Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 335 Darmstadt, Evangelische Stadtkirche 1616

Beschreibung

Grabinschriften und Bibelzitate auf dem Sarg der Landgräfin Magdalena von Hessen-Darmstadt, geborene Fürstin von Brandenburg. Der mit Messingblech beschlagene Sarg steht im hinteren Gewölbe der Fürstengruft auf der rechten Seite als zweiter Sarg vom Eingang aus gesehen. Am Kopfende des Deckels sind auf beiden Seiten Metalltafeln mit Inschriften angebracht. Auf der linken Tafel befinden sich die Grabinschrift (A) und die Bibelzitate (B), (C) und (D), auf der rechten Seite die Grabinschrift (E) sowie die Bibelzitate (F) und (G), wobei es sich bei (G) um die lateinische Version von (C) handelt. Als Worttrenner wurden Punkte verwendet. Die rechte Tafel zeigt deutliche Korrosionsspuren.

Maße: H. 66, B. 72, L. 188, Bu. 0,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 49, Nr. 335 - Darmstadt, Evangelische Stadtkirche - 1616

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/1]

  1. A

    DIE DURCHLEÜCHTIGE HOCHGEBORNE FÜRSTIN UND FRAW FRAW MAGDALENA / LANDGRÄVIN ZU HESSEN (ET)C(ETERA) GEBORNE MARGGRÄVIN ZU BRANDENBVRG (ET)C(ETERA) · / DES DURCHLEÜCHTIGEN HOCHGEBORNEN FÜRSTEN UND HERNN, HERNN LUDWIGEN / LANDGRAVEN ZU HESSEN (ET)C(ETERA) HERTZLIEBSTE GEMAHLIN / IST GEBORN DEN 7 IANUARII ANNO · 1582 IM EHESTAND GELEBT · 18 · / IAHR UND DURCH GOTTES REICHEN SEGEN ZUR WELT GEBRACHT · 12 · / KINDER DARUNDER FÜNF HERREN UND SIEBEN FREWLEIN / GESTORBEN DEN · 4 · MAI1), MORGENS FRUE VOR 3 UHR ANNO · 1616 / IHRES ALTERS 34 IAR 4 MONAT UND 5 TAGE

  2. B

    SIRACH 402) · / ES IST EIN ELEND IEMMERLICH DING UMB ALLER MENSCHEN LEBEN VON / MUTTERLEIB AN BIS SIE IN DIE ERDEN BEGRABEN WERDEN, DA IST IMMER SORGE / FURCHT HOFFNUNG UND ZU LETZT DER TODT SO WOHL BEI DEM DER IN HOHEN / EHREN SITZET ALS BEI DEM GERINGSTEN AUFF ERDEN, SO WOHL BEI DEM DER SEIDEN / UND KRON TREGT, ALS BEI DEM DER EIN GROBEN KITTEL ANHAT

  3. C

    IOHANN V3) / ES KOMPT DIE STUNDE, IN WELCHER ALLE DIE IN DEN GRABERN SIND WERDEN SEINE / STIMME HOREN, UND WERDEN HERFUR GEHEN, DIE DA GUTS GETHAN HABEN ZUR / AUFFERSTEHUNG DES LEBENS, DIE ABER UBELS GETHAN HABEN ZUR AUFFERSTE=/HUNG DES GERICHTS

  4. D

    ROM XIV4) · / LEBEN WIR SO LEBEN WIR DEM HERN, STERBEN WIR SO STERBEN WIR DEM / HERREN, DARVMB WIR LEBEN ODER STERBEN SO SIND WIR DES HERREN

  5. E

    HIC PIE DEFUNCTA QVIESCIT ET CIRCA VLTIMAM MVNDI HORAM / RESUSCITATOREM SUUM IESVM CHRISTVM PLACIDE EXPECTAT, / ILLVSTRISSIMA ET CELSISSIMA DOMINA MAGDALENA HASSIAE LANDGRAVIA / INTER OMNES LAVDATISSIMA, CELSISSIMI, AC OPTIMI PRINCIPIS AC DOMINI, / DOMINI LUDOVICI HASSIAE LANDGRAVII (ETCETERA), CONIUX CHARISSIMA ET XII / LIBERORVM NEMPE · VII · FILIARVM ET · V · FILIORVM, MATER / FOECUNDISSIMA ET BEATISSIMA / NATA EX ILLUSTRISSIMA ET ANTIQVISSIMA FAMILIA BRANDEBURGICA / VII · IANUARII ANNO · M · D · LXXXII · / MORTVA · IIII · MAII SUMMO MANE PAULO ANTE HORAM III ANNO M · DCXVI / VIXIT ANNOS XXXIIII · MENSES · IIII · DIES V

  6. F

    PSALMO XXXIX5) / LOCUTUS SUM IN LINGVA MEA NOTUM FAC MIHI DOMINE FINEM MEUM, / ET NUMERUM DIERUM MEO[R]UM QUIS EST UT SCIAM QUID DESIT MIHI

  7. G

    IOHANN V3) · / VENIT HORA, IN QVA OMNES QUI IN MONUMENTIS SUNT AVDIENT VOCEM / FILII DEI ET PROCEDENT QUI BONA FECERVNT IN RESURRECTIONEM / VITAE, QUI VERO MALA EGERUNT IN RESURRECTIONEM IUDICII

Übersetzung:

(E) Hier ruht die selig Verstorbene, und sie erwartet sanft in der letzten Stunde der Welt ihren Auferwecker Jesus Christus: die durchlauchtigste und überaus erhabene Frau Magdalena Landgräfin von Hessen, unter allen die löblichste und geliebteste Gattin des erhabensten und besten Fürsten und Herrn, Herrn Ludwig, Landgrafen von Hessen, und sie war die gesegnetste und glücklichste Mutter von 12 Kindern, und zwar von sieben Töchtern und fünf Söhnen. Sie wurde am 7. Januar 1582 als Tochter der durchlauchtigsten und sehr alten Familie von Brandenburg geboren und starb am 4. Mai 1616 frühmorgens kurz vor der dritten Stunde. Sie lebte 34 Jahre, vier Monate und fünf Tage.

(F) Ich sprach mit meiner Zunge: Herr, mach mir mein Ende bekannt und wie groß die Zahl meiner Tage ist, damit ich weiß, was mir fehlt.

Kommentar

Auffällig ist bei den Inschriften der Wechsel zwischen V und U, der sich auch bei den Inschriften auf dem Sarg der Eleonora von Württemberg findet.6) Im übrigen beschränkt sich die Verwendung von U in den Inschriften vor 1650 im Bearbeitungsgebiet und in den angrenzenden Regionen auf Ausnahmen.7) Die Anfangsworte der einzelnen Texte sowie der Sinnabschnitte innerhalb der Texte sind durch überhöhte Buchstaben gekennzeichnet, die mehrfach als konturierte Buchstaben ausgeführt sind.

Magdalena war eine Tochter aus der dritten Ehe des Kurfürsten Johann Georg von Brandenburg mit Elisabeth von Anhalt. Sie heiratete am 5. Juni 1598 Landgraf Ludwig V. von Hessen.8)

Anmerkungen

  1. Europ. Stammtafeln NF I, Taf. 104 gibt als Todesdatum irrtümlich den 14. April 1616 an, während in Taf. 154 richtig der 4. Mai 1616 genannt wird.
  2. Sir 40,1 – 4.
  3. Joh 5,25.
  4. Röm 14,8.
  5. Ps 39,5 (Hebr).
  6. Vgl. Nr. 341.
  7. Vgl. dazu DI 29 (Worms) LXVII; DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) XLIX; DI 38 (Lkr. Bergstraße) Nr. 193 mit Anm. 5 und XLIV.
  8. Vgl. die vorangehende Nr.; Europ. Stammtafeln NF I, Taf. 154 gibt als Namen der Mutter irrtümlich Anna an.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 335 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0033508.