Inschriftenkatalog: Stadt Wiesbaden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 51: Wiesbaden (2000)

Nr. 6 Wiesbaden, Museum (aus Gräberfeld Schwalbacher-/Luisenstraße) 5.–6. Jh.?

Beschreibung

Grabstein des/der Runa.1) 1873 an der Nordostecke der Kreuzung Schwalbacher- mit Luisenstraße aufgefunden. Kalksteinblock mit dreizeiliger Grabinschrift zwischen Doppellinien, darunter Christogramm mit zwei Tauben und Alpha und Omega. Beschädigungen oben links und am rechten Rand, Buchstaben und Ornamente neu rot ausgemalt.

Maße: H. 30, B. 26, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Vorkarolingische Kapitalis.

DI 51, Nr. 6 - Wiesbaden, Museum (aus Gräberfeld Schwalbacher-/Luisenstraße) - 5.-6. Jh.?

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. [HI]C QVIES/[CI]T IN PACE / RVNAa) QVI Vb) / A(LPHA) O(MEGA)c)

Übersetzung:

Hier ruht in Frieden Runa, der/die (lebte...).

Kommentar

Die Inschrift ist wie die für Qalaqit (vorherige Nr.) eher feinstrichig gestaltet und gleicht im übrigen äußerlich dieser und der des Eppo (Nr. 2). An den Namen Runa schloß man hier offenbar ebenso wie bei letzterem stark verkürztes QVI VIXIT oder Varianten an. Eine keltiberische Bestimmung des Namens2) ergab sich aus der Zusammenziehung mit QVIV. Runa ist in zahlreichen germanischen Namenbil­dungen gesichert.3) Zwar kommt der Name Albruna schon bei Tacitus (Germania, c. 8) vor, als erstes Namenselement sonst ab dem 7., als zweites ab dem 8. Jahrhundert und dann jeweils im westgermani­schen Bereich.4) Ein ostgermanischer Männername ist bei einer Frühdatierung nicht auszuschließen.

Textkritischer Apparat

  1. UNA Schoppa.
  2. Wohl für QVI V(IXIT), so auch Schoppa. RVNAQVIV bei Becker, Kraus, Boppert, Staab, Untersuchungen 24-26, Renkhoff, Wiesbaden im Mittelalter 2, favorisiert auch bei Reichert, Lexikon I 580.
  3. Zwei griechische Unzialbuchstaben.

Anmerkungen

  1. Inv.-Nr. 345.
  2. Renkhoff, Wiesbaden im Mittelalter 2 mit Anm. 4 und Hinweis auf Staab, Untersuchungen 24 ff.
  3. Vgl. Förstemann, Namenbuch I Sp. 1284.
  4. Vgl. Haubrichs, Eppo Nr. 5.

Nachweise

  1. Wichtigste Belege (weitere Literatur bei Boppert): Cohausen, Notizen 48.
  2. Becker, Die altchristl. Inschriften 181 Nr. 2.
  3. Kraus, Christl. Inschriften I 28 Nr. 50 Taf. VI 8.
  4. Le Blant, Nouveau Recueil Nr. 428.
  5. Reeb, Germanische Namen 47.
  6. CIL XIII Nr. 7604.
  7. Schoppa, Völkerwanderungszeit 45 Nr. 173.
  8. Boppert, Die frühchristl. Inschriften 150f. (mit Abb.).

Zitierhinweis:
DI 51, Wiesbaden, Nr. 6 (Yvonne Monsees), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di051mz05k0000603.