Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 16 Wiesbaden-Schierstein, Ev. Christophoruskirche (aus ehem. Kath. Pfarrkirche St. Maria) 1.H.14.Jh.

Beschreibung

Glocke mit Meister- und Herstellungsinschrift. Kleinste Glocke des Dreiergeläutes. Einzeilige Umschrift zwischen Doppelstegen auf dem Hals, am Wolm Doppelstege, sonst schmucklos. 365 kg.1) Worttrenner sind kleine erhabene Punkte.

Maße: H. m. Krone 91, Dm. 84, Bu. 2 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 51, Nr. 16 - Wiesbaden-Schierstein, Ev. Christophoruskirche (aus ehem. Kath. Pfarrkirche St. Maria) - 1.H.14.Jh.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. MEYSTER · IOHAN(N) · VON · MENCE · DER GOS · MICa) ·

Kommentar

Die Majuskel weist nur bei E eine unziale Buchstabenvariante auf, M und N sind noch konsequent kapital gebildet. Daß nur das E, nicht auch C abgeschlossen ist und A breiten Deckbalken und geknickten Mittelbalken aufweist, unterstreicht die Feststellung einer nur verzögerten Gotisierung der Schrift, wie sie auf allen Glocken des Johann von Mainz zu beobachten ist. Aus den erhaltenen Glocken in Hallgarten, Norheim und Oberwesel2) läßt sich die Verwendung nahezu identischer Model in mehreren Güssen belegen, u.a. auch das spiegelverkehrte gebogene Y. Im Werk des Gießers, von dem Glocken von der Eifel bis zur Wetterau bekannt sind,3) dominiert als Inschrifttext die deutschsprachige Glockengußformel, die Glocke in Eibingen4) war mit dem lateinischen Äquivalent beschriftet, in Schierstein gab es eine Evangelistenglocke (Nr. 24). Die Datierung der Schiersteiner Glocke folgt der chronologischen Einordnung der genannten Glocken. Habel glaubte eine paläographische Verwandtschaft der vorstehenden Glocke sowie der verschollenen, zweiten Schiersteiner Glocke zur Schrift des Taufbeckens der Mainzer Liebfrauenkirche von 13285) zu sehen; allerdings wurden schon für die Hallgartener Glocke des Johann von Mainz Unterschiede zu den Schriftformen des Beckens festgestellt. Luthmer hatte eine engere Datierung um 1350 vorgeschlagen.

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Diese Schreibvariante findet sich auf nahezu allen deutschsprachigen Glocken dieses Gießers.

Anmerkungen

  1. Angabe nach Luthmer.
  2. Vgl. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 69; DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 38; Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2. I 361 m. Abb. 229, auch zukünftig in: Die Inschriften des Rhein-Hunsrück-Kreises.
  3. Eine umfassende Zusammenstellung wird der Inschriftenband Rhein-Hunsrück bieten. Zum Gießer vgl. Renard, Glocken 71, Walter, Glockenkunde 757 und 785f., außerdem zum östlichen Verbreitungsgebiet Fritzen, Glockengießer I 83-85.
  4. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nr. 68.
  5. Vgl. DI 2 (Mainz) Nr. 36, wo der Gießer des Taufbeckens mit dem Glockengießer Johann von Mainz gleichgesetzt wird; das Becken steht heute im Dom.

Nachweise

  1. Habel, Alterthümer 187 in d. Anm.
  2. Lotz, Baudenkmäler 401 (nach Habel).
  3. Luthmer, Bau- und Kunstdenkmäler (1921) 150.
  4. Struck, Geschichte 12 (nach Habel).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 16 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0001600.