Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 166 Burg Frankenstein, Kapelle, aus Ev. Dreifaltigkeitskirche Darmstadt-Eberstadt 1533, 1558

Beschreibung

Epitaph der Irmel von Cleen und ihres Mannes Hans IV. von Frankenstein. Das zweiachsige Ädikula-Epitaph aus rotem Sandstein steht heute innen an der Nordwand der Kapelle. Es befand sich ursprünglich in der Kirche von Darmstadt-Eberstadt und wurde 1850 auf die Burg gebracht. Das heutige Erscheinungsbild entspricht nicht mehr dem Originalzustand, da sich die jetzt über den Figuren angebrachten Inschriftentafeln ursprünglich in der Sockelzone befanden.1) Die beiden Verstorbenen knien vom Betrachter aus gesehen nach rechts gewendet in zwei Muschelnischen, die von Halbsäulen begrenzt werden. Die Frau trägt eine Haube und einen weiten Mantel. Um ihr Handgelenk hängt der Rosenkranz, und in den Händen hält sie ein Gebetbuch. Rechts kniet der vollgerüstete, barhäuptige Ritter in Gebetshaltung. Der Helm steht vor seinen Knien. An den drei Halbsäulen hängen insgesamt vier Wappen, und zwar an den äußeren je eins und an der mittleren zwei. Sie sind in einer Linie angeordnet und zeigen die Ahnenwappen der Verstorbenen. An den beiden äußeren Halbsäulen sind zudem noch die Vollwappen der Verstorbenen angebracht. Als Aufsatz dienen heute die beiden Inschriftentafeln mit den Grabinschriften (A) und (B). In beiden Inschriften werden die Ziffern durch Quadrangeln getrennt.

Maße: H. 197, B. 188, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 49, Nr. 166 - Burg Frankenstein, Kapelle, aus Ev. Dreifaltigkeitskirche Darmstadt-Eberstadt - 1533, 1558

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/3]

  1. A

    Anno · 1 · 5 · 3 · 3 vff dornstags nach / allerheiligen tag ist die Edel vnd / Erbar fraw yrmel von francke(n)ste(n) / geborn von klee die Letzst des ge/geschlechtsa) versch(ieden) der sele(n) gott gnadt

  2. B

    Anno dom(in)i · 1 · 5 · 3 · 3 · vnd 〈58b)〉 / vff 〈. . .〉 tag ist gestarben / der Ernvest hans zv franck(en)/stein des sellen gott genadtt

Datum: 6. November 1533.

Wappen:
Cleen; Frankenstein; Cleen, Echter von Mespelbrunn;2) Frankenstein, Kronberg (Kronenstamm).3)

Kommentar

Die Inschrift zeigt eine konservative Minuskel im Vierlinienschema. Die Schäfte von h, k, l und t sind gespalten. Außer A, das der frühhumanistischen Kapitalis entnommen ist, gehören die Versalien zur gotischen Minuskel.

Das Denkmal entstand 1533 im Todesjahr Irmels von Cleen. Die Inschrift für Hans IV. wurde bereits zu dieser Zeit ausgeführt, für den Nachtrag seiner Sterbedaten sparte man jedoch Platz aus. Für die Jahresangabe verwendete man allerdings die ungewöhnliche Formulierung Anno domini 1533 vnd. Danach sollte offenbar die Zahl folgen, die zusammen mit 1533 das Todesjahr von Hans ergeben hätte, also 25, da Hans 1558 starb. Stattdessen brachte man aber das eigentliche Sterbejahr 58 an, ohne die früher gewählte Konzeption zu berücksichtigen. Das Tagesdatum wurde nicht nachgetragen. Hans IV. war ein Sohn Conrads VI. von Frankenstein und der Apollonia von Kronberg. Seine Frau Irmel war eine Tochter Gottfrieds von Cleen und der Margarete Echter von Mespelbrunn.4)

Das Epitaph ist als „Ewige Anbetung“ gestaltet. Die beiden Figuren waren in ihrer ursprünglichen Aufstellung vermutlich auf den Hauptaltar oder auf das Sakramentshaus ausgerichtet. Daraus erklärt sich auch die ungewöhnliche Anordnung, bei der sich die Frau auf der vom Betrachter aus gesehen linken Seite des Denkmals befindet, die üblicherweise dem Mann vorbehalten ist. In diesem Fall hatte die Anordnung ihren Grund darin, daß der Mann näher zum Altar und zum Sakramentshaus hin plaziert werden sollte.5)

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Beim c fehlt der obere Bogenabschnitt.
  2. 5e Bronner 41.

Anmerkungen

  1. Bronner 38 – 41; Esselborn, Der Frankenstein 362.
  2. Ein Schrägbalken, belegt mit drei Ringen.
  3. Geviert: 1. eine Laubkrone, 2/3. Eisenhutfeh (in zwei Reihen), 4. leer.
  4. Möller, Stammtafeln AF I, Taf. XXVII.
  5. Zur Denkmalform der „Ewigen Anbetung“ vgl. Nr. 64.

Nachweise

  1. Bronner, Odenwaldburgen II 41 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 166 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0016607.