Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 341 Darmstadt, Evangelische Stadtkirche 1618

Beschreibung

Grabgedicht, Grabinschrift und Bibelzitate auf dem Sarg der Landgräfin Eleonora von Hessen-Darmstadt, geborene Herzogin von Württemberg. Der mit Messing beschlagene Sarg steht auf der rechten Seite im hinteren Gewölbe der Fürstengruft unmittelbar vor dem Epitaph Ludwigs V. an der Stirnwand. Der Sargdeckel besitzt auf beiden Seiten Inschriftentafeln aus Metall. Die Tafel auf der vom Kopfende aus gesehenen linken Seite ist in zwei Spalten geteilt. Die linke Spalte enthält das Grabgedicht (A) und die Bibelzitate (B) und (C), die rechte Spalte die Bibelzitate (D) bis (G). Die Tafel der rechten Seite trägt die Grabinschrift (H). Bei allen Inschriften sind die Buchstaben flach in das Metall eingeritzt. Als Interpunktionszeichen dienen Punkte.

Maße: H. 74, B. 61, L. 188, Bu. 0,5–0,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Di 49, Nr. 341 - Darmstadt, Evangelische Stadtkirche - 1618

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. A

    FRAW ELEONORA AVSERKORN /VON WÜRTENBERGSCHEN STAM GEBORN /ALS SIE WAR LEBENS MÜD UND SAT /IN GOTT SIE DAS BESCHLOSSEN HAT /DIE SEEL IM HIMMEL LEBT IN FREID /WIE DIE IHR CHRISTÜS HAT BEREID /IN DIESEM SARCK DER LEIB ERWARTH /EIN AÜFFERSTEHN NACH GLAVBENS=/ARTH

  2. B

    PSAL(M) XC · VERS · X1) · / UNSER LEBEN WÄHRET SIBENZIG IAHR / WENS HOCH KOMPT SO SEINDS ACHTZIG / VND WENS KÖSTLICH GEWESEN IST / SO ISTS MÜHE VND ARBEID GEWESEN / DENN ES FEHRET SCHNELL DAHIN ALS / FLÖHEN WIR DAVON ·

  3. C

    ROM VIII2) / ICH HALDE ES DAFIR DAS DIESER ZEIT LEIDEN / NIT WERTH SEŸ DER HERLICHKEIT DIE AN / UNS SOLL GEOFFENBAHRET WERDEN

  4. D

    SAP III3) / DER GERECHTEN SEELE / SEIND IN GOTTES HAND VND KEINE QUAHL RUHRET SIE AHN ·

  5. E

    IOHAN · VIII4) · / WARLICH ICH SAGE EUCH SO / IMAND MEIN WORT WIRD HALTEN / DER WIRD DEN TOD NICHT SEHEN / EWIGLICH ·

  6. F

    APOC · II5) · / SEY GETREW BIS IN TODT SO / WILL ICH DIR DIE KRONE DES / LEBENS GEBEN ·

  7. G

    PSALM · LXXI6) · / VERWIRFF MICH NIT IN MEINEM / ALTER VERLASE MICH NICHT, WAN / ICH SCHWACH WERDE

  8. H

    DIE DURCHLEUCHTIGE HOCHGEBORNE FÜRSTIN VND / FRAW FRAW ELEONORA LANDGRÄFIN ZU HESSEN (ET)C(ETERA) GEBORNE / HERZOGIN ZU WÜRTENBERG (ET)C(ETERA) WITTIBE · / GEBOREN ANNO MDLII · AM XXII MARTII · HERR VATTER CHRISTOPH / HERZOG ZU WÜRTENBERG FRAW MVTTER ANNA MARIA GEBORNE / MARGGRÄFIN ZU BRANDENBURG (ET)C(ETERA) · / VERHEURATET Ia) AN HERNN IOACHIM ERNSTEN FÜRSTEN ZU / ANHALDT (ET)C(ETERA) AM VIII · IANUARII ANNO MDLXXI IHRES ALTERS / IM · XVIIII · VI · HERREN VND III · FREWLEIN MUTTER · / IIb) NACH ZWEI IÄHRIGEM WITTIB STAND AN HERNN / GEORGEN LANDGRAFEN ZU HESSEN (ET)C(ETERA) ANNO MDLXXXIX MUTTER / EINES SEHNLEINS NAHMENS HENRICH · / GELEBT NACH DISSEM XXII IAHR · WITTIB IHRES GANZEN / ALTERS LXVI IAHR · GESTORBEN ANNO MDCXVIII AM XII · IANUARII / · ABENTS NACH VII VHR · / BEGRABEN DARMSTADT IN DIE PFARRKIRCH INS FÜRSTLICH / GEWELB DEN X FEBRUARII

Versmaß: Deutsche Reimverse (A).

Kommentar

Auffällig ist in den Inschriften der Wechsel zwischen V und U, der sich auch auf dem Sarg der Magdalena von Brandenburg findet.7) Über dem U steht als diakritisches Zeichen ein Bogen, während das Ü stets zwei Striche trägt. Die Anfangsworte der einzelnen Texte sind durch überhöhte Buchstaben gekennzeichnet, die in einigen Fällen als konturierte Buchstaben ausgeführt sind.

Eleonora war eine Tochter des Herzogs Christoph von Württemberg und der Anna Maria von Brandenburg. Sie war in erster Ehe mit dem 1586 verstorbenen Joachim Ernst von Anhalt verheiratet.8) Ihre Schwester, die Marburger Landgräfin Hedwig, vermittelte dann die Ehe mit Georg I. von Hessen-Darmstadt, dessen erste Frau Magdalena zur Lippe 1587 gestorben war.9) Die Hochzeit fand 1589 statt,10) und 1590 wurde Heinrich als einziges Kind dieser Verbindung geboren.11) Georg verstarb bereits 1596, Eleonora erst 1618.

Textkritischer Apparat

  1. Über der Haste befindet sich zur Hervorhebung der Ordinalzahlen ein Auszeichnungsstrich mit Ausbuchtung.
  2. Über den Hasten befindet sich zur Hervorhebung der Ordinalzahlen ein Auszeichnungsstrich mit Ausbuchtung.

Anmerkungen

  1. Ps 90,10 (Hebr).
  2. Röm 8,18.
  3. Weish 3,1.
  4. Joh 8,51.
  5. Offb 2,10.
  6. Ps 71,9 (Hebr).
  7. Vgl. Nr. 335.
  8. Vgl. zu den Angaben der Inschrift auch das Epitaph Eleonoras, Nr. 296, sowie Europ. Stammtafeln NF I, Taf. 123 und Taf. 73 und Raff, Hie gut Wirtemberg 571 f.
  9. Vgl. Press, Hessen 287; zu Georg vgl. Nr. 263 und Nr. 283; zu Magdalena vgl. Nr. 258.
  10. Buch, Hessische Chronik (Nick 9) gibt in Abweichung zur Inschrift 1588 als Hochzeitsjahr an.
  11. Zu Heinrich vgl. Nr. 298.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 341 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0034100.