Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 7 Wiesbaden, Museum (aus Gräberfeld Friedrichstraße) 5.–6. Jh.?

Beschreibung

Grabstein des Votrilo.1) 1880 in der Friedrichstraße aufgefunden. Kalksteinblock mit dreizeiliger Grabinschrift zwischen Doppellinien, darunter Christogramm mit Alpha und Omega. Buchstaben und Ornament neu rot ausgemalt. Worttrenner Dreieck.

Maße: H. 18, B. 18, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Vorkarolingische Kapitalis.

DI 51, Nr.7 - Wiesbaden, Museum (aus Gräberfeld Friedrichstraße) - 5.-6. Jh.?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. HIC IACET · / IN PACE VOT/RILO AN(NOS) [L]a) / A(LPHA) O(MEGA)b)

Übersetzung:

Hier liegt in Frieden Votrilo, 50 Jahre (alt).

Kommentar

Bis auf die fehlenden Tauben gleicht der Stein äußerlich denen des Eppo (Nr. 2), des Kindes Qalaqit (Nr. 5) und der/des Runa (vorherige Nr.). In der Sepulkralformel HIC IACET IN PACE weicht dieser Grabstein von dem sonst durchweg bei allen Wiesbadener und zahlreichen anderen mittelrheinischen Steinen üblichen HIC QUIESCIT IN PACE-Formular2) ab. Bei der Regionalverteilung von HIC IACET ist ein Schwerpunkt im Trierer Raum auszumachen, im Mittelrheingebiet ist dieses Formular selten; die Formel, aber ohne den Zusatz IN PACE, bieten nur noch die ebenfalls frühen Mainzer Steine für Florentius und Saturnus.3) Die Datierung des Votrilo-Steines folgt dem bei den ührigen Wiesbadener Grabsteinen vorgeschlagenen weitergefaßten Rahmen (vgl. Nr. 2).

Der Name wurde trotz fehlender Belege als germanisch gedeutet4) und müßte aus *Wōdarilo mit stammerweitertem *wōdar- aus wōd- abgeleitet sein,5) obwohl entsprechende Stammerweiterungen in der Galloromania erst ab dem beginnenden 7. Jahrhundert angesetzt werden.6) Die bisher nicht angefochtene Frühdatierung des Votrilo-Steines hinderte nicht daran, den Namen als Beleg für ein r-erweitertes Namenglied *Wōth(a)r bzw. *Wōd(a)r zu zählen.7)

Textkritischer Apparat

  1. Ergänzt nach Abb. bei Kraus.
  2. Zwei griechische Unzialbuchstaben.

Anmerkungen

  1. Inv.-Nr. 494.
  2. Etwa in Worms, vgl. DI 29 (Worms) Nrr. 1-3; in Boppard, vgl. Boppert 125f.
  3. Boppert 40-42 (Florentius), 85f. (Saturnus).
  4. Alföldi, Rezension 665.
  5. Vgl. Förstemann, Namenbuch I Sp. 1629-1631.
  6. Vgl. Haubrichs, Stammerweiterung 196f., 205.
  7. Vgl. Nedoma, Votrilo 6 und Haubrichs, Eppo Nr. 2.

Nachweise

  1. Wichtigste Belege (weitere Literatur bei Boppert): Otto/Cohausen, Inschriften 144 (Nachzeichnung).
  2. Cohausen, Führer vor 151 (Abb.).
  3. Kraus, Christl. Inschriften I 29 Nr. 53, Taf. VI 3.
  4. Le Blant, Nouveau Recueil Nr. 431.
  5. Reeb, Germanische Namen 48.
  6. CIL XIII Nr. 7603.
  7. Kutsch, Vor- und Frühgeschichte 80.
  8. Diehl, Inscript. lat. II Nr. 3080.
  9. Schoppa, Völkerwanderungszeit 45 Nr. 172.
  10. Boppert, Die frühchristl. Inschriften 152 (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 7 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0000701.