Die Inschriften der Stadt Passau bis zum Stadtbrand von 1662

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Vorwort

Mit dem Erscheinen des zehnten Bandes der Münchener Reihe des deutschen Inschriftenwerkes, der die reichen Inschriftenschätze der Stadt Passau enthält, wird ein Desiderat der bayerischen Epigraphik erfüllt, das weit über die Grenzen Bayerns hinaus Geltung verdient. Aufgrund der einstigen Größe der Diözese Passau bis an die Grenzen Ungarns sind die historischen, aber auch graphischen Bezüge des Inschriftenmaterials bis weit in die österreichischen Donauländer hinein gegeben. Daneben wird mit dem Band der Regionalgeschichte ein umfassendes Quellenwerk zur Verfügung gestellt. Aus inschriftenpaläographischer Sicht ist mit der Gotico-Antiqua als der maßgeblichen epigraphischen Schrift am Übergang vom Mittelalter in die Neuzeit – wohl durch die Strahlkraft der Werkstatt Jörg Gartners - ein Schrifttyp festzustellen, der anderswo kaum zu belegen ist. Nicht zuletzt dieser epigraphische Regionalismus macht das Passauer Material besonders wertvoll. Mit dem Vorliegen der Inschriften der Stadt ist die notwendige Voraussetzung für eine effiziente Befassung nunmehr mit den inschriftlichen Denkmälern des Passauer Umlandes in Bayern wie in Österreich gegeben.

Die Realisierung der Erfassung und kritischen Bearbeitung der Inschriften der Stadt Passau ist der wertvollen Initiative der Passauer Kollegen Egon Boshof und Hartmut Wolf zu verdanken. Dem als Bearbeiter von Bernhard Bischoff vorgeschlagenen Klaus-Ulrich Högg, der mit ABM-Mitteln finanziert wurde, wurden an der Universität Passau ausgezeichnete Arbeitsbedingungen eingeräumt, die eine Halbtagssekretärin und einen Dienstwagen einschlossen. Das von Herrn Högg zu Anfang der neunziger Jahre eingereichte Druckmanuskript wurde den üblichen inhaltlichen und redaktionellen Kontrollen unterzogen. Die Durchsicht des Exemplars ergab die Notwendigkeit einer weitgehenden Neubearbeitung des Passauer Materials. Es konnten auch mehr als weitere 300 Inschriften – unter ihnen eine Katalognummer, die der Scheingräberwand (Nr. 628), mit ihrerseits allein 166 Inschriften - ausfindig gemacht werden.

An den Revisionen bzw. Neubearbeitungen, die unter der maßgeblichen Initiative und Koordinierung von Frau Christine Steininger, der hauptamtlichen Mitarbeiterin der Inschriftenkommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, durchgeführt wurden, war ein Team kompetenter Damen und Herren beteiligt. Die Hauptmitwirkenden wurden auf das Titelblatt gesetzt. Von Passauer Seite revidierten die Herren Werner Hechberger, Josef Englberger und Armin Eich die inhaltlich-historischen Aspekte. An der Durchsicht des Epigraphischen und des Redaktionellen wurde Frau Steininger von Ramona Epp (Inschriftenkommission München) maßgeblich unterstützt, während Herr Ulf Röhrer-Ertl die heraldischen Angaben sichtete und die umfangreiche Katalognummer des Trennbachstammbaumes verfasste. Das historische Einleitungskapitel übernahm Herr Kollege Boshof, der all die Jahre mit unermüdlichem Engagement das Unternehmen förderte, in dankenswerter Weise persönlich. Die Schriftkapitel verfassten gemeinsam Herr Franz A. Bornschlegel (Lehrstuhl für Geschichtliche Hilfswissenschaften der Universität München) und Frau Epp, die auch die Kapitel über die kopiale Überlieferung und die Inschriftenträger – letzteres gemeinsam mit Frau Steininger – betreute. Allfällige Photoarbeiten lagen in der erprobten Hand von Herrn Ingo Seufert. Auskünfte, die österreichische Gebiete betrafen, erteilten in freundliche Weise die Mitarbeiter der Arbeitsstelle Inschriften des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Frau Gertrude Mras, Frau Renate Kohn und Herr Andreas Zajic. Für Auskünfte mancherlei Art stand Herr Sebastian Scholz (Inschriftenkommission der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur) bereitwillig zur Verfügung. Kollegen mehrerer Kommissionen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften standen mit Ihrem Fachwissen zur Verfügung. Herr Hans-Ulrich Schmid half bei der Erstellung der deutschen Wortliste. Herr Christian Friedl half beim Lesen der Korrekturen.

Für Auskünfte und Hilfen vor Ort ist den Herren Herbert Wurster (Archiv des Bistums Passau), Jörg Kastner (Staatliche Bibliothek Passau), Adolf Hofstätter (Museum Oberhaus) und Alois Brunner (Kunstreferent der Diözese Passau) sowie dem Stadtarchiv mit seinen Mitarbeitern zu danken. Hilfen bei der Vorortaufnahme erteilten die Herren Hans Gscheider und das Team der Dommesner und der Domaufsicht, Hans Seifert (Spitäler), Jörg-Peter Niemeier (Stadtarchäologie) und Günther Albrecht (Staatl. Hochbauamt), weiters das Stadtpfarramt St. Paul, der Konvent der Englischen Fräulein in Niedernburg sowie weitere zahlreiche Passauer Bürgerinnen und Bürger.

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Sehr herzlich danke ich namens der Inschriftenkommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften allen Damen und Herren, die durch ihre Arbeit und Unterstützung das Erscheinen dieses wichtigen Bandes ermöglicht haben. Besonderer Dank gilt den Kommissionsmitgliedern, vor allem den Herren Egon Boshof (Passau) und Ernst Vogt (München) für die eingehende Durchsicht des Druckmanuskriptes.

Walter Koch

Vorsitzender der Kommission

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1. Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Der vorliegende Band enthält die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften der Stadt Passau bis zum ersten großen Stadtbrand am 27. April 1662. Die Edition folgt den Richtlinien des deutschen Inschriftenwerkes, wie sie 1991 von Walter Koch für die Münchner Reihe zusammengestellt worden sind.

Die Edition umfasst sowohl die im Original erhaltenen als auch die nicht mehr original, sondern nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen sowie auf Photos oder in Nachzeichnung überlieferten Inschriften. Vollständigkeit der Erfassung wurde soweit als möglich angestrebt. Objekte, die sich heute in öffentlichen oder privaten Sammlungen des Bearbeitungsgebietes, aber auch in Kollektionen außerhalb des Erfassungsraumes befinden, jedoch nachweislich aus demselben stammen, wurden in vertretbaren Einzelfällen berücksichtigt, wenn sie erst nach dem Erfassungszeitraum aus dem Stadtgebiet verbracht wurden. Grundsätzlich ausgeschlossen blieben Inskriptionen auf Münzen, Medaillen, Siegeln bzw. Typaren, ferner auch Punzierungen sowie schriftliche Äußerungen epigraphischen Charakters, die Bestandteil von Handschriften, Druckwerken oder deren Einbänden sind. Marken, Haus-, Künstler- und Meisterzeichen sowie Monogramm und Einzelbuchstaben sind nur erfasst, wenn sie mit einer Inschrift oder Jahreszahl in Verbindung stehen. Vasa Sacra und Paramente wurden nach der Vorgabe der Münchner Kommission nicht berücksichtigt. Denkmäler mit heute völlig zerstörten und nirgends sonst überlieferten Inschriften sowie Nachrichten über verlorene Inskriptionen ohne Textüberlieferung wurden nicht berücksichtigt.

Die Inschriften werden im Katalogteil in chronologischer Folge geboten. Ihre Präsentation erfolgt nach einem einheitlichen Schema.

Die Kopfzeile gibt links die laufende Nummer im Rahmen der Edition an. Ein lateinisches Kreuz neben der Zahl kennzeichnet nicht mehr im Original erhaltene Inschriften. In der Mitte der Kopfzeile ist der heutige bzw. der letzte bekannte Aufstellungsort der Inschrift angegeben. Am rechten Ende der Kopfzeile steht die Datierung. Sie ist nach Möglichkeit dem Inschriftentext entnommen. Bei offenkundigem Auseinanderklaffen zwischen einem im Text angegebenen Datum und der tatsächlichen Entstehungszeit der Inschrift werden beide Termine – durch Schrägstrich getrennt – angeführt. Erschlossene Daten sind zwischen runde Klammern gesetzt. Können Denkmäler nur einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet werden, sind sie – gegebenenfalls mit Fragezeichen versehen – jeweils am Ende des ermittelten Zeitraumes eingeordnet.

In dem auf die Kopfzeile folgenden beschreibenden Teil finden sich zunächst die Nennung des Inschriftenträgers, des Inschriftentypus und gegebenenfalls von Personen, denen er zugeordnet werden kann, ferner die präzise Angabe des Standorts, Hinweise auf frühere Standorte, eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers sowie Bemerkungen zu Material, Anbringung der Inschrift und Erhaltungszustand des Denkmals. Stehen mehrere Inschriften auf einem Träger, so werden diese mit römischen Zahlzeichen bezeichnet. Die Beschreibung des Inschriftenträgers erfolgt vom Betrachter aus. Nur bei Wappenbeschreibungen wird nach den Regeln der Heraldik verfahren. Die Beschreibung schließt mit Maßangaben zu Inschriftenträger und Inschrift ab. Die Schrifthöhe ist nach dem Normalwert des Buchstabens N bzw. n angegeben. Erhebliche Schwankungen werden durch die Angabe der Extremwerte vermerkt. Die Angabe der Schriftart ist typisierend. Vor der Textedition kopial überlieferter Inschriften ist die maßgebliche Quelle genannt.

In der Textedition sind Zeilenumbrüche durch Schrägstrich gekennzeichnet. Doppelte Schrägstriche markieren die Unterbrechung des Textes oder seinen Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld. Nur metrische oder gereimte Texte sind versweise geboten. Gekürzte Worte – mit Ausnahme geläufiger Kürzungen – sind in originalen Inschriften nach Möglichkeit zwischen runden Klammern aufgelöst, wobei das Kürzungszeichen selbst entfällt. Worttrennzeichen sind durch Punkte in halber Höhe wiedergegeben und gegebenenfalls im Apparat oder Kommentar beschrieben. Darunter gesetzte Bögen kennzeichnen Nexus litterarum, Ligaturen und Bogenverbindungen. Erhaltene, aber in ihrer Lesung nicht ganz sichere Buchstaben sind unterpunktiert. Zur Kennzeichnung zerstörter Textteile dienen eckige Klammern. Ist eine Ergänzung nicht möglich, wird die ungefähre [Druckseite X] Anzahl der ausgefallenen Buchstaben durch Punkte innerhalb der Klammern wiedergegeben. Bei umfangreicheren oder in ihrer Dimension ungewissen Verlusten sind drei Gedankenstriche gesetzt. Bei Verlust zu Beginn oder Ende einer Inschrift bleibt die Klammer offen. Ursprünglich freigelassene Stellen sowie nachträgliche Ergänzungen sind durch spitze Klammern gekennzeichnet.

An den Wortlaut der Inschrift schließt sich der textkritische Apparat, gegebenenfalls der Nachweis von Zitaten sowie die Übersetzung der fremdsprachigen Texte an. Letztere unterbleibt, wenn es sich um einen einfachen, immer wiederkehrenden, formelhaften Wortlaut handelt. Es folgt die Auflösung der nicht nach der fortlaufenden Tageszählung angegebenen Datierungen und die Benennung bekannter und unbekannter Wappen.

Der Kommentar enthält gegebenenfalls notwendige Hinweise zu Schrift, Sprache, Formular, kunsthistorischen Fragestellungen und zur chronologischen Einordnung, insbesondere aber Erläuterungen zu den genannten Personen und zum historischen Umfeld.

Es folgt ein Anmerkungsapparat, der Zitate aus der Literatur, Nachweise und ergänzende Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar sowie die Blasonierung unbekannter Wappen bietet. Abgeschlossen wird jede Katalognummer durch ein Literaturverzeichnis, das in chronologischer Folge Abschriften, Abdrucke sowie Abbildungen und wesentliche Arbeiten über die Inschrift nachweist.