Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 30† Wiesbaden-Klarenthal, ehem. Kloster Klarenthal 1429

Beschreibung

Epitaph, kaum Grabplatte, des Grafen Philipp I. von Nassau-Saarbrücken. Die Grabinschrift wurde erstmals 1614 von Helwich kopial überliefert; 1632 sah Dors den Stein „aufrecht im niedern Chor uf der linken Handt“, d.h. auf der Südseite und überlieferte ihn in einer schwarzen Tuschfederzeichnung. Das mit reicher Maßwerkarchitektur umrahmte Bildfeld zeigte die barhäuptige, reliefierte Figur des Verstorbenen in zeittypischer Rüstung und pelzbesetztem Zaddelrock. Die Hände waren im Gebetsgestus aneinandergelegt, der Kopf (vom Betrachter aus) leicht nach rechts gewendet. Die Füße ruhten auf zwei voneinander abgewendeten Löwen, links lag der Helm, rechts war das Wappen angebracht. Die Inschrift lief auf dem Plattenrand ohne Linien um, Beginn oben auf der linken Seite. Sie war von außen lesbar. Dieser Umstand weist eher auf eine wenigstens leicht erhöht liegende Platte hin, wie das für das Grab Graf Walrams IV. in Idstein angenommen wurde.1) Man kennt allerdings auch schwach reliefierte, also nicht aus dem Boden ragende Platten mit von außen lesbarer Umschrift.2) Die beiden frühen Augenzeugen sahen die Platte aufrecht an der Wand, während sie die übrigen Nassauer Denkmäler ebenfalls übereinstimmend als Grabplatten und Tumben beschrieben. Es ist also kaum davon auszugehen, daß ein einzelnes Denkmal später an die Wand gestellt wurde, weshalb die Platte Philipps als Epitaph gelten kann. Nach der Aufhebung Klarenthals gelangte die Figurenplatte zusammen mit weiteren Grabdenkmälern in die Mauritiuskirche nach Wiesbaden, wo sie beim Kirchenbrand 1850 zerstört wurde. Als Worttrenner werden Quadrangeln überliefert.

Nach Dors.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 51, Nr. 30 - Wiesbaden-Klarenthal, ehem. Kloster Klarenthal - 1429

 Gemeinfrei [1/1]

  1. :a) Anno · domini · millesimo · Quadringentesimo · Vicesimo · nono · Ip(s)o · die · Visitatio/nis · Beate · Marie · Virg(in)is · glo(rio)se · Obiit · / nobilis · d(omi)n(u)s · philippus · Comes · In · Nassauwe · et · In · Saraponteb) · Cuius · anima · requiescat · / in · sancta · pace · amen ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1429, am Tag der Heimsuchung der glücklichen und glorreichen Jungfrau Maria (2. Juli) starb der edle Herr Philipp, Graf in Nassau und Saarbrücken, dessen Seele im heiligen Frieden ruhe Amen.

Wappen:
Nassau/Saarbrücken.3)

Kommentar

Der Verstorbene wurde 1358 als Sohn des Grafen Johann von Nassau-Weilburg und seiner zweiten Ehefrau Johanna von Saarbrücken-Commercy geboren.4) 1371 übernahm er die Grafschaft Nassau-Weilburg, zehn Jahre später auch die Grafschaft Saarbrücken. 1384 schloß er die erste Ehe mit Anna von Hohenlohe-Weikersheim († 1410), einer Tochter des Grafen Kraft IV. und der Elisabeth von Sponheim. Kirchheim, Bolanden, Tannenfels, Frankenstein und Stauf gelangten dadurch an Nassau-Weilburg. König Wenzel bestellte Philipp 1398 zum Landeshauptmann in der Wetterau und am Rhein und erteilte ihm das Münzrecht für die Grafschaft Saarbrücken.5) 1410, nach Annas Tod, nahm Philipp in zweiter Ehe Elisabeth von Lothringen zur Frau († 1456), Tochter des Friedrich von Lothringen und seiner ersten Frau Margaretha von Vaudémont-Joinville. Ihre Grabtumba hat sich in St. Arnual in Saarbrücken erhalten.6)

Die Beisetzung des auf der Reise nach Weilburg erkrankten und vermutlich in Wiesbaden verstorbenen Stammvaters der Linie Nassau-Saarbrücken war die letzte eines regierenden Nassauer Grafen in Klarenthal. Im Klarenthaler Seelbuch ist er zum 4. Juli eingetragen.7)

Textkritischer Apparat

  1. Doppelpunkt wohl statt Anfangskreuz.
  2. Sarbrücken Andreae.

Anmerkungen

  1. Vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 136.
  2. Vgl. DI 38 (Bergstraße) Nrr. 47, 48.
  3. Geviert: 1/4 Nassau, 2/3 Saarbrücken.
  4. Vgl. zu seiner Person ausführlich Ruppersberg I 180ff.; knapp zusammengefaßt bei Dors, Genealogia 184 Anm. 137; vgl. auch Europ. Stammtafeln I,1 NF Taf. 63.
  5. Rossel, Kirchl. Alterthümer 34; vgl. auch HHStAW Kopialbücher A 44 fol. 3v-4r zu 1398 Januar 20, freundl. Hinweis Dr. Dieter Rübsamen, Mainz.
  6. Vgl. Dors, Genealogia fol. 92r, bearb. Hauck/Laufer 188-191 Nr. 46 mit Abb. 78 und 79.
  7. Otto, Necrologium 75 Nr. 270.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 129.
  2. Dors, Genealogia fol. 87r, bearb. Hauck/Laufer 184 Nr. 43 mit Abb. 76.
  3. Andreae, 2. Genealogienbuch fol. 78r.
  4. Hagelgans, Nass. Geschlechtstafel 45, CXXXIV.
  5. St. George, Kopie 99 (nach Dors).
  6. Kremer, Origines II 461f. XX.
  7. Rossel, Kirchl. Alterthümer Taf. III (Abb. nach Dors).
  8. Roth, Geschichte Wiesbaden 586 (nach Helwich).
  9. Otto, Clarenthaler Studien II 42 Nr. 5 (nach Helwich).
  10. Geschichte des Klosters Clarenthal 41 Abb. 5 (Abb. nach Dors).
  11. Renkhoff, Wiesbaden im Mittelalter Taf. XIVa (Abb. nach Dors).
  12. Czysz, Klarenthal 169 (Abb. nach Dors).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 30† (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0003006.