Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 348 Groß-Umstadt, Evangelische Kirche 1621

Beschreibung

Grabplatte des Diakons Konrad Rorich. Die Platte aus rotem Sandstein wurde bei der Renovierung der Kirche (1967 – 69) aufgefunden und ist heute außen gegenüber der Nordwand aufgestellt. Der Stein ist zerbrochen, die untere linke Ecke sowie ein Stück der linken Leiste fehlen. Inschrift (A) läuft auf dem Rand um. Sie ist durch die Beschädigung des Steins so zerstört worden, daß heute nur noch zwei Worte lesbar sind. Im Feld ist unter zwei völlig abgewitterten Wappen die 25zeilige Grabinschrift (B) angebracht, die ebenfalls erhebliche Abwitterungsspuren aufweist.

Maße: H. 158, B. 76, Bu. 2,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 49, Nr. 348 - Groß-Umstadt, Evangelische Kirche - 1621

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. A

    [. . . T . . . ER.. / TAD.. S. NCERI A] HORA AGNITA N[VLLI . . . / OVIS . . . / . . . VIM . . .]a)

  2. B

    AN(N)O CHRISTI 1578 DIE IACOBI NAT(VS) EST HO/[N]ORAB(ILIS) VIR D(OMI)[N(VS)] CONRAD(VS) RORICH HAC IN [O]RB/[E PAR]ENTE HONEST(O) VALENTINO RORICH QVON/[DA(M) ....] SENATORE [ET MATRE ELIZA]/B[ET]A FLICKIA[NA A QVIB(VS) A T]ENER[IS IN VERAE] / PIETATIS STVDIO EDVCAT(VS) ET MUS[IS] C[ON]/S[E]C[R]AT(VS)b) ANNO 1606 · [IV]VENTVTE ERV/DIENDA SCHOLASTICA COEPIT GRATI/FICARI PATRIAE VSQ(VE) AD 4 IANVAR(II) · 611 · QVO / FI[DEI] IPSIUS COMMISSU[S] EST / ECCLESIAE HUIUS DIACONAT(US) / MATRIMONIU(M) CO(N)TRAXIT · A(NN)O · 600 / CU(M) PUDICISSI(MA) VIRGINE A(M)MELIA SE/BAST(IANI) MAGSEMII PRAETORIS LENG/FELD(ENSIS) FILIA EX QUA 4 SUSCEPIT / VTRIVSQVE SEXVS LIBEROS QVO/RVM DVO ADHVC SU(N)T SUPERSTI/TES HAC DEFU(N)CTA · A(NN)O · 616 · AD SE/CU(N)DA(M) VOTA(M) TRA(N)SIIT CU(M) SPECTA/TA FOEMINA REGINA THEODORI / ESSEL[B]RONII QUAESTORIS QUO(N)DA(M) / PALATINI VIDUA RELICTA EX QUA / [D]UOS SUSCEPIT LIBEROS QUORU(M) / [U]N(US) ADHUC SUPERSTES TANDE(M) / [. . . X FE]BR(UARII)c) A(NN)O MDCXXI

Übersetzung:

(B) Im Jahre Christi 1578 am Tag des hl. Jakobus (25. Juli) ist der ehrbare Herr Konrad Rorich in diese Welt durch den angesehenen Vater Valentin Rorich, einst Ratsherr ... und die Mutter Elisabeth Flick geboren worden. Von ihnen wurde er von frühester Jugend an im Eifer der wahren Frömmigkeit erzogen und in die Wissenschaften eingeführt. Im Jahr 1606 begann er, durch die Erziehung der Schuljugend der Vaterstadt zu dienen. Er tat dies bis zum 4. Januar 1611, an welchem ihm wegen seines Glaubens die Kaplanei dieser Kirche übertragen wurde. Im Jahr 1600 schloß er die Ehe mit der sehr züchtigen Jungfrau Amelia, der Tochter des einstigen Schultheißen von Lengfeld Sebastian Magsam. Von ihr hatte er vier Kinder beiderlei Geschlechts, von denen zwei noch heute leben. Nachdem Amelia im Jahr 1616 gestorben war, ging er das zweite Ehegelöbnis mit der angesehenen Frau Regina ein, der nachgelassenen Witwe des einstigen pfälzischen Amtmannes Theodor Esselbron. Von ihr hatte er zwei Kinder, von denen eines noch lebt. Zuletzt (starb er) am ... Februar des Jahres 1621.

Kommentar

Bei der etwas unregelmäßig gehauenen Kapitalis fällt der Wechsel zwischen V und U auf, das aus Bogen und rechter Haste gebildet ist.

Konrad Rorich wurde 1604 in Heidelberg immatrikuliert.1) Von 1606 bis 1611 war er Schulmeister und anschließend von 1611 bis zu seinem Tod 1621 Diakon in Umstadt.2)

Textkritischer Apparat

  1. Der in eckige Klammern gesetzte Teil der Inschrift wird nach einer älteren Lesung von Herrn Georg Brenner, Groß-Umstadt, gegeben, dem ich für die zur Verfügung gestellte Abschrift herzlich danke.
  2. Ergänzungen nach Brenner.
  3. Ergänzt nach Brenner.

Anmerkungen

  1. Toepke, Matrikel II 221.
  2. Vgl. auch Hassia sacra I 183.

Nachweise

  1. G. Brenner, Abschrift der Grabplatte (in Privatbesitz).
  2. Scholz, Inschriften 73 f., Nr. 27 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 348 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0034803.