Der epigraphische Tipp

Folge 14: Was ist ein „Grenzstein“?

Ein Grenzstein oder auch Markstein steht an einem Eckpunkt, Knickpunkt oder Knotenpunkt einer Flurstücksgrenze. Bei Feld- und Waldgrenzen sollte er einige Dezimeter aus dem Boden ragen, um gut sichtbar zu sein. Die ältesten Beschriftungen von Grenzsteinen dürften in das 15. Jh. zurückgehen. Ihre Aussage ist meist wortkarg, eine Jahreszahl etwa, später vielleicht auch ein Buchstabe oder eine Ziffer zur Numerierung der Grenzsteine, dann die Bezeichnung der aneinandergrenzenden Gebiete, oft nur durch die Wappen und durch Initialen.

Bei den Grenzen, die auf diese Weise "versteint" sind, wie es in den Quellen heißt, handelt es sich nur teilweise um Herrschaftsgrenzen, sehr viel häufiger um die Grenzen von Gemeindehuten, den gemeindlichen Weidegründen, um die es immer wieder oft jahrzehntelange Streitigkeiten gab. Die Mehrzahl der Steine gehört dem 17. und 18. Jahrhundert an. Grenzsteine wurden vorwiegend aus in der Region verfügbaren Gesteinsarten gehauen.

Es gibt Grenzsteine aus Granit, Kalkstein, Marmor, Schiefer, Basaltsäulen und weiteren Gesteinsarten. An den Grenzen von Landgütern oder herrschaftlichen Wäldern gibt es noch zahlreiche Grenzsteine mit Wappen oder Inschriften. Zur Markierung kirchlichen Grundbesitzes wurden ebenso Grenzsteine gesetzt.

Nachfolgend eine Beispielnummer aus Band 60 Rhein-Hunsrück Kreis I:

DI 60, Nr. 288Boppard-Bad Salzig, Kath. Pfarrkirche St. Ägidius (aus Gemarkung)1607

Beschreibung

Grenzstein, gegenwärtig am Fußweg zur Kirche aufgestellt. Einseitig beschrifteter Quader aus Basalt mit großem, leicht überstehendem Adlerwappen in der Mitte, darüber die Jahreszahl, darunter die zweizeilige Inschrift. Leicht verwittert, zudem Beschädigung durch ein nachträgliches Dübelloch an der Wappenspitze und einen Metallbolzen auf der Oberseite. Die Rückseite ist ungeglättet.

Maße: H. 40, B. 12, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grenzstein

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/1]

  1. 1607 // BO[.]Na) / STEI[N]

Wappen
Stadt Boppard

Kommentar

Der aufgrund des signifikanten Adlerwappens leicht zu identifizierende Grenzstein stammt von der ehemaligen Gemarkungsgrenze Salzigs zu Boppard.

Textkritischer Apparat

  1. BOIN Stein, BOLN Kdm.

Nachweise

  1. Stein, Bad Salzig 192.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 746.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 288 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0028809