Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 365 Bickenbach, Evangelische Kirche 1628

Beschreibung

Stifterinschrift auf einer Glocke. Die Bronzeglocke ist die älteste Glocke des Dreiergeläuts. Die Inschrift läuft in zwei Schriftbändern zwischen Stegen auf der Schulter um. Als Worttrenner dienen kleine Rosetten auf einem Plättchen. Über den Schriftbändern befindet sich ein Fries mit stehenden Blüten und Lilien, darunter ein Fries mit zwei hängenden Blütenmotiven, die einander abwechseln. Auf der Flanke sind in Relief der Gekreuzigte, ein Gießerzeichen und ein Medaillon mit einem Vollwappen angebracht.

Maße: H. 80, Dm. 91, Bu. 1,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 49, Nr. 365 - Bickenbach, Evangelische Kirche - 1628

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/5]

  1. GEORGIVS · HASSIAE · PRINCEPS · F(IERI) · F(ECIT) · MENSE · MAIO · 1628 · / · M(AGISTER) · DAVID · STVMPFFIVS · PRETOR · IOANNES · QVICKIVS · BICKENBACHa)Gießerzeichen: T(HOMAS) S(IMON).1)

Übersetzung:

Georg, Fürst von Hessen, ließ (diese Glocke) im Monat Mai 1628 machen. Magister David Stumpf, Schultheiß Johannes Quick, Bickenbach.

Wappen:
Hessen.

Kommentar

Für die Inschrift wurden auf Plättchen aufgelegte Schriftmodel verwendet. A, M, N und V besitzen Linksschrägenverstärkung, und die mit Bögen gebildeten Buchstaben weisen Bogenverstärkung auf. Das O besitzt Schattenachsen, der Mittelteil des M reicht bis zur Zeilenmitte, und das R trägt eine stachelförmige Cauda. Die Glocke wurde von dem lothringischen Gießer Thomas Simon gegossen.2) Zwar stimmt das Gießerzeichen nicht völlig mit den Gießerzeichen Simons überein, die sich auf zwei Geisenheimer Glocken befinden,3) doch weist eine von Simon 1626 gegossene Glocke aus Sulzdorf ein sehr ähnliches Zeichen auf.4) Zudem zeigt die Bickenbacher Glocke dieselbe Art der Schriftanbringung und im wesentlichen dieselben Buchstabenformen wie die Geisenheimer Glocken.

Als im Jahr 1622 die Bickenbacher Kirche durch die Truppen Tillys niedergebrannt wurde, barsten auch die beiden alten Glocken. 1623 wandte sich die Gemeinde an den Grafen von Erbach mit der Bitte, beim Wiederaufbau der Kirche zu helfen. Der Graf lehnte dies jedoch ab, worauf man sich an den Landgrafen Georg II. von Hessen-Darmstadt wandte. Dieser lehnte eine Unterstützung des Kirchenbaus zwar ebenfalls ab, doch nachdem die Gemeinde die Kirche aus eigenen Mitteln wiederaufgebaut hatte, stiftete er eine neue Glocke.5) Das obere Schriftband nennt Georg als Stifter. Im unteren Schriftband werden die beiden wichtigsten Vertreter der Gemeinde genannt. Der aus Gemünden an der Wohra stammende David Stumpf war von 1623 bis zu seinem Tod 1635 Pfarrer in Bickenbach.6) Johannes (Hans) Quick stammte aus Eberstadt und wurde 1602 Bürger von Bickenbach. Im Jahr 1619 wurde er Gerichtsschöffe und versah dann von 1627 bis 1632 das Amt des Schultheißen. Er starb 1632 oder 1633.7)

Textkritischer Apparat

  1. Das Wort fehlt bei Dammann und Kunz 93.

Anmerkungen

  1. Glocke zwischen zwei Rosetten, unter denen sich die beiden Initialen befinden.
  2. Für Hinweise zur Klärung der Gießerfrage danke ich Herrn Jörg Poettgen, Overath; zu Thomas Simon vgl. Köster, Glocken 50.
  3. DI 43 (Rheingau-Taunus-Kreis) Nrr. 598, 599 mit Abb. 208; das Gießerzeichen zeigt dort ebenfalls eine Glocke zwischen zwei Rosetten, doch ist der Name ausgeschrieben und umlaufend angebracht.
  4. DGA Bayerisch-Schwaben 196, Nr. 321 mit Abb. 343.
  5. Koch 13 f.; zu Georg II. vgl. Nr. 363.
  6. Kunz 98.
  7. Kunz 101.

Nachweise

  1. Dammann, Kdm. 109.
  2. Kunz, Kirche von Bickenbach 93.
  3. Koch, Evangelische Kirche zu Bickenbach 18.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 365 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0036502.