Die Inschriften der Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

2. Historischer Überblick

von Egon Boshof

Die römische Zeit

Der Name der an den drei Flüssen Donau, Inn und Ilz gelegenen Stadt geht auf ihre römischen Ursprünge zurück. Spätestens im Zuge der durch die Markomannenkriege notwendig gewordenen Verstärkung der Donaugrenze dürfte um 170/180 n. Chr. die Cohors VIIII Batavorum equitata milliaria exploratorum in das schon bestehende Lager verlegt worden sein, um im nördlich des Flusses gelegenen Gebiet, im Barbaricum nach Böhmen hin und darüber hinaus, Aufklärungsaufgaben zu übernehmen1). Die vom Niederrhein kommende Truppe gab mit ihrer Zivilsiedlung ad Batavos dem Ort den Namen, der sich über Batavis, Pazzouwe zur heutigen Sprachform Passau entwickelte. Zugleich ist damit auch ein Indiz für ungebrochene Siedlungskontinuität gegeben, wenn auch die spärlichen archäologischen Befunde über die Entwicklung im 6. und 7. Jahrhundert kaum genauere Aussagen erlauben.

Der Inn bildete die Grenze zwischen den Provinzen Raetien und Noricum. Bereits Ende des 1. Jahrhunderts war auf norischer Seite ein kleines Kastell mit Zivilsiedlung errichtet worden, auf das der Name des schon in augusteischer Zeit untergegangenen keltischen Oppidum Boiodurum, befestigte Anlage des Boios, übertragen wurde. Bei einem Angriff der Alamannen um die Mitte des 3. Jahrhunderts wurden das Kastell und die Zivilsiedlung zerstört. An ihrer Stelle wurde während der Regierungszeit des Kaisers Diokletian gegen Ende des Jahrhunderts etwa einen Kilometer innaufwärts das Kastell Boiotro mit dazugehöriger Zivilsiedlung erbaut2). Auf der raetischen Seite wurde wohl zu Beginn des 2. Jahrhunderts eine im Bereich des heutigen Klosters Niedernburg schon bestehende kleine befestigte Zollstation in ein Kastell ausgebaut. Ob auf dem Domberg ein weiteres Lager – etwa als Garnison für die 9. Bataverkohorte – bestand, lässt sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Die beiden Auxiliarlager bildeten, da sie durch die Provinzgrenze voneinander getrennt waren, keine politische Einheit, keine Stadt/civitas im qualifizierten Sinne; sie nahmen militärische Aufgaben wahr und wurden dank ihrer günstigen geographischen Lage als Handelsstützpunkte genutzt.

Wenn für die römische Frühzeit die inschriftlichen Quellen nur spärlich fließen, die Münzfunde allerdings reichlicher ausfallen, ist die passauische Geschichte der Spätantike und der Übergangszeit zur Epoche der Völkerwanderung sehr viel besser durch eine geradezu exzeptionelle Quelle dokumentiert: die Vita sancti Severini des Eugippius3). Severin, eine charismatische Persönlichkeit, der Herkunft nach wohl ein ehemaliger Kuriale aus der Provinz Valeria (um Budapest), hat beim Zusammenbruch der römischen Munizipalverwaltung zwischen 460 und 482 im östlichen Raetien und [Druckseite XI] westlichen Noricum Aufgaben der Verwaltung und der Versorgung der Provinzialbevölkerung übernommen und eine Mönchsgemeinschaft gegründet, die ihn unterstützte und an mehreren Orten Niederlassungen errichtete4). Sein Biograph Eugippius, der selbst der Gemeinschaft angehörte und mit dieser im Jahre 488 aus Faviana (Mautern) nach Italien zurückkehrte, berichtet aus unmittelbarem Erleben. Die Vita seines Lehrers hat er 509/11 als vierter Abt der Mönchsgemeinschaft im Severins-Gedächtniskloster im Kastell Lucullanum bei Neapel verfasst5). Für die Siedlung Batavis bezeugt die Vita die Existenz einer Mönchszelle (cellulam paucis monachis ... fundaverat) und eines Baptisteriums – damit liegt natürlich der Schluss auf das Vorhandensein einer sonst nicht belegten und nicht eindeutig zu lokalisierenden (Domberg?, Niedernburg?) Gemeindekirche nahe – und erwähnt für das Kastell Boiotro eine mit Reliquien des heiligen Johannes Baptista ausgestattete Basilika mit einem kleinen Kloster6). Diese Basilika, die Vorgängerkirche der heutigen Friedhofskirche St. Severin, stellt sich nach den Ausgrabungen als eine Saalkirche mit Vorhalle und möglicherweise Annexbauten dar; sie war wohl von Anfang an eine Coemeterialkirche und wurde wahrscheinlich erst in ottonischer Zeit durch einen Neubau ersetzt.

Die Errichtung des Bistums

Auf den Ansturm des Germanen reagierte der in Rom im Auftrag Ostroms regierende Söldnerführer und germanische Volkskönig Odoakar mit dem Evakuierungsedikt des Jahres 4887). Damit war das Ende der römischen Herrschaft in unserem Raume eingeläutet. Allerdings war der Rückzug kein vollständiger; es blieben romanische Siedlungsinseln in einem sich mehr und mehr germanisierenden Umfeld bestehen, und damit überlebte auch ein Restchristentum. Die beiden folgenden Jahrhunderte liegen freilich weitgehend im Dunkeln. Erst mit dem Auftreten des ersten Bischofs Vivilo wird die passauische Geschichte für uns wieder durchschaubar. Er muss zwischen dem 18. März 731, dem Pontifikatsbeginn des Papstes Gregor III., der Vivilo nach eigener Aussage selbst geweiht hat, und der durch den päpstlichen Legaten Bonifatius im Jahre 739 vollzogenen kanonischen Errichtung der bayerischen Bistümer die Passauer Cathedra bestiegen haben8). Passau steht also als Bischofssitz schon vor 739 eindeutig fest. Über Vivilos Herkunft lässt sich nichts ausmachen. Als Klosterbischof wird man ihn nicht ansehen können, denn anders als in Salzburg oder Regensburg ist eine klösterliche Gemeinschaft in Passau nicht nachweisbar, und auch an einen Wanderbischof wird man wahrscheinlich nicht denken dürfen; denn einen solchen hätte Bonifatius nicht akzeptiert. In Passau hat man sich später, seit dem Bischof Pilgrim (971–991), eine eigene Tradition geschaffen, indem man die Ursprünge der eigenen Kirche mit der Geschichte des in der Severinsvita bezeugten Bischofssitzes Lauriacum-Lorch verknüpfte und daraus weitgehende kirchenpolitische Konsequenzen zog9). Danach soll Vivilo nach der Zerstörung von Lorch durch die Barbaren – gemeint sind die Awaren – die Cathedra nach Passau verlegt haben. Die Kirche des heiligen Stephan trat damit die Nachfolge des Erzbistums (!) Lorch an und konnte Anspruch auf den Metropolitenrang erheben, was in letzter Konsequenz die Herauslösung aus der Kirchenprovinz Salzburg und vor dem Hintergrund der Ungarnmission des 10. Jahrhunderts die Schaffung eines eigenen, den noch zu missionierenden Donauraum umfassenden Metropolitanverbandes bedeutete10). Die hochfliegenden, von Pilgrim auch mit dem Mittel der Urkundenfälschung verfolgten Pläne haben sich nicht verwirklichen lassen, aber die „Lorcher Fabel“ hat das Selbstverständnis der Passauer Kirche bis in die Neuzeit, in Ausläufern sogar bis ins 20. Jahrhundert geprägt11).

Patron der Bischofskirche war der Erzmärtyrer Stephanus; ihm wurde schon bald der Hl. Valentin beigesellt. Dessen Gebeine hatte der Herzog Tassilo III. im Jahre 764 von Trient nach Passau überführen lassen; seit dieser Zeit erscheint in den Quellen das Doppelpatrozinium „St. Stephan und [Druckseite XII] St. Valentin“ für den Dom12). In Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Domes nach den schweren Zerstörungen im Aufstand Heinrichs des Zänkers und seiner liutpoldingischen Verwandten gegen Otto II. hat der Bischof Pilgrim zwischen 976 und 985 die Reliquien des heiligen Maximilian, über dessen frühen Kult nichts bekannt ist und den erst eine spätere Legende zum „Erzbischof“ von Lorch machte, ihn auf diese Weise in die „Lorcher Fabel“ eingliederte, aus Altötting in seine Kirche transferieren lassen und damit ihr und dem Bistum einen weiteren Patron gegeben. Es war ein symbolischer Akt, der vielleicht dem Neubau eine besondere Weihe geben, der aber vor allem die Ansprüche der Passauer Kirche auf das von König Karlmann gegründete Pfalzstift untermauern sollte. Tatsächlich hat Otto III. Pilgrims Nachfolger Christian (991–1013) im Jahre 993 endgültig den Besitz von Altötting bestätigt13). Der Valentins- und Maximilianskult blühte seit dem 13. Jahrhundert im Rahmen der Volksfrömmigkeit auf; die Verehrung des Hl. Maximilian gewann besondere Bedeutung, als Kaiser Friedrich III. ihn zum Namenspatron für seinen Sohn und Nachfolger Maximilian (I.) erwählte, in Bayern aber vor allem, seit der Name im Wittelsbacher Hause beliebt wurde14).

Für mehr als ein Jahrtausend wurde die Geschichte Passaus nach 739 von den Bischöfen bestimmt. Auf der Grundlage der sicher bereits von Karl III. und Arnulf, vielleicht aber schon von Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen (oder dem Deutschen) verliehenen Immunität, die die bischöfliche Grundherrschaft aus dem Amtsbereich der Grafen des Rottachgaues eximierte, haben die Passauer Bischöfe ihre Stadtherrschaft auf- und ausgebaut und auf das Hochstift ausgeweitet. Wiederum war es der Bischof Christian, der von Otto III. das grundlegende Privileg erwirkte: Der Kaiser hat ihm auf dem zweiten Italienzug am 3. Januar 999 auf Bitten des Bayernherzogs Heinrich das Markt-, Münz- und Zollrecht, den Bann sowie die gesamte öffentliche Gewalt (totius rei publicae districtum), das heißt also in erster Linie die Gerichtsbarkeit, innerhalb und außerhalb der Stadt übertragen15). Das war zunächst ein Wechsel auf die Zukunft; ihn einzulösen hing von der Tatkraft der einzelnen Bischöfe und nicht zuletzt von einem guten Verhältnis zur Reichsgewalt ab.

Das Domkapitel

Schon früh wird in den Quellen auch jene Institution fassbar, die mit und neben dem Bischof, in späteren Zeiten mitunter auch gegen ihn, die Geschicke der Stadt und des Bistums bestimmt hat: das Domkapitel. Ein Domkloster (monasterium Patauis ad ecclesiam sancti Stephani protomartyris) ist bereits in einer Schenkung des Jahres 796 bezeugt16). Hier handelt es sich zweifellos um eine Kanonikergemeinschaft; denn anders als in Salzburg, Regensburg oder Freising war in Passau nicht ein Mönchskloster Vorläufer der Bischofskirche. Im Laufe des 9. Jahrhunderts hat das Domkapitel durch Zuwendungen von verschiedenen Seiten, in erster Linie natürlich vom Bischof, ein Sondervermögen ausbilden können. Wenn auch der Bischof zunächst noch das Obereigentum behauptete, so verlief die weitere Entwicklung doch in Richtung auf eine zunehmende korporative Verfestigung, bis das Domkapitel schließlich seit dem 13. Jahrhundert dem Bischof selbständig handelnd gegenübertrat17).

Niedernburg

In der Topographie und den Rechtsverhältnissen der Stadt stellte die Abtei Niedernburg mit ihrer Grundherrschaft im östlichen Teil der Halbinsel zwischen Donau und Inn den Gegenpol zum Dom St. Stephan und zur bischöflichen Herrschaft mit ihrem Zentrum, der Residenz, dar. Die frühe Geschichte des Nonnenklosters liegt im dunkeln. Eine späte, aber glaubwürdige Tradition führt die Ursprünge in die agilolfingische Epoche zurück und sieht in dem Herzog Odilo oder seinem Nachfolger Tassilo III. den Gründer; quellenmäßig belegt ist das der Gottesmutter geweihte Kloster (monasterium sancte Marie Batauie constructum) zuerst in einem Diplom des Königs Arnulf aus dem Jahre 88818): Der Name „Niedernburg“ (ecclesia sancte dei genitricis Marie ad inferius monasterium) findet sich [Druckseite XIII] erst seit dem 12. Jahrhundert19). Ob die Klosterfrauen schon in agilolfingisch-karolingischer Zeit der Benediktregel folgten, lässt sich nicht ausmachen; vieles spricht eher für eine kanonikale Lebensform.

Nach dem Sturz Tassilos fiel das Kloster an den Fiskus; es wurde Reichsabtei. Für die Bischöfe war der Herrschaftsbereich der Äbtissin, der in der Stadt bis zur Marchgasse (heute Marktgasse) reichte, eine ständige Herausforderung ihrer auf die Herrschaft über das gesamte Stadtareal gerichteten Ambitionen. Tatsächlich erwirkte der Bischof Pilgrim im Jahre 976 von Otto II. – wiederum als Entschädigung für die in den bayerischen Wirren erlittenen Zerstörungen – die Schenkung der Abtei20). Aber der Erfolg war nicht von langer Dauer. Heinrich II. gab Niedernburg den Status einer Reichsabtei zurück und übertrug ihr zugleich ein riesiges Gebiet im „Nordwald“, das durch die Donaunebenflüsse Ilz und Rodel, die Donau selbst und den Grenzsaum nach Böhmen markiert wurde. Für die Geschichte des Hochstifts Passau kommt dieser „Nordwaldschenkung“ größte Bedeutung zu, da damit jenes „Land der Abtei“ umschrieben ist, das im Wesentlichen die territoriale Basis des künftigen Fürstbistums darstellen sollte21). In weiteren Diplomen schenkte der König dem Kloster u.a. die gesamte böhmische Maut (theloneum Boemiense) sowie die Gerichtsbarkeit und alle öffentlichen Rechte über die auf dem Klostergut hausenden Hörigen und Freien22). Mit der Erwähnung der böhmischen Maut ist zum ersten Mal ein deutlicher Hinweis auf den Handel nach Böhmen, dessen wichtigstes Objekt bekanntlich das Salz war, gegeben, und indirekt kommt damit auch der später so genannte „Goldene Steig“, die Handelsroute von Passau durch den Böhmerwald, in unser Blickfeld23). Empfängerin der Gunsterweise war die Äbtissin Heilika, nach späterer Klostertradition eine Tante des Kaisers24). Ebenfalls aus späterer Tradition geht hervor, dass die böhmische Maut ursprünglich im Besitz der Kaiserin Kunigunde war; offenbar hatte sie zum Dotalgut der Gemahlin Heinrichs gehört25). Nach Karl Ludwig Seyffert, dem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts schreibenden Chronisten, hat die Kaiserin der Abtei auch eine Partikel vom Heiligen Kreuz geschenkt.

Die reiche Privilegierung der Abtei durch das Kaiserpaar erklärt, warum Heinrich II. und Kunigunde in der Klostertradition als die neuen Stifter verehrt wurden. Offenbar erfolgten in Zusammenhang mit der Restauration auch bauliche Veränderungen; Seyffert schreibt nämlich – ohne allerdings seine Quelle anzugeben – dem Bischof Berengar (1013–1045) die Weihe der neu erbauten Klosterkirche zu26). Die Wiederherstellung der Reichsunmittelbarkeit der Abtei und damit die Rückgewinnung einer repräsentativen Stellung machen wohl auch verständlich, dass Heinrichs II. Schwester, die Ungarnkönigin Gisela, als sie in den nach dem Tode ihres Gemahls Stephan ausgebrochenen Thronwirren und Aufständen Ungarn um 1044 verlassen musste, hier den Schleier nahm und auch ihre Grablege fand27).

Die Diplome Heinrichs II. von 1010 haben das Klosterpatrozinium St. Salvator und Maria; der erste sichere Beleg für ein Heiligkreuzpatrozinium gehört in das Jahr 1244, als der Bischof Rüdiger Klerus und Volk der Diözese anwies, dem Subdiakon Heinricus Argentinus bei seiner Aufgabe, Almosen für die Wiederherstellung der verfallenen Kirchen Heiligkreuz und St. Marien zu sammeln, Unterstützung zu leisten28). Von der Marienkirche existieren heute nur Reste, die auf das ausgehende 12., beginnende 13. Jahrhundert zurückgehen29). Aus ihnen hat man eine dreischiffige Pfeilerbasilika rekonstruieren können, deren Vorhalle mit dem Portal und bedeutenden Fresken erhalten ist30). Diese [Druckseite XIV] Kirche wird als Laienkirche des Klosters gedeutet. Offenbar ist auf sie das ursprüngliche Klosterpatrozinium übergegangen, während die Hauptkirche nun das Heiligkreuzpatrozinium führte.

Das endgültige Schicksal des Nonnenklosters entschied sich in staufischer Zeit. Am 29. Januar 1161 übertrug Friedrich Barbarossa auf die Bitte des Bischofs Konrad, seines Oheims, Niedernburg der Passauer Kirche gegen einen jährlichen Zins von 40 Pfund Regensburger Münze, nahm aber von dieser Schenkung zunächst noch die Vogtei aus, deren Vergabe er sich und seinen Nachfolgern vorbehielt31). Etwas mehr als dreißig Jahre später, am 28. März 1193, erwirkte der Bischof Wolfger von Heinrich VI. ein Privileg, das ihm auch die letzten königlichen Reservatrechte überließ32). Ob der Konvent von Niedernburg tatsächlich so reformbedürftig war, wie das Friedrichdiplom – neben dem Lobpreis der Loyalität des Bischofs – als Begründung für die Schenkung glauben machen will, bleibe dahingestellt. Dass Bischof Wolfger die Äbtissin Heilika II. im Jahre 1198 suspendierte, muss nicht als Beweis für die Glaubwürdigkeit der kaiserlichen Behauptung genommen werden. Es ging hier wohl eher um die endgültige Durchsetzung der bischöflichen Herrschaft. Mit den kaiserlichen Privilegien von 1161 und 1193 hatten die Bischöfe ihr lange verfolgtes Ziel erreicht: Das gesamte Stadtgebiet unterstand nun ihrer Herrschaft; das Klostervermögen war in ihre Verfügungsgewalt übergegangen. Nach Heilikas Absetzung erscheinen für etwa drei Jahrhunderte nur noch Dechantinnen, nicht mehr Äbtissinnen in der Leitung des Nonnenklosters33).

Bischof Altmann und St. Nikola

Aus der Reihe der Passauer Bischöfe ragt im 11. Jahrhundert Altmann (1065–1091) heraus. Er hat in dem großen Konflikt zwischen Heinrich IV. und Gregor VII., in dem es zunächst um das grundsätzliche Problem des Verhältnisses der beiden höchsten Gewalten, von regnum und sacerdotium, zueinander und im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung vor allem um das Recht der Einsetzung, Investitur, der Bischöfe ging, als radikaler Gregorianer eine bedeutende Rolle in der Reichskirche gespielt34). Dabei stieß er in seinem Bemühen um die Durchsetzung der Reformen, um das Verbot von Priesterehe und Simonie, auch auf den Widerstand des Klerus in seiner Diözese, und als er sich 1077 dem Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden anschloss, traf ihn der ganze Zorn des Saliers, der die Bischofsstadt besetzte und den Bischof vertrieb. Altmann ging in seine Stiftung Göttweig und hat Passau bis zu seinem Tode nicht mehr betreten können. Das von ihm in der Vorstadt (suburbium) von Passau an der Innüberfuhr gegründete Augustinerchorherrenstift St. Nikola aber hat seine politische Niederlage überdauert.

Altmann hat dem Stift, dessen Entstehung in den Zusammenhang der Kanonikerreform des 11. Jahrhunderts gehört und das eines der frühesten Beispiele für die Erneuerung der vita canonica in der Reichskirche darstellt, die Aufgabe eines Bildungs- und Reformzentrums in seiner Diözese zugedacht35). Das genaue Gründungsdatum ist unbekannt. Die knappere Form des sogenannten Stiftsbriefes, das Minus, ist zwar zum 30. September 1067, die erweiterte Fassung, das Maius, zum 21. Mai 1074 datiert, aber beide Urkunden sind Fälschungen des 12. und 13. Jahrhunderts36). Die erste sichere Nachricht liefert das Privileg des Papstes Alexander II. vom 3. März 107337); die spätere Klostertradition ging natürlich vom Gründungsdatum 1067 aus. Nach dem Papstprivileg war das Kloster der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Auferstehung Christi, dem Apostel Andreas, dem Märtyrer Pantaleon und dem Bekenner Nikolaus geweiht – der vielfältig verwendbare Nikolaus, unter anderem als Schutzheiliger der Kaufleute, Pilger und Reisenden, hat schließlich, wohl im Zusammenhang mit dem Aufblühen des Kultes nach der Überführung der Reliquien nach Bari 1087, die anderen Patrozinien verdrängt. Der Ausbruch des Investiturstreites hat die vielversprechenden Ansätze nicht zur Vollendung gedeihen lassen. Die weitere Entwicklung des Stifts entbehrt der spektakulären Höhepunkte. Als der Bischof Manegold im Jahre 1209 die neu entstandene Vorstadt „Neumarkt“ durch eine vom Inn zur Donau sich hinziehende Wehrmauer befestigen ließ, kam das Kloster mit seiner späteren Hofmark vor die Mauer zu liegen. Diese topographische Situation und die in den folgenden Jahrzehnten sich ergebende Umgestaltung der Vogteiverhältnisse haben die weitere Geschichte von St. Nikola ent- [Druckseite XV] scheidend bestimmt38). Um die Mitte des 13. Jahrhunderts gelangten die Herzöge von Bayern nach Verdrängung der Ortenburger in den Besitz der Vogtei, die ihnen durch den am 15. Dezember 1262 zwischen dem Bischof Otto von Lonsdorf39) und dem Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern abgeschlossenen Vertrag bestätigt wurde40). Von dieser Position aus haben die Herzöge in den folgenden Jahrhunderten ihre Landeshoheit über das Stift gegen den erbitterten Widerstand der Bischöfe begründet. Selbst die Einschaltung des Reichskammergerichts zu Speyer durch den Bischof Urban von Trenbach änderte an den tatsächlichen politischen Verhältnissen nichts, da den Bischöfen die Machtmittel zur Durchsetzung ihrer Rechtsansprüche fehlten.

Die Bischöfe und die Entstehung der bürgerlichen Gemeinde

Um 1200 war die topographische Entwicklung der Stadt im großen und ganzen abgeschlossen. Als ein säkulares Ereignis der Stadtgeschichte ist ohne Zweifel der Bau der Innbrücke durch den Bischof Reginbert (1138–1147) anzusehen41). Bei der Brücke errichtete der Bischof ein Armenspital, das mit einer dem Heiligen Kreuz geweihten Kirche verbunden war. Die Verwaltung von Brücke und Spital oblag einem Geistlichen. Die weitere Geschichte beider Institutionen verband sich dann mit dem kurz vor 1160 durch den Edlen Sigehard von Stockstall und seinen gleichnamigen Sohn, ein Mitglied des Domkapitels, bei der Kapelle St. Aegidi (St. Gilgen) gegründeten Leprosenhaus42). Die Stiftung wurde dem Domkapitel unterstellt, und der gesamte Komplex – Leprosenhaus, St. Aegidi, Innbrücke – bildete schließlich das Innbruckamt. Über das Heiligkreuzspital ist nichts weiter bekannt; es dürfte in das 1301 von dem Domherrn Heinrich von Radeck errichtete Spital St. Gertraud übergegangen sein43).

Für das 11. und 12. Jahrhundert ist mit einem stetigen Bevölkerungszuwachs in der Stadt zu rechnen. Belege dafür sind einmal der Bau einer – nach dem Dom – zweiten Pfarrkirche und die Entstehung der Vorstadt „Neumarkt“. Nach einer Überlieferung aus dem 17. Jahrhundert ist die Pfarrkirche St. Paul bereits von dem Bischof Egilbert geweiht worden; sicher bezeugt ist sie freilich erst für die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts. Der Bischof Diepold (1172–1190) hat sie dem Domkapitel in auctionem prebende sue übertragen; in der von Papst Alexander III. am 10. April 1179 für das Domkapitel ausgestellten Besitzbestätigung wird sie bereits genannt44). Für die Vorstadt ist der Name „Neumarkt“ (novum forum) zu Beginn des 13. Jahrhunderts belegt45). Sie war im Westen der die Altstadt abschließenden Wehrmauer vorgelagert, die erst in der Neuzeit als „Römerwehr“ bezeichnet worden ist. Die Siedlungen auf den gegenüberliegenden Flussufern sind erst relativ spät in den Stadtbereich einbezogen worden. Noch 1298 erscheint die Innstadt als „dorff enthalben der Innbruck“ (villa trans pontem Oeni); die Iltzstadt (Iltza, Ilzgstad) gehörte ursprünglich größtenteils zur Grundherrschaft Niedernburg. Die Bewohner der Siedlung Anger haben vor dem Bau der ersten Donaubrücke 1278 wohl die Überfuhr besorgt; jurisdiktionell unterstanden sie dem Innpropsteigericht46).

Vor dem Hintergrund der hier skizzierten herrschaftlichen Verhältnisse, die sich auch in der in den Niederaltaicher Annalen zum Jahre 1219 verzeichneten Errichtung der Veste Oberhaus auf dem Georgsberg durch den Bischof Ulrich widerspiegeln47), vollzieht sich nun die Entstehung der bürgerlichen Stadtgemeinde und beginnt jener Prozess einer allmählichen Emanzipation der Bürger von der Stadtherrschaft des Bischofs, den wir als kommunale Bewegung verstehen48). Erste Belege für „Bürger“ (cives) haben wir in den Quellen seit den sechziger Jahren des 12. Jahrhunderts, ein wenig später dann auch mit dem Zusatz „Patavienses“ oder „de Patavia“49). Seit dieser Zeit erscheinen cives als fest [Druckseite XVI] umrissene Gruppe in den Zeugenlisten der Bischofsurkunden nach dem Domkapitel und dem Laienadel beziehungsweise den Ministerialen. Mit aller Vorsicht wird man solche Belege als Hinweis auf korporative Faktoren, auf eine zunehmende Verfestigung der bürgerlichen Gemeinde im Rechtssinne, deuten dürfen, ohne dass schon von Teilnahme am Stadtregiment oder Selbstverwaltungsorganen die Rede sein kann. Der Bau der Stadtmauer, die Errichtung der Veste Oberhaus, die bischöfliche Territorialpolitik unter Ulrich und seinen Nachfolgern, schließlich auch der Reichsdienst verursachten erhebliche Kosten. Nicht selten erscheinen Bürger nun als Gläubiger der Bischöfe und konnten über ihre wirtschaftliche Stärke auch politischen Einfluss gewinnen. Dass die Loyalität der Bischöfe gegenüber dem Reich und dem staufischen Herrscherhaus sich für das Hochstift auch auszahlte, macht etwa der Erwerb der Grafschaft im Ilzgau deutlich. Friedrich II. übertrug diese Grafschaft, die vorher der Herzog Ludwig von Bayern innegehabt und dem König aufgelassen hatte, am 21. und 24. Januar 1217 dem Bischof Ulrich. Die darüber ausgestellten Urkunden50) würdigen die Treue des Empfängers und betonen, verfassungsgeschichtlich wichtig, zugleich den Charakter der verliehenen Grafschaft als Reichs- und Fahnlehen. Der Passauer Bischof, ohnehin der Gruppe der geistlichen Reichsfürsten zugehörend, konnte durch diese Erwerbung seine reichsfürstliche Stellung endgültig festigen. Die Grafschaft im Ilzgau wurde die entscheidende Basis für die sich ausbildende bischöfliche Territorialhoheit.

In der Bürgerschaft kam die führende Rolle den Kaufleuten zu. Dass es in der Stadt aber auch ein breit gefächertes, für den Markt produzierendes Gewerbe gab, machen die vielen, seit etwa 1170 zunehmenden Handwerkerbezeichnungen bei den Namen in den Zeugenlisten deutlich. In Umrissen zeichnet sich die Entstehung eines Meliorats als Vorstufe des Patriziats ab51). Dazu wird man etwa den häufiger bezeugten Konrad Setzer, dem der Bischof Rüdiger (1232–1250) den Weinzehnt in Krems und Stein verpfänden musste, oder Christan, der dem Bischof mehrfach als Geldgeber zur Seite stand, ferner auch den Stadtrichter Heinrich Hutsmund, der bis zu seiner Ermordung 1262 über großen politischen Einfluss verfügte, zählen müssen52).

Die finanziellen Belastungen erzeugten aber auch Unruhen, die den bischöflichen Stadtherrn zu Konzessionen gegenüber bürgerlichen Forderungen zwangen. So sah sich der Bischof Gebhard (1221–1232) im Frühjahr 1225 genötigt, den Bürgern gewisse rechtliche Sicherungen zuzugestehen. Es ging um die Sicherung des Friedens in der Stadt, für den alle verantwortlich sind, aber für Gebhard besteht überhaupt kein Zweifel, dass es seine Stadt, dass er der Stadtherr ist. Materiell handelt es sich bei diesem sogenannten „Stadtrecht“ von 1225 nicht um eine freiheitliche Verfassung, sondern um eine Gerichtsordnung, in der Verfahrensfragen geregelt werden und strafrechtliche Bestimmungen im Vordergrund stehen, in einigen Bereichen der Gerichtsbarkeit aber auch eine aktive bürgerliche Mitwirkung vorgesehen war53).

Die großen politischen Verwerfungen der Regierungszeit Friedrichs II. wirkten sich auch auf Passau aus. Der Bischof Rüdiger bezahlte seine Loyalität zum Staufer 1250 mit seinem Sturz. Erst mit Otto von Lonsdorf (1254–1265) konsolidierten sich die Verhältnisse wieder54). Das vordringliche Problem war die politische Neuordnung nach der Katastrophe des staufischen Hauses, und das bedeutete für Otto in erster Linie, die landesherrliche Unabhängigkeit gegenüber den mächtigen Nachbarn Bayern, Böhmen und Österreich zu behaupten. Innenpolitisch ging es um die Sicherung der Besitztitel und Rechte der Passauer Kirche. Der Bischof hat dafür die Voraussetzungen durch die Anlage eines Kopialbuches, des bekannten Codex Lonsdorfianus, geschaffen, in dem er Urkunden und urbariale Notizen zusammenstellen ließ, in den aber zum Beispiel auch ein Verzeichnis der Dombibliothek aufgenommen wurde55). Zu diesem Codex kommt als weitere Handschrift das Register des Bischofs hinzu, dessen erster Teil Urkunden – vorwiegend Ottos selbst – und Notizen urbarialer Natur und im zweiten Teil die Abschriften von Privilegien zahlreicher Klöster enthält, die auf eine entsprechende Anweisung des Bischofs an Äbte und Pröpste zurückgehen56). Schließlich gehört in diesen Zusammenhang auch die Aufzeichnung eines Urbars des domkapitelschen Inn- [Druckseite XVII] bruckamtes57) durch den Pfarrer von St. Aegid und Verwalter Ulrich, der sich ausdrücklich auf eine entsprechende Verfügung des Bischofs beruft. Otto ging es um eine geordnete Verwaltung und Besitzsicherung; die Ausweitung der Schriftlichkeit dokumentiert dabei einen erheblichen Modernisierungsschub. Dem gleichen Ziel dienten wirtschaftspolitische Maßnahmen wie die Einführung des sogenannten „Ewigen Pfennigs“58) oder die Regelung des Saumverkehrs über die via Boemorum59). Unter Otto werden zum ersten Mal Handwerkerverbände, Zünfte, fassbar, denen der Bischof zur Sicherung eines geordneten gewerblichen Lebens und zur Regelung des Konkurrenzkampfes einen gesetzlichen Rahmen gab60).

Alle derartigen Maßnahmen haben jedoch nicht verhindern können, dass die Bürgerschaft weiterhin um eine Ausweitung ihrer Rechte kämpfte. Im Jahre 1298 brach ein Aufstand gegen den Bischof Wernhard/Bernhard von Prambach (1284–1313)61) los, der in kurzer Zeit eine Jahrhunderte alte Rechtsordnung hinwegzufegen drohte62). Die Bürger forderten für sich einen eigenen Stadtrat mit Bürgermeister und Amtsträger, die gewählt werden sollten, sie gaben sich ein eigenes Siegel, bestimmten ein Haus zu ihrem Rathaus und installierten eine Ratsglocke. Gegen die über sie verhängten geistlichen Strafen aber waren sie letztlich machtlos, so dass sie sich einem Schiedsspruch König Albrechts unterwerfen mussten, der die Stadtherrschaft des Bischofs bestätigte. Wernhard von Prambach hat freilich erkannt, dass er Zugeständnisse machen musste, um den Frieden zu sichern. So erließ er am 15. August 1299 seinen berühmten „Stadtbrief“63), der in wesentlichen Teilen eine Ergänzung und Erweiterung der Gebhardinischen Gerichtsordnung von 1225 war und vor allem den Vorrang des „gesessenen Bürgers“ vor allen Nichtbürgern und Fremden stark betonte. Es gab bescheidene Ansätze zur Selbstverwaltung, aber die Stadtherrschaft des Bischofs war nirgendwo ernsthaft in Frage gestellt.

Der grundsätzliche Konflikt zwischen Stadtherrn und Bürgerschaft war damit nicht beigelegt; in den folgenden beiden Jahrhunderten kam es immer wieder zu neuen Auseinandersetzungen, im Jahre 1367 unter Führung des Stadtrichters und Bürgermeisters Andre Haller zu einem blutigen Aufstand, in dem die Bürger und ihre Söldner in offener Feldschlacht nahe Obernzell, an der Mündung der Erlau in die Donau, gegen die durch österreichische Hilfskontingente verstärkten bischöflichen Truppen eine vernichtende Niederlage hinnehmen mussten64). Der Friede wurde durch Vermittlung der österreichischen Herzöge hergestellt, die in ihrem „Österreichischen Spruchbrief“ vom 21. April 1368 erneut die Stadtherrschaft des Bischofs bestätigten und der Bürgerschaft eine Geldstrafe von 10000 Pfund Wiener Pfennige auferlegten, die in einem Zeitraum von zehn Jahren zu entrichten war65). Immerhin gewährte der Bischof den Bürgern eine gewisse Selbstverwaltung durch Bürgermeister und Rat, ein Rathaus und die Symbole städtischer Autonomie: Stadtsiegel und Ratsglocke. Aber eingesetzt wurden Bürgermeister und Stadträte vom Bischof, und die wichtigste rechtliche Instanz blieb der vom Bischof ohne bürgerliche Mitwirkung berufene Stadtrichter66).

Es sollte sich schließlich zeigen, dass sich die wirtschaftliche Kraft der Kaufleute mit ihren in Wein-, Salz- und Venedigguthandel ausgedehnten Handelsbeziehungen nicht in eine weiterreichende politische Mitsprache umsetzen ließ, obwohl die bischöfliche Herrschaft im 14./15. Jahrhundert durch strittige Bischofswahlen, in denen Habsburg, Bayern, zeitweise Böhmen und der Kaiser um den vorwaltenden Einfluss auf das Hochstift stritten, geschwächt war67). Zwar gelang es, in verschiedenen Auseinandersetzungen die städtischen Kompetenzen und Selbstverwaltungsrechte auszuweiten, aber die bischöfliche Stadtherrschaft war nicht zu brechen. Das Ringen zwischen Bürgerschaft und Bischof wurde endgültig erst im sogenannten Laudum Bavaricum vom 29. März 1535 beigelegt, das ein zwischen der Bürgerschaft und dem Bistumsadministrator Herzog Ernst von Bayern vereinbartes Schiedsverfahren abschloss. Dieser „bayerische Schiedsspruch“, erstellt durch die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. als Schiedsherren, hat die innere Verfassung der Stadt bis zum Ende der [Druckseite XVIII] fürstbischöflichen Zeit bestimmt68). Er regelte die Gerichtsbarkeit im Ausgleich zwischen Bischof und Stadtrat und traf Bestimmungen zum Erwerb des Bürgerrechts sowie zum Marktrecht.

Die städtische Führungsschicht, die Gegenspieler und Partner des Bischofs war, setzte sich zusammen aus den Händlern, die sich vor allem aus den Salzfertigern und am Fernhandel beteiligten Kaufleuten rekrutierten, einzelnen vornehmen Handwerkern aus den Zünften sowie zu einem geringeren Teil den Amtsträgern, d.h. den Mautnern, dem Syndikus und dem Stadtschreiber. Einzelne bedeutende Familien wie die Stein – benannt nach ihrem Geschlechterhaus „auf dem Stein“ am Kramerplatz (heute Residenzplatz)69) – die Kraft, die Holzhaimer70), die Hanntschuster71) oder die Endel72), die sich zum Teil verwandtschaftlich mit dem Landadel der Umgebung verbanden und deren Mitglieder immer wieder in führenden städtischen Positionen wie den Ämtern des Bürgermeisters oder des Stadtrichters erscheinen, sind für uns deutlicher fassbar73). Ob man aber von einem Patriziat vergleichbar etwa dem der Reichsstädte sprechen kann, ist sehr fraglich. Wenn man diese Schicht im Sinne des 16. Jahrhunderts als „eine sich absondernde, ihre Geschicke selbst bestimmende Herrenschicht“ versteht, die das Stadtregiment für sich beanspruchte, so hat es eine solche in Passau nicht gegeben. Der Bischof blieb der Herr, der die Geschicke der Stadt bestimmte74).

Die Judengemeinde, deren Anfänge um 1200 erkennbar sind, hat in der Stadt keine besondere Rolle gespielt75). Das Judenviertel lag im Bereich der heutigen Zinngießergasse; die erste Synagoge stand wohl am Innufer. Anfang des 15. Jahrhunderts erfolgte die Umsiedlung aus der Stadt an das Ilzufer zu Füßen des Georgsberges. Hier wurde eine neue Synagoge gebaut und ein Friedhof angelegt. Die allgemeine Verschlechterung der Situation der Juden, die 1450 aus Niederbayern vertrieben wurden, wirkte sich auch auf die Verhältnisse in Passau aus. Im Jahre 1478 kam es zu einer Verfolgung, die durch einen angeblichen Hostienfrevel ausgelöst wurde. Zehn Juden wurden nach einem auf der Folter erpressten Schuldgeständnis hingerichtet, vierzig ließen sich taufen; die übrigen wurden aus der Stadt verwiesen. Die Synagoge wurde abgerissen und an ihrer Stelle die Kirche St. Salvator erbaut, der ein Kanonikerstift angegliedert wurde76).

Spitäler

Die Bedeutung der Bürgerschaft wird auch daran erkennbar, dass sie in steigendem Maße Aufgaben der Sozialfürsorge übernahm. In dieser Tradition steht heute noch die ursprünglich von Salzfertigern und Schiffsmeistern als Zunft gegründete „Bruderschaft Unserer Lieben Frau der Schiffsleut und Salzfertiger“, die erstmals 1306 erwähnt wird und bis in die Gegenwart als „Lamplbruderschaft“, benannt nach dem Wohltäter Magnus Lampl (um 1600), fortlebt77). Das St. Johannis-Spital am Rindermarkt war vor der Wende zum 13. Jahrhundert noch vom Domkapitel „zum Trost der Armen“ errichtet worden, und das Spital St. Gertraud wurde im Jahre 1301 von dem Domherrn Heinrich von Radeck gestiftet, aber mit der Gründung des Heilig-Geist-Spitals ergriff das Bürgertum die Initiative.

Das Johannisspital78) entwickelte sich durch großzügige Spenden zur reichsten Stiftung der Stadt und diente der Versorgung alter und hilfsbedürftiger Bürger beiderlei Geschlechts bis zu deren Tod. Es unterstand bis 1278 dem Domkapitel. In diesem Jahre ließ der Bischof Petrus (1265–1280) eine Brücke über die Donau schlagen – bis zum Ende des 15. Jahrhunderts der einzige feste Donauübergang zwischen Deggendorf und Kremsmünster in der Wachau –, die er verwaltungsmäßig dem Spital unterstellte; die Leitung des Spitals aber übertrug er der Passauer Bürgerschaft79). In direkter Nachbarschaft zum Spital lag das von Peter Gottinger80), auch genannt Bernauer, 1506 mit zehn Betten gestiftete St. Johannis-Bruderhaus, das zur Aufnahme alter Handwerksgesellen, arbeitsunfähiger Dienstboten und armer Inwohner bestimmt war. Ein Schwesternhaus mit gleicher Zweckbestimmung hat wohl schon früher existiert.

[Druckseite XIV]

Das Heilig-Geist-Spital wurde 1347 als die bedeutendste bürgerliche Stiftung von dem Stadtrichter Urban Gundacker81) und seiner Gemahlin Plektraud im Neumarkt gegründet82). Das Ehepaar stattete das Spital u. a. mit Weinbergen in der Wachau, vor allem in Krems, und anderen Besitzungen so reichlich aus, dass nicht nur der unmittelbare Stiftungszweck, die Versorgung von dreizehn armen und kranken Männern, darunter drei Priester, gewährleistet war, sondern außerdem auch zwölf arme Jungfrauen und Witwen, die allerdings kein Wohnrecht im Stift selbst hatten, täglich gespeist und gekleidet werden konnten. Gleichzeitig werden die Motive der Stifter deutlich: Es ging um die Memoria, das Totengedächtnis; denn den Insassen wurde zur Pflicht gemacht, den täglichen Messen beizuwohnen und für die Stifter zu beten.

Die Epoche der Reformation und Gegenreformation

Zu Beginn der Regierung des Bistumsadministrators Herzog Ernst von Bayern (1518–1540)83) werden die Auswirkungen der Reformation auch in Passau spürbar. Der Wittelsbacher, an der Universität Ingolstadt Schüler von Johannes Eck, nahm sofort gegen Martin Luther Stellung, indem er wahrscheinlich bereits die Bannbulle 1521 publizierte und ab 1523 die gegen die neue Lehre gerichteten Mandate des Reichstages veröffentlichen ließ84). Da der Stiftspfarrer Johannes Pfeffinger sich in seinen Predigten den Auffassungen Luthers anschloss, weshalb er 1523 aus der Stadt fliehen musste, war die neue Lehre, die wohl auch durch reisende Kaufleute verbreitet wurde, in Passau bekannt85). Dem Waizenkirchener Pfarr- und Seelsorgevikar Leonhard Käser86), der sich zu Luther bekannte, ließ der Bischof öffentlich den Prozess machen. Da Käser nicht widerrief, wurde er am 16. August 1527 in Schärding auf dem Scheiterhaufen hingerichtet87). Zu gleicher Zeit ließ der Administrator eine Wiedertäufergemeinde auflösen; vermutlich wurden einige Gemeindemitglieder hingerichtet.

Ernsts Nachfolger Wolfgang von Salm (1540–1555)88) verfolgte zunächst eine Politik der Toleranz. Als jedoch die Kelchbewegung, die eine Kommunion unter beiderlei Gestalt forderte, in der Bürgerschaft um sich griff, sah sich der Bischof zu einer restriktiveren Politik gezwungen, doch verzichtete er ebenso wie seine Nachfolger Wolfgang von Closen (1555–1561)89) und zunächst auch Urban von Trenbach (1561–1598)90) auf Zwangsmaßnahmen. Symptomatisch für die Verhältnisse in Passau ist in gewissem Sinne die Situation in St. Nikola. Nach Ausweis der Visitationsprotokolle war die Disziplin im Augustinerchorherrenstift im 15. Jahrhundert in bedenklicher Weise in Verfall geraten91). Das Stift war keineswegs mehr eine Musteranstalt, wie der Gründer Bischof Altmann sie einst geplant hatte. Der Propst Thomas Gunner, dem Caspar Bruschius die Einrichtung einer hervorragenden Schule zuschreibt, trat zur neuen Lehre über und floh 1556 nach Österreich; ebenso konvertierten der Dekan August Trapp und einige Chorherren. Für das geistige Klima im Stift ist bezeichnend, dass der Leiter der Klosterschule, Leonhard Paminger, obwohl Lutheraner und in engerem Kontakt mit dem Reformator selbst stehend, seinen Posten bis 1557 behalten und nach seiner Absetzung noch „Canzler“ des Propstes bleiben konnte92). Nach der Resignation des Propstes Matthias Werndl sollte Augustin Arnold93), Professe von Polling, für die Besserung der Klosterzucht sorgen. Tatsächlich zeichnete das Visitationsprotokoll des Kardinals und päpstlichen Legaten Giovanni Francesco Commendone vom 28. Februar 1569, das die Zustände in der Stadt in eher düsteren Farben malt, von der Situation im Stift ein nicht ungünstiges Bild: Die Schönheit der Klosterkirche wird hervorgehoben; die Kommunion wird sub una, also nicht mit dem Laienkelch, gespendet; neben dem Propst zählt der Konvent zehn Kanoniker94). Ähnlich positiv fiel die Visitation des Nuntius Felician Ninguarda im Jahre 1581 [Druckseite XX] aus95). Solche, meist flüchtigen Visitationen liefern zwar häufig nur eine Momentaufnahme und erfassen nicht immer den tatsächlichen Zustand, aber das hier gezeichnete Bild scheint doch im ganzen den zunehmenden Reformeifer des Bischofs Urban von Trenbach widerzuspiegeln. Dieser hatte zunächst, wohl auch aus Furcht vor Unruhen und ernsteren Konflikten mit dem Stadtrat, die Zügel schleifen lassen, ergriff aber seit den achtziger Jahren restriktivere Maßnahmen gegen die „Ungehorsamen“, um die Konfessionseinheit wiederherzustellen. Eine den Katholiken günstige reichspolitische Lage, der erfolgreiche wittelsbachische Zugriff auf das Erzstift Köln 1583, und die Unterstützung durch Herzog Wilhelm von Bayern schufen dafür die Voraussetzungen. Nun wurde – weniger durch Reformen, sondern stärker mit Zwangsmitteln – die Rekatholisierung in der Stadt und im Hochstift vorangetrieben96). Gleichzeitig begann aber auch das Wirken der Franziskaner Früchte zu tragen, die 1564 nach Passau gerufen worden waren und 1588 mit der Errichtung von Kirche und Konvent begannen97).

Im Ringen um den vorwaltenden Einfluss auf das Hochstift setzte sich nach Urbans Tod das Haus Habsburg gegen Bayern durch; seit 1598 wurden nur noch Adelige aus den habsburgischen Erblanden auf die Passauer Cathedra erhoben – bis 1664 waren es nacheinander drei Erzherzöge, Leopold (1598–1625)98), Leopold Wilhelm (1625–1662) und Karl Joseph (1662–1664), die, ohne die höheren Weihen zu empfangen, und ohne größere geistliche Ambitionen dem Bistum als Administratoren vorstanden. Karl Joseph starb bereits im Alter von vierzehn Jahren, ohne die Regierung im Hochstift angetreten zu haben99). Durch eine österreichische Majorität im Domkapitel war die habsburgische Dominanz garantiert. Erzherzog Leopold, der Bruder Kaiser Ferdinands II., immerhin ein frommer Mann, wenn auch eher dem Kriegshandwerk als seinen kirchlichen Aufgaben zugeneigt, hat für den Prozess der Rekatholisierung und die katholische Erneuerung durch die Berufung der Societas Jesu in die Bischofsstadt eine große Bedeutung erlangt. Gegen den Widerstand des Domkapitels, das die Kosten scheute und wohl auch nicht an der Präsenz einer aktiven und länderübergreifend römische Politik vertretenden Institution interessiert war, hat er seine Absicht verwirklicht und am 1. November 1612 nach dem Erwerb und der Niederlegung eines Häuserviertels in der Altstadt südwestlich der Abtei Niedernburg den Grundstein des Kollegs gelegt. Zu seiner Unterstützung hatte er aus der Diözese Straßburg, die seit 1607 auch seiner Leitung unterstand, Johannes Isphording100), vorher Rektor des Jesuitenkollegs Molsheim, nach Passau geholt. Der am 11. Februar des Jahres 1612 ausgefertigte Stiftbrief101) formuliert als Stiftungszweck die Verbesserung der Ausbildung der Priester, „weill wir in unsern weitschichtigen geistlichen District an frommen gelehrten Priestern ainen merckhlichen Mangl“ (haben), die Rückführung der im Irrtum verharrenden Teile der Diözesanen zum katholischen Glauben und die Erziehung der Jugend, die „zuvorderist in gedachter Statt, der gueten Zucht und thugentlichen Undterweisung sehr bedürfftig“ ist. Mit der Gründung des Jesuitenkollegs (heute Gymnasium Leopoldinum) hatten Stadt und Bistum eine Bildungsinstitution von zentraler Bedeutung erlangt, die weit über die Grenzen der Region hinaus großes Ansehen im Reich gewann.

In denselben geistig-religiösen Zusammenhang gehört auch die Ansiedlung der Kapuziner in Passau. Sie fällt in die Regierungszeit des Fürstbischofs Leopold, der eigentliche Förderer aber war der Domdekan und Bistumsadministrator Freiherr Marquard von Schwendi102). Er hatte auf dem Schulerberg, dem heutigen Mariahilfberg, nach einer Lichterscheinung zunächst im Jahre 1622 eine Holzkapelle errichtet. Das Gnadenbild, das er hier aufstellte, war die Kopie eines Mariengemäldes von Lukas Cranach, das, ursprünglich für die Heiligkreuzkirche in Dresden bestimmt, dort aber wegen der Reformation nicht mehr gebraucht, vom Fürstbischof als Gastgeschenk erworben und nach Passau gebracht worden war. Schwendi hatte die Kopie anfertigen lassen. Die nun eingerichtete Wallfahrt wurde den Kapuzinern anvertraut, die seit 1610 in der Innstadt tätig waren103). In den Jah- [Druckseite XXI] ren 1624/27 hat Schwendi einen steinernen Kirchenbau mit Kapellen, überdachter Stiege und Hospiz errichtet. Die rasch aufblühende Wallfahrt, der der berühmte Volksmissionar und Prediger Pater Prokop von Templin entscheidende Impulse gab, strahlte weit in das Reich aus und hat “durch Export der Bildgestalt Mariahilf mehr als 500 sekundäre Wallfahrtsstätten, vor allem in Mitteleuropa, entstehen lassen“. „Das Gnadenbild wurde zum beliebtesten Andachtsbild der Katholiken im Deutschen Reich, zum wahrhaft ‚deutschen’ Gnadenbild“104).

Ausblick

Die Nöte des Dreißigjährigen Krieges hat Passau relativ glimpflich überstanden. Eine Katastrophe aber brach etwas über ein Jahrzehnt nach dem Friedensschluss über die Stadt herein, als am 27. April 1662 ein Großfeuer die Altstadt und Teile der Innstadt und des Neumarktes in Schutt und Asche legte; nur die Ilzstadt blieb verschont105). Der Wiederaufbau wurde unter dem energischen Fürstbischof Wenzeslaus von Thun (1664–1673) in Angriff genommen und unter seinem Nachfolger Sebastian von Pötting (1673–1689) fortgeführt. Die großen Anstrengungen erlitten jedoch einen schweren Rückschlag, als am 29. Juli 1680 ein erneuter Großbrand, der vom Kloster Niedernburg ausging, die Altstadt bis in den Bereich von St. Paul und Teile der Innstadt verwüstete. Die mittelalterliche Stadt war damit weitgehend zerstört; danach hat Passau sein Erscheinungsbild völlig verändert. Es entstand – wesentlich mitbestimmt durch Künstler aus dem Gebiet des Comer Sees wie die Lurago, Carlone oder Tencalla – das barocke Passau106).

Hatten die großen Brände des 17. Jahrhunderts das äußere Erscheinungsbild der Stadt grundlegend verändert, so brachte das beginnende 19. Jahrhundert mit der Säkularisation in der Umgestaltung der inneren – der verfassungsrechtlichen, kirchlichen und kulturellen – Verhältnisse eine viel tiefergehende Zäsur, die ohne Zweifel als eine der größten Katastrophen der passauischen Geschichte bezeichnet werden kann107). Durch Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde das Fürstbistum aufgelöst. Bereits drei Tage zuvor hatte der letzte Fürstbischof Leopold Graf von Thun-Hohenstein seinen Rücktritt als Landesherr erklärt und seine Untertanen von allen „Pflichten und Verbindlichkeiten, womit sie Uns nach der bisherigen Verfassung als ihrem Fürsten, Lehens- und Landesherrn zugethan waren“ entbunden108). Nachdem die Jesuiten bereits 1773 die Stadt hatten verlassen müssen, wurden nun auch die Klöster säkularisiert109). Für das Franziskanerkloster St. Anna und das Kapuzinerkloster in der Innstadt bestimmte das Dekret des Kurfürsten Max IV. Joseph vom 31. Mai 1803, dass die Mönche in Zentralklöster zu übersiedeln seien und das Vermögen dem Schulfonds zugewiesen werde110). Die profanierte Klosterkirche der Franziskaner kaufte der Bischof Heinrich von Hofstätter (1839–1875) im Jahre 1854 mit eigenen Mitteln auf und ließ sie zur „Votivkirche zu Ehren der unbefleckten Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria“ umgestalten. Die Kirche des Kapuzinerklosters wurde schließlich zerstört, während das Hospiz auf dem Mariahilfberg weiter als Wallfahrtspriesterhaus bestehen blieb und von 1890 bis 2002 noch einmal Kapuziner beherbergte. Niedernburg wurde als Benediktinerinnenabtei 1806 aufgelöst; in den Klostergebäuden eröffnete der Schulorden der Englischen Fräulein im Jahre 1836 ein Erziehungsinstitut111). Die Säkularisation des Augustinerchorherrenstiftes St. Nikola und der zugehörigen Kirchen in der Hofmark zog sich über eine längere Zeit hin; die Klosterkirche wurde profaniert, die Spitalkirche St. Maria verkauft, 1877 in ein Gasthaus umgewandelt und 1976 abgebrochen, die Pfarrkirche St. Jakob und die Elisabethkirche in der Hofmark wurden aus fortifikatorischen Gründen 1809 abgebrochen. Mit der Wiedererrichtung der St. Nikola-Pfarrei und der Inbesitznahme von Teilen der Klostergebäude durch Schwestern des Deutschen Ordens nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der Übernahme der übrigen Gebäude durch die neuerrichtete Universität lebte die klösterliche, seelsorgerische und wissenschaftliche Tradition des ehemaligen Stiftes in gewandelten Formen wieder auf. Dass das alte Passau nicht völlig unterging und viele Kunstschätze gerettet, Kirchen restauriert werden konnten, ist nicht zuletzt der [Druckseite XXII] Bau- und Sammeltätigkeit des Bischofs Hofstätter zu verdanken, der durch sein Wirken das Erscheinungsbild der Stadt im 19. Jahrhundert maßgeblich bestimmt hat.

  1. Zur Situation in römischer Zeit vgl. Niemeier, Wolff, Bender, Römisches Reich 29ff. »
  2. Da die Grabungsergebnisse noch nicht vollständig publiziert sind, bleiben manche Aussagen über Lage und Entwicklung der Kastelle unsicher – vgl. im einzelnen: Niemeier, Wolff, Bender, Römisches Reich 34ff., 38ff., 53ff. »
  3. Ausgabe: Noll, Eugippius. »
  4. Zu Severin vgl. Lotter, Severinus von Norikum – dazu: Wolff, Konsular, ferner: Wolff, Kritische Bemerkungen, sowie Lexikon des Mittelalters VII (1995) Sp. 1805f. (mit weiterer Literatur). »
  5. Zu Eugippius vgl. Noll, Eugippius, 12ff.; Lexikon des Mittelalters IV (1989) Sp. 85f. »
  6. Noll, Eugippius 84 c. 19; 88 c. 22 bzw. 87 c. 22 mit 88 c. 23. Zur Vorgängerkirche der heutigen Friedhofskirche St. Severin vgl. Hörmann, Severin; Sage, Ausgrabungen. »
  7. Noll, Eugippius 112 c. 44. »
  8. Zum Pontifikat Vivilos († 746/47) vgl. Boshof, Regesten der Passauer Bischöfe (künftig zitiert: Boshof RBP + Nummer), 1–8 (mit der einschlägigen Literatur). Zu den Passauer Bischöfen (bis Burkhard, 902/03–915) vgl. Heuwieser, Geschichte des Bistums Passau I (mehr nicht erschienen). »
  9. Vgl. dazu Erkens, Die Rezeption der Lorcher Tradition; Ders., Die Ursprünge der Lorcher Tradition (jeweils mit der älteren Literatur). »
  10. Vgl. Boshof, Die Reorganisation des Bistums Passau; zu Pilgrim vgl. Boshof, RBP 218–251. »
  11. Vgl. dazu Erkens, Geschichtsbild und Rechtsstreit. »
  12. Boshof, RBP 12. »
  13. Vgl. dazu Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 71f.; Ders., RBP 253. »
  14. Dazu Hartinger, Volksfrömmigkeit 396f. »
  15. MGH D.O.III. 306; vgl. Boshof, RBP 260 (mit der Literatur). Zu der Realisierung der verbrieften Rechte vgl. im einzelnen Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 73f. »
  16. Heuwieser, Traditionen 446; vgl. Boshof, RBP 42. »
  17. Zu Entwicklung und Bedeutung des Domkapitels vgl. Oswald, Domkapitel; ferner Schieffer, Entstehung von Domkapiteln 202ff. (mit weiterer Literatur). Das älteste inschriftlich belegte Mitglied des Domkapitels ist der Dompropst Meingot von Waldeck (†1271, vgl. Nr. 7). »
  18. MGH D. Arn. 13 (888 Februar 8). »
  19. Vgl. Heuwieser, Traditionen 483 (zu 1120–1140); zu Niedernburg: Kdm Passau 238ff.; Tellenbach, Eigenklöster 19ff.; Heuwieser, Geschichte des Bistums Passau I, 272ff. »
  20. MGH D.O.II. 136a und b (976 Juli 22); das Diplom, das in doppelter Ausfertigung vorliegt, wirft hinsichtlich seiner Echtheit einige Probleme auf, erscheint aber im ganzen als glaubwürdig – dazu Boshof, RBP 234 sowie Ders., Reorganisation des Bistums Passau 475f. »
  21. MGH D.H.II. 217 (1010 April). Das Diplom ist nicht im Original überliefert und begegnet in der Forschung zum Teil erheblichen Bedenken, erscheint aber im Kern als glaubwürdig; vgl. dazu Veit, Hochstift 10–34. »
  22. MGH DD. H.II. 214–216 (1010 April 19); dazu Veit, Hochstift 10f. »
  23. Vgl. auch Praxl, Goldener Steig; Weißes Gold. Passau (Ausstellungskatalog). »
  24. Vgl. Veit, Hochstift 13 Anm. 52. Vgl. die Inschrift auf ihrer Tumba Nr. 1»
  25. Vgl. die Aufzeichnung über die Mauterhebung aus dem 13. Jh., MB 28 I, 507ff.: in festo Chunegundis fundatricis nostre regine, cuius erario muta aque et muta Boemorum attinebat. Dazu auch Boshof, RBP 1045. »
  26. Boshof, RBP 317. »
  27. Die Quellenlage zu Gisela ist insgesamt sehr ungünstig; vgl. Hielscher, Gisela; zum Giselagrab zuletzt: Uzsoki, Giselagrab 13–22. Vgl. auch die Inschriften auf der Gruftdeckplatte und der Tumba Nr. 2 und 3»
  28. Boshof, RBP 1811 (1244 April 1). Die Urkunde ist nicht ediert; vgl. Abschrift im Kopialbuch des Klosters Niedernburg (15. Jh.) BHStA München KL Passau-Niedernburg 1, fol. 23r – hier: ad restaurationem ecclesiarum beate virginis Marie genitricis dei et sancte crucis in Patavia quarum scilicet ecclesiarum videlicet muri pre nimia vetustate minantur ruinam. »
  29. Vgl. dazu Schüßler in: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 53ff. »
  30. Dazu zuletzt Stein-Kecks, Wandmalereien; ferner Dies., Mittelalterliche Wandmalereien 485ff. Vgl. Nr. 5 im Katalog. »
  31. MGH DD. F.I. 322 und 326; vgl. Boshof, RBP 776 und 780; Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 44ff. Nr. 9. »
  32. Boshof, RBP 980; ed. MB 29 I, 469 Nr. 554: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 60ff. Nr. 13. »
  33. Vgl. Veit, Hochstift 386ff. Vgl. Nr. 170 im Katalog. »
  34. Vgl. Boshof, Bischof Altmann. »
  35. Zu St. Nikola vgl. den knappen geschichtlichen Überblick von Boshof, St. Nikola 33–43 (mit weiterer Literatur) sowie zuletzt (unter kunsthistorischem Aspekt): Drost, St. Nikola. »
  36. Vgl. Boshof, RBP +353 und +364; ed. UBLoE II, 105 Nr. 79 und 109 Nr. 80. »
  37. Boshof, RBP 359; ed. UBLoE II, 99 Nr. 76. »
  38. Vgl. dazu Boshof, St. Nikola 38. »
  39. Zu Otto von Lonsdorf vgl. Nr. 6† im Katalog. »
  40. UBLoE III, 294 Nr. 312. »
  41. Boshof, RBP 666; ed. MB 28 I, 221 Nr. 13. Die im Codex Lonsdorfianus überlieferte Bischofsurkunde ist undatiert: BHStA München HL Passau 3, fol. 107v. Vgl. auch Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 37 Nr. 7 (mit dt. Übersetzung). »
  42. Vgl. dazu Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 80f. »
  43. Vgl. dazu Geyer, Innstadt; Veit, Hochstift 319f. Vgl. zur Person Nr. 11† im Katalog. »
  44. Vgl. Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 76. »
  45. Heuwieser, Traditionen 934 und 974. »
  46. Zu Einzelheiten vgl. Sittler, Bischof und Bürgerschaft 14ff. »
  47. Hermanni Altahensis Annales ad 1219, MGH SS XVII, 387: Hiis diebus Ulricus Pataviensis episcopus cepit construere castrum in monte sancti Georii Patavie. Vgl. auch Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 68 Nr. 15; dazu Boshof, RBP 1396; Amann, Residenzstadt 148ff.; Ritterburg und Fürstenschloß Bd. 1. »
  48. Zu Einzelheiten vgl. Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 84ff. »
  49. Der älteste inschriftliche Beleg für einen CIVIS PATAVIENSIS stammt aus dem Jahre 1357 (vgl. Nr. 51). Es sind ältere Denkmale für Bürger überliefert (vgl. Nr. 8†, 17†, 18†), jedoch ohne Nennung des Bürgerstandes. »
  50. DD. Friedrichs II. ed.: UBLoE II, 586 Nr. 395 und 587 Nr. 396; dazu Veit, Hochstift 38ff. sowie Boshof, RBP 1346 und 1347. »
  51. Vgl. dazu allgemein Planitz, Geschichte des städtischen Meliorats; Brandl-Ziegert, Sozialstruktur 38ff. »
  52. Vgl. Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 85f. »
  53. Sittler, Bischof und Bürgerstadt 27ff.; Boshof, RBP 1536 (mit weiterer Literatur). »
  54. Vgl. zu seinem Pontifikat: Breinbauer, Otto von Lonsdorf. Vgl. Nr. 6† im Katalog. »
  55. BHStA, Passau HL 3 (die Aufzeichnungen wurden bis ins 15. Jahrhundert fortgesetzt); vgl. dazu Breinbauer, Otto von Lonsdorf 273–276. Zum Bibliothekskatalog vgl. Ineichen-Eder, Bibliothekskataloge 18f., 24f. (Nr. 5), 26–31 (Nr. 6). »
  56. BHStA, Passau HL 4; dazu Breinbauer, Otto von Lonsdorf 276–279. »
  57. Vgl. Maidhof, Urbare II, IIIf., XXVf., LX–LXV, sowie 139 (Vorwort). »
  58. Vgl. Koch, Passauer Pfennig 41f.; Kellner, Münzgeschichte 22f. »
  59. UBLoE I, 490 Nr. 20; dazu Breinbauer, Otto von Lonsdorf 172ff. »
  60. Vgl. Grünberger, Recht der Passauer Zünfte. »
  61. Vgl. zur Person Nr. 15† im Katalog. »
  62. Dazu Boshof, Stadt im Früh- und Hochmittelalter 95f. »
  63. Ed. Maidhof, Stadtrecht 173–177; dazu die eingehende Interpretation 11–167; ferner: Sittler, Bischof und Bürgerschaft 28f. »
  64. Dazu Loibl, Stadt im späten Mittelalter 113ff. »
  65. MB 28 II, 515ff.; dazu Sittler, Bischof und Bürgerschaft 29ff. »
  66. Der älteste inschriftlich belegte Stadtrichter ist Ludwig auf dem Stein (†1357), vgl. Nr. 51»
  67. Zu Einzelheiten, vor allem auch zu den Handelsbeziehungen, vgl. Loibl, Stadt im späten Mittelalter 117ff. »
  68. Edition: Sittler, Bischof und Bürgerschaft 127ff.; Lanzinner und Wagner in: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 110 Nr. 27. Dazu vgl. Lanzinner/Loibl, Stadtrecht 137ff. »
  69. Vgl. Ludwig (†1357) Nr. 51»
  70. Vgl. Philipp (†1360) Nr. 55†. »
  71. Vgl. Albrecht (†1662) Nr. 61† und Stephan (†1378) Nr. 77†. »
  72. Vgl. Stephan Nr. 283»
  73. Vgl. Lanzinner/Loibl, Stadtrecht 133ff. »
  74. Vgl. dazu Loibl, Passaus Patrizier; Lanzinner/Loibl, Stadtrecht 134 (hier das Zitat). »
  75. Vgl. dazu den zusammenfassenden Überblick von Wurster, Jüdische Bevölkerung 385ff. (mit der Literatur). »
  76. Vgl. auch Mayer, Gründung von St. Salvator. Vgl. die Bauinschriften Nr. 200†, 203†, 213†. »
  77. Oswald, „Unser lieben Frau“. »
  78. Dazu Glück, Johannis-Spital; Neumaier, Armenfürsorge 49f. »
  79. Vgl. dazu künftig Boshof, RBP (zu 1278). »
  80. Zur Person vgl. Nr. 326†, 422»
  81. Zur Person vgl. Nr. 67, 68, 69†. »
  82. Vgl. Oswald, Heiliggeist-Stiftung; Ders., 600 Jahre Heiliggeist-Stiftung. »
  83. Vgl. Nr. 425, 593 und 663 im Katalog. »
  84. Zum Folgenden vgl. den Überblick von Lanzinner/Loibl, Stadtrecht 139ff. »
  85. Vgl. auch Kaff, Volksreligion. »
  86. Zur Familie vgl. Nr. 369»
  87. Eckert, Leonhard Keysser (Käser); Strohm, Leonhard Kaisers (Käsers) Ketzertod. »
  88. Vgl. Nr. 541, 555†, 556† und 560»
  89. Vgl. Nr. 560, 565, 578, 579† und 580†. »
  90. Vgl. Nr. v.a. 539 und 722»
  91. Vgl. zum Folgenden Boshof, St. Nikola 39. »
  92. Zur Familie Paminger vgl. zuletzt Schmitz, Paminger 59ff. »
  93. Vgl. hierzu Nr. 657»
  94. Vgl. Mayr, Commendone 579f. Der Bericht zur Lage in der Stadt ist ediert und übersetzt von Lanzinner und Wagner in: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 138ff., 31. Vgl. ferner für St. Nikola den Visitationsbericht von 1558, ed. von Landersdorfer in: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 127ff. Nr. 30. »
  95. Dazu Oswald, Nuntius Ninguarda 35. »
  96. Zu Einzelheiten vgl. Lanzinner/Loibl, Stadtrecht 143ff.; eine wichtige Methode der Konfessionsüberwachung war die Kontrolle der jährlichen Osterbeichte, vgl. dazu Eichhorn, Beichtzettel. Die Beichtzettel sind eine wichtige Quelle für die Passauer Bevölkerungsgeschichte der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. »
  97. Vgl. Amann, Stadtherrschaft 378f.; vgl. hierzu auch die Deckenmalerei in der ehem. Franziskanerkap. St. Anna Nr. 693»
  98. Vgl. Nr. 734»
  99. Zu den politischen und kirchlichen Verhältnissen in Passau vgl. im einzelnen Hartmann, Jahrhundert der Katastrophen 165ff. »
  100. Vgl. Nr. 853†. »
  101. Ed. von Lanzinner und Wagner in: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 161ff. Nr. 36 (hier auch weitere Literatur). Vgl. ferner Amann, Stadtherrschaft 377f. sowie Hartmann, Jahrhundert der Katastrophen 170ff. »
  102. Vgl. Hartmann, Jahrhundert der Katastrophen 174ff.; auch Nr. 915 im Katalog. »
  103. Zwei Kapuzinerpatres sind als Pestopfer (1634) belegt, vgl. Nr. 836† im Katalog. »
  104. Dazu Hartinger, Mariahilf ob Passau, Zitate: Vorwort und 12; vgl. auch: Mirakel bei Mariahilf ob Passau, Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 176ff. Nr. 38 (Hartinger). »
  105. Vgl. Hartmann, Jahrhundert der Katastrophen 177ff.; der Bericht des Passauer Goldschmieds Wilhelm Schmid aus dem Jahre 1694 über die Ereignisse ist ediert: Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 188ff. Nr. 39 (Lanzinner/Wagner). »
  106. Vgl. dazu Möseneder, Architektur 536ff. »
  107. Vgl. dazu den Sammelband: Vor 200 Jahren. »
  108. Abdankungserklärung, ed.: Passau. Quellen der Stadt Passau 299ff. Nr. 54. »
  109. Vgl. dazu Wagner, Säkularisation; Landersdorfer, Aufhebung von St. Nikola 35–52. »
  110. Vgl. Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 302f. Nr. 55 (Landersdorfer). »
  111. Vgl. Passau. Quellen zur Stadtgeschichte 317ff. Nr. 61 (Landersdorfer). »