Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 23(†) Burg Otzberg 1413?, 1502 ff.

Beschreibung

Bauinschrift, Namensinschrift und Jahreszahlen an verschiedenen Bauteilen der Burg. Die älteste Bauinschrift (A) befand sich im Sturzbogen einer Tür im Kellerhals des Bandhauses, der 1954 abgerissen wurde. Im Norden der Ringmauer ist über der Tordurchfahrt ein Wappenstein mit der Jahreszahl (B) und einer Wappendreiergruppe angebracht. Über der Jahreszahl ist ein Steinmetzzeichen (Nr. 3) eingeritzt. Der Erker rechts vom Tor trägt ein Schriftband mit der Jahreszahl (C) und einem leeren Wappenschild. Wiederum rechts davon ist die Jahreszahl (D) in den Sturz eines Fensters eingehauen, von der jedoch nur doch die ersten beiden Ziffern vorhanden sind. Von den übrigen Jahreszahlen befinden sich (G), (H), (J) und (L) an der Westseite und (K) an der Ostseite der Ringmauer. Die Nordseite der Wehrgangmauer trägt einen Wappenstein mit der Namensinschrift (E) und einem Wappen, unter dem sich auf einem anderen Stein eine erhaben gehauene Jahreszahl (F) befindet. Im Inneren der Burg ist im Sturz eines Fensters auf der Südseite des Kommandantenhauses noch die Jahreszahl (I) angebracht. Als Trennzeichen dienen Quadrangeln mit paragraphzeichenförmig ausgezogenen Zierstrichen in (F) und (H) sowie Quadrangeln in (B), (C) und (J).

Inschrift (A) nach Herchenröder.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 49, Nr. 23 - Burg Otzberg - 1413f, 1502ff.

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/10]

  1. A†

    anno domini m cccc xiii i° virginis mariaa)1)

  2. B

    1 · 5 · IIb)

  3. C

    Anno · 5 · II · IIc) ·

  4. D

    15[..]d)

  5. E

    lvdwich / palcz / graff2)

  6. F

    · 1 · 5 · 1 · 8

  7. G

    · 1 · 5 · 4 [6]e) ·

  8. H

    1573

  9. I

    1574f)

  10. J

    1 · 5 · 8 · 3g)

  11. K

    1607

  12. L

    1 · 7 · 5 · 6 ·

Wappen:
Oben rechts: Pfalz, oben links: Bayern, unten: leer.3)
Kurpfalz.

Kommentar

Die Inschriften sind die einzige Quelle, welche die verschiedenen Baumaßnahmen an der Burg dokumentieren.4) Herchenröder gibt mehr Jahreszahlen als die hier edierten an, doch ist es auffällig, daß seine Angaben sich außer bei (E), (F), (H) und (K) nicht mit dem autopsierten Befund decken.5) Problematisch ist auch der Quellenwert der von Herchenröder überlieferten Inschrift (A). So bleibt die Bedeutung des nach der Jahreszahl angegebenen io unklar. Möglicherweise hat Herchenröder die Jahreszahl verlesen und den Übergang zum Heiligenkalender nicht erkannt. Es wäre hier eine Wendung wie in festo oder in die oder die Angabe des Wochentages vor oder nach dem Fest zu erwarten. Auffällig ist zudem, daß Maria nicht im Genitiv steht. Auch die Jahreszahl wird von Herchenröder nicht eindeutig überliefert. Während der edierte Text der Inschrift am Bandhaus das Jahr 1413 ergibt, erwähnt Herchenröder in seiner Beschreibung, daß für einen Bauabschnitt des Bandhauses das Jahr 1463 (!) inschriftlich gesichert sei.6) Es bleibt fraglich, ob bei der Wiedergabe der römischen Zahlzeichen der Inschrift ein l vergessen wurde oder ob die Jahreszahl 1463 auf einem Druckfehler beruht.

Textkritischer Apparat

  1. Sic! Vgl. den Kommentar.
  2. So für 1502; 1511 Bronner 13; Herchenröder 236; Dehio; die Schreibweise wurde wohl gewählt, um das Problem der Darstellung der 0 zu umgehen.
  3. So für 1504; 1511 Herchenröder.
  4. 1543 Bronner 13; Herchenröder 236; Dehio.
  5. 1540 Herchenröder; der obere Teil der beiden letzten Ziffern ist abgeplatzt. Die 4 ist seitenverkehrt; statt 6 ist auch 8 möglich.
  6. 1573 Bronner 17; Herchenröder 238.
  7. 1587 Herchenröder 238.

Anmerkungen

  1. Da das Fest nicht genannt ist, handelt es sich vermutlich um Mariä Himmelfahrt, vgl. Grotefend, Zeitrechnung I 64 (Frauentag).
  2. Die Inschrift bezieht sich auf Pfalzgraf Ludwig V., Kurfürst von 1508 – 1544, der die Festung erst 1521 zurückerhielt, nachdem sie 1504 von Landgraf Wilhelm II. in Besitz genommen worden war, vgl. Henkelmann, Geschichte 246 und Schaab, Kurpfalz II 15 f. Aus diesem Grund kann die heute unter der Inschrift vermauerte Jahreszahl (F) nicht zu (E) gehören.
  3. Drei Wappenschilde, 2:1 gestellt, die beiden oberen nach innen gelehnt.
  4. Zur Besitzgeschichte vgl. Müller, Ortsnamenbuch 553 f.; Herchenröder 234.
  5. Herchenröder 238: „Auf Quadern bzw. auf den Erkern die Jahreszahlen 1511, 1518, 1540, 1552, 1573, 1587, 1607, vom Eingang über Westen nach Süden gelesen“.
  6. Herchenröder 234 f.

Nachweise

  1. Bronner, Odenwaldburgen I 13 u. 17.
  2. Herchenröder, Kdm. 235 u. 238.
  3. Dehio, Hessen 412.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 23(†) (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0002301.