Inschriftenkatalog: Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 67: Stadt Passau (2006)

Nr. 453 Domhof 1532

Beschreibung

Grabtafel für Elisabeth Spies, geb. Schober, an der Südwand im dritten Joch von Westen, Mitte. Heller Kalkstein. Im oberen Teil der Platte Inschriften (I, II), an der unteren Schmalseite drei Kreismedaillons: links mit Wappen, in der Mitte mit Schädel und umlaufend nach innen gerichteter, erhabener Umschrift (III), rechts wieder mit Wappen. Scriptura continua. Linien der Vorzeichnung noch sichtbar.

Maße: H. 107 cm, B. 92 cm, Bu. 5 cm3 cm (I, II), 2 cm (III).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 67, Nr. 453 – Domhof – 1532

 © Bischöfliches Ordinariat Passau [1/4]

  1. I.

    D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) / ELSAE GEORGI SOBRI ANGILOSTADEN(SI) F(ILIAE) / CONIVGI INCOMPARABILI AC FOEMINAEa) RA/RISSIMAE VIX(IT) AN(NOS) XXXIIII · M(ENSES) · VII · D(IES) XIII · GE/ORGIVS SPIESO IVRIS INTERPRES PONTIF(ICIS)b) · / BATHAVEN(SIS) SACRO SCRINIO PRAEFEX PIE/TATE POSVITc) · MDXXXII · III · EIDVSd) MAIASe)

  2. II.

    QVID FLES CVR LVGES CONIVNX CARISSI(ME) VIXIDVM VIXI BENE NVNC MVNERE VIVO DEI VITAVI MORTEM CVNCTIS EREPTA PERICLISIPSA PRIOR CESSI DVX TIBI CREDE · VIAEMITEf) ERGO LACRVMASg) DIVOSQVEh) LACESSEREi) NOLIk)ET MEMOR AETERNI VIVE VALEQVE DEIl)

  3. III.

    REVIVISCAM SERVATOR VIVITm)

Übersetzung:

Gott, dem besten und größten. Der Elisabeth, Tochter des Georg Schober aus Ingolstadt, der unvergleichlichen Gemahlin und vortrefflichsten Frau, sie lebte 34 Jahre, 7 Monate, 13 Tage, setzte Georg Spies, Ausleger des Rechts beim Bischof zu Passau und Vorstand an der geistlichen Kanzlei, aus Liebe (dieses Grabmal), 1532 am dritten Tag vor den Iden des Mai. (I)

Was weinst du, warum trauerst du, teuerster Gatte? Solange ich gelebt habe, habe ich gut gelebt. Nun lebe ich durch die Gnade Gottes. Ich habe, allen Gefahren entrissen, den Tod vermieden. Ich bin selbst zuerst gegangen, glaube mir, als Führerin auf dem Wege für Dich. Halt ein also die Tränen, reize die Götter nicht und lebe eingedenk des ewigen Gottes. Lebe wohl. (II)

Ich werde wieder leben, der Retter lebt. (III)

Bibel- und Schriftstellerzitat(e):

  • Nach Iob 19, 25. (III)

Datum: 1532 Mai 13.

Versmaß: Distichen. (II)

Wappen:
unbekannt1), Schober2).

Kommentar

Zur Schrift vgl. Einleitungskapitel S. LII.

Elisabeth Schober war die Tochter des Ingolstädter Ratsbürgers Georg Schober und seiner Frau Elisabeth, geb. Schramm3). Sie war verheiratet mit Georg Behaim, gen. Spies. Spies war Professor an der Universität Ingolstadt, dort lernte er vermutlich seine Frau kennen. Später war er Prokurator oder Advokat am Reichskammergericht, Kanzler des Bischofs von Freising und schließlich Rat des Bischofs von Passau4).

Textkritischer Apparat

  1. OE-Enklave.
  2. ON-Enklave.
  3. OS-Enklave.
  4. Sic!
  5. Worttrenner in Form eines Dreiecks auf der Zeilenmitte.
  6. Sic, zweites T fehlt.
  7. Sic, mutmaßlich Verschreibung für LACRYMAS.
  8. Enklaven DI, OS, QV.
  9. CE-Enklave.
  10. OL-Enklave.
  11. DE-Enklave.
  12. Am Anfang der Umschrift vierblättrige Blüte.

Anmerkungen

  1. Geteilt, oben und unten je ein halber Balken.
  2. BayA1 25.
  3. Für Georg Schober (†1547) findet sich ein Grabdenkmal in der Pfarrkirche zur Schönen unserer Lieben Frau in Ingolstadt. Vgl. Bornschlegel, Inschriften Abb. 6.
  4. Vgl. Biographisches Lexikon I, 37.

Nachweise

  1. UBM 2o cod. ms. 397, fol. 97r; Kdm Passau 122; Kapsner, Passau 69.

Zitierhinweis:
DI 67, Stadt Passau, Nr. 453 (Christine Steininger), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di067m010k0045305.