Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 14† Wiesbaden-Klarenthal, ehem. Kloster Klarenthal 1338

Beschreibung

Grabplatte der Äbtissin Adelheid von Nassau, ehemals vor dem Altar im Jungfrauenchor („in choro virginum“). Der Inschrifttext wurde 1614 erstmals kopial überliefert, 1632 erneut, diesmal auch die Gestaltung der Grabplatte in Zeichnung. Unter einer Kielbogenarkade stand die Äbtissin in geistlichem Gewand im Gebetsgestus barfüßig auf einem Löwen. Wappen nur von Helwich mitgeteilt; Worttrenner sind von Dors technisch bedingt als Quadrangeln gezeichnet statt der zeitüblichen Punkte.

Nach Dors.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 51, Nr. 14 - Wiesbaden-Klarenthal, ehem. Kloster Klarenthal - 1338

 Gemeinfrei [1/1]

  1. + AN(N)O · D(OMI)NI M · / CCC · XXXVIIIa) · VII · K(A)L(ENDAS) · IVNII · O(BIIT) · ALHEYDIS · / ABBATISSA · DE · N/ASSVWEb) · REGIS · FILIA · R(EQUIESCAT) · IN PACEc) ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1338, am siebten Tag vor den Kalenden des Juni (26. Mai) starb Adelheid, Äbtissin, von Nassau, Tochter des Königs, sie ruhe in Frieden.

Wappen:
Nassau.

Kommentar

Anders als die Grabinschrift für Äbtissin Adelheids 1323 verstorbene Schwester Mathilde von Nassau (Nr. 10), verwendet die vorliegende Grabinschrift kein Epitheton als Kennzeichen der hochadeligen Abstammung der Äbtissin. Ihre königliche Herkunft wird allein durch die Formulierung REGIS FILIA dokumentiert.1)

Die Verstorbene war die älteste Tochter des deutschen Königs Adolf von Nassau und seiner Gattin Imagina von Isenburg-Limburg.2) Das Klarenthaler Nekrolog vermerkt den 12. Mai als Adelheids Todestag.3) Sie zog nach 1298, dem Todesjahr ihres Vaters, gemeinsam mit ihrer Tante Richardis (Nr. 9) vom Mainzer Reichklara-Kloster in die Neugründung in Klarenthal, wo sie ab 1311 bis zu ihrem Tode als (zweite) Äbtissin wirkte.

Textkritischer Apparat

  1. XXVIII Helwich. Diese Zahl ist sicher falsch, da im Nekrolog (vgl. Anm. 3) eine Regierungszeit von 27 Jahren angegeben ist; diese rechnet vom Tod der Vorgängerin Richardis (Nr. 9) im Jahre 1311.
  2. Sic! NASSAWE Helwich.
  3. IN PACE AMEN Helwich, CUI(US) A(N)I(M)A RE(QUI)ESCAT IN PACE AMEN Andreae.

Anmerkungen

  1. Vgl. Einleitung Kap. 4.
  2. Europ. Stammtafeln NF I,1 Taf. 61.
  3. Otto, Necrologium 65 Nr.184.

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 133.
  2. Dors, Genealogia fol. 14r; bearb. Hauck/Laufer 94 Nr. 6 m. Abb. 18.
  3. Andreae, 2. Genealogienbuch fol. 77r.
  4. Hagelgans, Nass. Geschlechtstafel 12, XIV.
  5. Schenck, Geschicht-Beschreibung 405.
  6. St. George, Kopie 25 (nach Dors).
  7. Kremer, Origines II 458 Nr. V.
  8. Colombel, Geschichte Graf Gerlach 80 Anm. 1 (nach Hagelgans).
  9. Otto, Clarenthaler Studien I 177 (nach Helwich u. Hagelgans); II 45 Nr. 24 (nach Helwich).
  10. Geschichte des Klosters Clarenthal 45 Abb. 24.
  11. Czysz, Klarenthal 38 (Abb. nach Dors), 68 (nach Helwich).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 14† (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0001404.