Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 13 Wiesbaden-Klarenthal, Ev. Kapelle (aus ehem. Kloster Klarenthal) 1335

Beschreibung

Grabplatte der Elisabeth Herold und ihrer beiden Töchter Lieba und Werntrudis. Helwich sah die Platte aus rotem Sandstein 1614 im südlichen Teil des Langhauses.1) Heute befindet sich die Platte im Inneren der Ev. Kapelle an der Ostwand. Unter einer Kielbogenarkade, deren Kreuzblume in die obere Schriftleiste reicht, stehen die flachreliefierten Figuren der Verstorbenen: in der Mitte die größer abgebildete Mutter, die ihre Hände mit den jeweils äußeren Händen der neben ihr stehenden Mädchen verbunden hat. Alle drei haben Kissen hinter ihren Köpfen und tragen zeitgenössische Tracht: Kleider mit geknöpften engen Ärmeln, die Mutter darüber einen langen Mantel mit Agraffe und den üblichen Kopf- und Kinnschleier, die Mädchen Gebende und Schapel, ihre Zöpfe sind aufgesteckt. In den Arkadenzwickeln zwei reliefierte Wappen. Die auf dem Plattenrand zwischen Linien umlaufende Grabinschrift beginnt oben in der Mitte. Abplatzungen vornehmlich auf der rechten Seite und im Fußbereich mit Inschriftverlusten, sonst gut erhalten. Worttrenner sind halbkugelig eingetiefte Punkte.

Erg. nach Helwich.

Maße: H. 210, B. 120, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

Di 51, Nr. 13 - Wiesbaden Klarenthal, Ev. Kapelle (aus ehem. Kloster Klarenthal) - 1335

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. ANNO · D(OMI)NI · Mo / · CCCo · XXXVo · XIIIIo K(A)L(ENDAS) · MAY O(BIIT) [ELISABETH] · HEROLDIa) · QVIBUS · X · D/[EP]OSITIS · VI · K(A)L(ENDAS) · MARCII · O(BIIT) · WERN/TRVDIS · IP(S)IS · QVE · X · REPOSITIS · V · IDVS · MAY · O(BIIT) · LIEBA · / FILIE · EIUS

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1335, am 14. Tag vor den Kalenden des Mai (18. April) starb Elisabeth Herold, zehn (Jahre) vorher, am sechsten Tag vor den Kalenden des März (24. Februar 1325) starb Werntrudis, und jenen wieder zehn (Jahre) hinzugefügt, am fünften Tag vor den Iden des Mai (11. Mai 1335) starb Lieba, ihre Töchter.

Wappen:
Herold2); [Eimsheim]3).

Kommentar

Die Inschrift zeigt zeittypische Majuskelformen in mäßig schlanker Proportion. Die Berechnung von Sterbedaten erfolgt üblicherweise nur in metrischen Inschriften; eine Fürbitte fehlt wohl aus Platzmangel, da der Text relativ lang ist.

Elisabeth war die Ehefrau des wohlhabenden Oppenheimer Ratsherrn und Bürgers Hanemann Herold, der 1340 starb und neben seiner Frau in der Klarenthaler Klosterkirche beigesetzt wurde (Nr. 15). Im Klarenthaler Nekrolog ist Elisabeth Herold („domina Elizabeth de Oppenheim“) zum 20. April eingetragen.4) Die Einträge für ihre Töchter Werntrudis und Lieba liefern einen Schlüssel zu einer möglichen Identifizierung der Familienzugehörigkeit der Elisabeth Herold. Werntrudis und Lieba sind jeweils als „cognata fratris Gerhardi“, der dem Konvent ein Pfund Heller stiftete, verzeichnet, und zwar Werntrudis zum 25. Februar5) und Lieba zum 7. Mai.6) Der genannte „frater“ Gerhard, zu dem noch eine weitere „cognata Alheidis“ (Eintrag zum 20. Januar7)) gehörte, wurde von den Klarenthaler Klarissen in seinem Nekrologeintrag zum 5. Mai als „pater noster fidelissimus“ bezeichnet, der dem Kloster 28 Jahre lang treu diente.8) Es dürfte sich um den Beichtvater gehandelt haben, dessen Aufgabe in den Gründungsjahren Werner von Saulheim wahrnahm.9) Der Franziskanermönch Gerhard von Eimsheim, der später offenbar die Nachfolge Werners antrat, ist als „geselle des bichters“, also des Werner von Saulheim, schon 1317 belegt.10) Es ist durchaus anzunehmen, daß Gerhard von Eimsheim identisch ist mit dem im Nekrolog verzeichneten Bruder Gerhard. Wenn diese Identifizierung stimmt, könnte Elisabeth Herold eine Schwester des Gerhard von Eimsheim gewesen sein. Dies würde die im Nekrolog aufgeführte enge Blutverwandtschaft der Töchter zu Bruder Gerhard ebenso erklären wie das zweite Wappen auf dem Stein. Nur mühsam ist darauf oben eine Spaltung und in der Mitte eine Teilung des Schildbildes auszumachen. Die von Eimsheim führten ein Geviert von Rot und Silber im Schild.11) Damit verdichtet sich die Vermutung, daß Elisabeth Herold eine geborene von Eimsheim war.

Textkritischer Apparat

  1. Nur untere Buchstabenelemente erkennbar, oberer Teil des Wortes zerstört.

Anmerkungen

  1. Die Grabplatte lag neben der für ihren Ehemann Hanemann (Nr. 15). Mit zwei anderen lokalisierte Helwich diese Inschriften „a dextris“, zu seiner Ordnung vgl. Einleitung Kap. 3.
  2. Ein beiderseits gezinnter Schrägfaden.
  3. Wappen geteilt, oben gespalten.
  4. Otto, Necrologium 62 Nr. 158.
  5. Ebd. 53 Nr. 89.
  6. Ebd. 65 Nr. 179.
  7. Ebd. 44 Nr. 26.
  8. Ebd. 66 Nr. 190.
  9. Langkabel, Das Kloster Klarenthal 29.
  10. Otto, Necrologium 66 Nr. 190 Anm.
  11. Vgl. Spieß, Beiträge Wappenkunde 99 (mit Abb.).

Nachweise

  1. Helwich, Syntagma 131.
  2. Nachlaß Habel (HHStAW 1163/836) o.S. (Text u. teilw. Abb.).
  3. Otto, Clarenthaler Studien II 44 Nr. 15–17 (nach Helwich).
  4. Geschichte des Klosters Clarenthal 43 Abb. 15-17.

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 13 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0001306.