Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 217 Babenhausen, Bauhof, aus Evangelischer Kirche 1570

Beschreibung

Fragmente der Grabplatte oder des Epitaphs eines von Carben. Die Fragmente wurden 1992 in einer Baugrube an der Fahrstraße am Standort des ehemaligen Spritzenhauses gefunden. Von dem in mehrere Teile zerbrochenen Denkmal aus rotem Sandstein sind heute noch vier Bruchstücke vorhanden. Zwei gehören zum oberen und zwei zum unteren Teil. Die Mitte fehlt. In den vier Ecken ist jeweils ein Wappen angebracht. Die Jahreszahl (A) befindet sich zwischen den beiden oberen Wappen. Die Grabinschrift (B) steht auf einer Tafel im unteren Teil des Steins.

Maße: H. ca 150, B. ca 87, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 49, Nr. 217 - Babenhausen, Bauhof, aus Evangelische Kirche - 1570

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/5]

  1. A

    [1]5 · 70

  2. B

    [. . .] / EHRNVES[T . . .]GE [. . .] / ALTHVM VN[D] LIGT ALHIE BEG[RA]/BEN DER SELEN GOT GNEDIG SEY / AMEN

Wappen:
Carben, Schelle von Umstadt;1) unbekannt,2) unbekannt.3)

Kommentar

Durch das Attribut EHRNVEST können die Fragmente der Grabplatte oder dem Epitaph eines männlichen Verstorbenen zugeordnet werden, der nach der Ahnenprobe der Wappen aus der Familie von Carben stammte. Seine Mutter kam aus einer Familie, die das dreiblättrige Kleeblatt im Wappen führte. Dieses Wappenbild kommt in der Region mehrfach vor.4) An den Stellen, die üblicherweise den Wappen der Großelterngeneration vorbehalten sind, befinden sich väterlicherseits das Wappen Schelle von Umstadt und mütterlicherseits ein Wappen mit Wellenschrägbalken.5) Die Eheverbindung Carben und Schelle von Umstadt erscheint in den Stammtafeln allerdings nicht, und auch das Todesjahr 1570 ist für keinen Angehörigen der Familie von Carben angegeben.6) Wolfgang Martin hat darauf hingewiesen, daß ein Hans Eitel von Carben in einer Urkunde für Schaafheim vom Dezember 1557 und in einer weiteren Urkunde für Harpertshausen vom Juli 1558 als Amtmann von Babenhausen auftritt.7) Es ist fraglich, ob er mit jenem Hans Eitel von Carben identisch ist, der im Juli 1557 als Amtmann zu Lich (Lkr. Gießen) siegelte, im Mai 1562 als Amtmann zu Bobenhausen (Wetteraukreis) den Grafen von Solms-Münzenberg in einem Streitfall vertrat8) und von Humbracht für 1573 als Hofmeister des Bischofs von Speyer erwähnt wird.9) Martin zweifelt an der Identität des hanau-lichtenbergischen Amtmannes in Babenhausen mit dem Amtmann des Grafen von Solms-Münzenberg und nimmt zwei verschiedene Johann Eitel von Carben an.10) Sollte diese Annahme zutreffen, so könnte das Denkmal durchaus jenem Johann Eitel gehören, der Amtmann in Babenhausen war und als solcher auch Anspruch auf ein Begräbnis in der Babenhausener Kirche hatte. Zu klären bliebe in jedem Fall die Frage nach den Eltern und den Großeltern,11) da fraglich ist, ob sich die unteren Wappen auf die Großmütter beziehen. Es könnte sich nämlich auch um die an ungewöhnlicher Stelle angebrachten Ahnenwappen der Ehefrau handeln, wie es z. B. bei den Epitaphien für Georg von Frankenstein und Burckhard von Hertingshausen der Fall ist.12)

Anmerkungen

  1. Eine natürliche Faust.
  2. Dreiblättriges Kleeblatt.
  3. Wellenschrägbalken.
  4. So z. B. bei den Familien Cleen, Dernbach, Schutzbar genannt Milchling und Trohe.
  5. Auch dieses Wappen führen mehrere Familien in der Region, z. B. Bleichenbach, Breitenbach und Otterbach.
  6. Humbracht, Stammtafeln 105 f.; Biedermann, Geschlechtsreg. Ottenwald Taf. CCCLI; Möller, Stammtafeln AF III, Taf. CVI.
  7. Martin 22.
  8. Solmser Urkunden 3, Nr. 3056 und Nr. 3180.
  9. Humbracht, Stammtafeln 105.
  10. Martin 22.
  11. Als mögliche Väter kämen Philipp und Emerich von Carben in Frage, die beide mit Frauen der Familie von Trohe verheiratet waren. In beiden Fällen lassen sich die bekannten Großeltern jedoch nicht mit den Wappen der Grabplatte in Verbindung bringen.
  12. Vgl. Nr. 162 und die vorangehende Nr.

Nachweise

  1. Martin, Babenhäuser Grabsteinfunde 20 f. mit Abb. 3 – 6.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 217 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0021703.