Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 258 Darmstadt, Evangelische Stadtkirche 1587

Beschreibung

Grabinschriften und Bibelzitate auf dem Sarg der Landgräfin Magdalena von Hessen-Darmstadt, geborene Gräfin zur Lippe. Der Holzsarg steht im hinteren Gewölbe der Fürstengruft auf der rechten Seite als vierter Sarg vom Eingang aus gesehen. Auf dem Sargdeckel sind am Kopfende links und rechts zwei Metalltafeln angebracht. Die linke Tafel trägt die Grabinschrift (A) und das Bibelzitat (B), die rechte die Grabinschrift (C), das Bibelzitat (D), bei dem es sich um die deutsche Übersetzung von (B) handelt, sowie das Bibelzitat (E). Als Worttrenner dienen Punkte, die manchmal auf der Grundlinie stehen. Der Rand der Tafeln ahmt in Ritztechnik Rollwerk nach. Auf beiden Tafeln befinden sich in der Mitte des oberen Randes die gleichen drei Buchstaben (F).

Maße: H. 68, B. 77, L. 206, Bu. 0,6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 49, Nr. 258 - Darmstadt, Evangelische Stadtkirche - 1587

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. A

    IN PACE / HIC CVBAT ET DORMIT ILLVSTRISSIMA D(OMI)NA MAGDA/LENA HASSIAE LANDGRAVIA LAVDATISSIMA / OPTIMI PRIN=/CIPIS D(OMI)NI D(OMI)NI GEORGII H(ASSIAE) L(ANDGRAVII) (ET)C(ETERA) CONIVX DILECTISSIMA / DECEM LIBERORVM MATER FIDELISSIMA BEATAM EXPECTANS RESVR/RECTIONEM / NATA FVIT EX ILLVSTRI FAMILIAa) COMITVM DE LIPP (ET)C(ETERA) 24 d(ie) FEB(RVARII) / A(NNO) · C(HRISTI) · 1552 CVRSVM VITAE IN CHR(IST)O ABSOLVIT BEATISSIME · 26 d(ie) · FEBRVARŸ A(NN)O C(HRISTI) · 1587

  2. B

    HIOB 19 V(ERSVS) 251) / SCIO QVOD REDEMPTOR MEVS VIVIT, ET IN NOVISSIMO DIE DE TERRAb) / RESVRRECTVRVS SVM, ET RVRSVM CIRCVMDABOR PELLE MEA, ET IN / CARNE MEA VIDEBO DEVM MEVM, QVEM VISVRVS SVM EGO IPSE, SI OCV=/LI MEI CONSPECTVRI SVNT NON ALIENVS

  3. C

    DIE DVRCHLEVCHTIGE HOCHGEBORNE FVRSTIN / VND FRAW FRAW MAGDALENA LANDGRÄVIN ZV HESSEN / GRÄVIN ZV CATZENELNBOGEN (ETCETERA)c) GEBORNE GRÄVIN ZVR LIPP / HERRN GEORGEN L(ANDGRAVEN) ZV HESSEN HERTZLIEBSTE GEMAHLIN / GOTSELIGSTER GEDECHTNVS, IST GEBOREN DEN 24 FEBRVARY / A(NNO) · C(HRISTI) · 1552 SELIG GESTORBEN DEN 26 FEB(RVARII) A(NNO) · C(HRISTI) · 1587

  4. D

    HIOB 19 CA(PITEL)1) / ICH WEIS DAS MEIN ERLÖSER LEBT, VND ER WIRD MICH HERNACH AVS / DER ERDEN VFERWECKEN VND WERD DARNACH MIT DIESER MEINER / HAVT VMBGEBEN WERDEN VNDT WERD IN MEINEM FLEISCH GOTT / SEHEN DENSELBEN WERD ICH MIR SEHEN VND MEINE AVGEN IHN / SCHAWEN VND KEIN FREMBDER (ET)C(ETERA)

  5. E

    IOHAN 112) / ICH BIN DIE VFFERSTEHVNG VND DAS LEBEN SPRICHT CHR(ISTV)Sd) WER / AN MICH GLAVBT DER WIRD LEBEN OB ER GLEICH STVRBET

  6. F

    V S H3)

Übersetzung:

Hier ruht und schläft in Frieden die durchlauchtigste Frau Magdalena, löblichste Landgräfin von Hessen, geliebteste Gattin des besten Fürsten und Herrn, Herrn Georg, Landgrafen von Hessen usw. Als treueste Mutter von 10 Kindern erwartet sie die selige Auferstehung. Sie stammte aus der erlauchten Familie der Grafen zur Lippe usw. und wurde am 24. Februar im Jahre Christi 1552 geboren. Ihren Lebenslauf beendigte sie in Christo seligst am 26. Februar im Jahre Christi 1587.

Kommentar

Magdalena war eine Tochter des Grafen Bernhard VIII. zur Lippe und der Katharina von Waldeck-Eisenberg.4) Sie heiratete 1572 Landgraf Georg von Hessen-Darmstadt, der nach ihrem Tode für sie und sich selbst im Chor der Darmstädter Stadtkirche ein monumentales Epitaph errichten ließ.5)

Textkritischer Apparat

  1. I über den Balken des L gestellt.
  2. Das letzte A steht außerhalb des Schriftfeldes auf dem Rand.
  3. Das Kürzungszeichen zeigt die Form eines kursiven f der humanistischen Minuskel ohne Balken.
  4. SPRICHT CHRISTVS ist im Original in runde Klammern gesetzt.

Anmerkungen

  1. Ijob 19,25 – 27.
  2. Joh 11,25.
  3. Die Bedeutung der Buchstaben ist ungeklärt. Möglicherweise handelt es sich um die Meistersignatur. Auf den Tafeln der übrigen Särge in der Fürstengruft, die zum Bearbeitungszeitraum gehören, fehlen vergleichbare Signaturen.
  4. Europ. Stammtafeln AF I, Taf. 144.
  5. Vgl. dazu Nr. 263.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 258 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0025804.