Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 280 Leeheim, Heimatmuseum, aus Leeheim, Rathaus 1595

Beschreibung

Spruchinschrift, Jahreszahl und Initialen auf einem Holzmedaillon, das früher im Obergeschoß des Leeheimer Rathauses oberhalb des Eingangs angebracht war. Das Rathaus wurde 1973 abgerissen, und das Medaillon wird heute im Heimatmuseum, Backhausstraße 8, aufbewahrt. Die Bauinschrift ist in zwei Ringen von außen nach innen angeordnet. In der Mitte steht die Jahreszahl, und darüber und darunter sind Initialen angebracht. Die Buchstaben sind in das Holz eingekerbt und mit weißer Farbe ausgemalt worden.1)

Maße: Dm. 49, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 49, Nr. 280 - Leeheim, Heimatmuseum, aus Leeheim, Rathaus - 1595

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Dr. Sebastian Scholz) [1/1]

  1. · WER GOT VERTRAVTHAT WOHL GEBAVT2) /· EIN VESTER HAVSWAR NIE GEBAVT /G S / 1595 / HF G3)

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Kommentar

Die Inschrift nennt das Jahr, in dem das Leeheimer Rathaus fertiggestellt wurde. Der Spruch WER GOT VERTRAVT HAT WOHL GEBAVT ist bereits in der Sprichwörtersammlung des Johann Agricola von 1525 enthalten und bildet auch den Anfang der ersten Strophe eines Liedes der 1572 von Joachim Magdeburg herausgegebenen „Tischgesänge“.4) Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kommt der Spruch vor allem in Norddeutschland häufig in Hausinschriften vor.5) Die Kombination mit dem Nachsatz EIN VESTER HAVS WAR NIE GEBAVT läßt sich sonst allerdings nicht belegen.

Anmerkungen

  1. Die Kenntnis der Inschrift verdanke ich dem freundlichen Hinweis von Herrn Heinrich Bonn, Leeheim.
  2. Wander, Sprichwörter-Lexikon 2, 90 f. Nr. 2200.
  3. Eine Auflösung der Initialen war nicht möglich.
  4. Wackernagel, Deutsches Kirchenlied 1042 f.; Handbuch zum Evangelischen Kirchengesangbuch, Sonderband 443.
  5. DI 4 (Wimpfen) Nr. 171; DI 14 (Fritzlar) Nr. 203; DI 26 (Osnabrück) Nrr. 168, 193, 209, 211, 313; DI 28 (Hameln) Nrr. 37, 124; DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 590; DI 36 (Hannover) 288, Register 5, s.v. Wer Gott vertraut; DI 38 (Lkr. Bergstraße) Nr. 221; DI 39 (Lkr. Jena) Nrr. 179, 248; DI 45 (Goslar) 216, Register 5, s.v. Wer Gott vertraut; DI 46 (Minden) Nrr. 72, 191.

Nachweise

  1. Mößinger, Starkenburger Hausinschriften 244, Nr. 39.
  2. A. Traubel, Wie aus Fenstern schöne Vitrinen werden, in: Darmstädter Echo, Mittwoch, 12. Februar 1997, Abb.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 280 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0028006.