 1488

Beschreibung

Grundsteinlegungsinschrift auf einem querrechteckigen Quader aus gelbem Sandstein. Bis 1850 neben dem Eingang („ingressum“) des nördlichen Langhauses der alten Mauritiuskirche eingemauert, danach in die SNA im Wiesbadener Museum gekommen; heute als Leihgabe in der Südwand der 1968 erbauten Mauritiuskirche eingelassen.1) Zweizeilige Inschrift in einfachem Linienrahmen. Worttrenner sind Punkte, teilweise mit senkrechtem Zierstrich.

Maße: H. 21, B. 103, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 51, Nr. 38 - Wiesbaden, Kath. Pfarrkirche St. Mauritius (aus ehem. Mauritiuskirche) - 1488

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. ·a) vf · Sanct · vale(n)ti(n)s · dag · de(r) · erst · stey(n) · gelacht /wa(r)t · d(a)z · sag · ich · vch · vo(r)wa(r) · da · ma(n) scr(i)b · 1488b)

Datum: 14. Februar 1488.

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Kommentar

Die schmale und mit knappen Abständen geschriebene Minuskel zeigt Kasten-a mit hochangesetztem, waagrechtem Balken, Schulter-r nach c und e, außerdem zahlreiche durch kleine überschriebene Haken gekürzte r.

Die deutsche Sprache in Bauinschriften begegnet im benachbarten Rheingau in vergleichbarer Weise seit dem Ende des 15. Jahrhunderts, etwa auf der gleichfalls in deutschen Reimversen abgefaßten, auf den Valentinstag 1491 datierten Bauinschrift des ehemaligen Großen Wachttores der Assmannshäuser Befestigung.2) Hier wie dort wird in Erzählform von dem Ereignis berichtet, im vorliegenden Fall ist der unbekannte Chronist mit dem Personalpronomen „ich“ bezeichnet. Die Inschrift bezieht sich auf den Umbau der bereits im 14. Jahrhundert baulich veränderten Mauritiuskirche.3) Da sie offenbar bei der Belagerung der Stadt 1318 Schaden genommen hatte, erfolgten mehrere Umbauten, bis Graf Johann II. von Nassau-Wiesbaden-Idstein4) 1465 den Plan zu einem Neubau faßte. Umsetzen konnte ihn jedoch erst sein Sohn Graf Adolf III. (Nrr. 47, 48).5) Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Februar 1488, bereits am 18. März gewährte Erzbischof Berthold von Henneberg einen Ablaß zum Kirchenbau. Allerdings reichten die Mittel nicht aus, und die Bauarbeiten konzentrierten sich auf den Neubau des Chores. Trotzdem zogen sie sich unter Beibehaltung des romanischen Schiffes über mehrere Jahrzehnte hin; 1504 konnte immerhin Gräfin Margaretha von Hanau (Nrr. 44, 45), Adolfs III. Ehefrau, dort bestattet werden. Adolfs Tod 1511 unterbrach die Arbeiten, so daß die Kirche erst 1521 oder 1522 geweiht werden konnte.

Textkritischer Apparat

  1. Drei Quadrangeln übereinander.
  2. Im Reim zu lesen „vierzehnhundertachtzig und acht“.

Anmerkungen

  1. Vgl. Einleitung Kap. 2.
  2. Vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 281.
  3. Vgl. Einleitung Kap. 2.
  4. Zu seiner Grabplatte in Idstein vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 241.
  5. Vgl. Renkhoff 174f., auch zum Folgenden.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 145.
  2. Ebhardt, Geschichte 122.
  3. Rossel, Kirchl. Alterthümer 8 (Nachzeichnung).
  4. Roth, Geschichte Wiesbaden 238, 280 (nach Helwich).
  5. Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler (1914) 201 (nach Rossel).
  6. Renkhoff, Wiesbaden im Mittelalter 175 (mit Nachzeichnung).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 38 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0003800.