Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 10 Jugenheim, Klosterruine Heiligenberg 1368

Beschreibung

Grabplatte des Conrad von Weinsberg. Die im Kloster aufgefundene Platte aus rotem Sandstein ist heute innen an der Südwand des Langhauses angebracht. Die Inschrift, deren Beginn durch ein Andreaskreuz gekennzeichnet ist, läuft auf dem Rand zwischen Linien um. Im eingetieften Feld befindet sich ein reliefiertes Vollwappen. Als Worttrenner dienen Quadrangeln.

Maße: H. 145, B. 74, Bu. 5 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 49, Nr. 10 - Jugenheim, Klosterruine Heiligenberg - 1368

 Dr. Anneliese Seeliger-Zeiss, Heidelberg [1/2]

  1. + ANNO · D(OMI)NI · Mo / · CCCo · LXo · OCTAUO · IN · DIE · IA/COBI · AP(OSTO)LI · O(BIIT) · NO/BILIS · CONRAD(US) · DE · WINSB(ER)G · PUER

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1368, am Tag des Apostels Jakobus (25. Juli) starb der edle Knabe Conrad von Weinsberg.

Wappen:
Weinsberg-Breuberg.1)

Kommentar

Das stets pseudounziale A weist in ANNO und in OCTAUO eine verdoppelte linke Haste auf. C, E, M, U und X sind durch Abschlußstriche geschlossen. Beim L ist der Balkensporn bis über die Mitte der Haste hochgezogen. Die Bögen von B, G, N, O und T sind in ihrem Scheitel dreiecksförmig verdickt. Conrad war ein Sohn Conrads VI. von Weinsberg-Breuberg und einer unbekannten Mutter.2) Bei den Ausgrabungen fand man auf der Nordseite der Klosterkirche ein Grab mit einem kleinen Sarg und darin den Schädel eines Jugendlichen. Zeller geht davon aus, daß es sich dabei um die Überreste des Conrad von Weinsberg handelt, da zu den Abmessungen des Grabes auch die kleinen Abmessungen der Grabplatte und zu dem Schädel eines Jugendlichen die Bezeichnung Conrads als PUER passen.3)

Anmerkungen

  1. Als Beizeichen ein Vogel zwischen den drei Schildchen.
  2. Möller, Stammtafeln AF I 48 mit Taf. XIX; danach heiratete Conrad 1365 Margarete Schenk von Erbach, die aber vermutlich nicht die Mutter des in der Inschrift genannten Conrads ist, da in dem Grab die Überreste eines Jugendlichen und nicht die eines kleinen Kindes gefunden wurden, vgl. dazu oben im Kommentar mit Anm. 3.
  3. Zeller, Ausgrabungen 66 f.

Nachweise

  1. Scheins, Bauwerke 7.
  2. Zeller, Ausgrabungen 64 mit Abb. 8.
  3. Dammann, Kdm. 155, mit Abb. 141.
  4. Möller, Stammtafeln AF I 48.
  5. Kunz, Jugenheim 44 mit Abb. 14.
  6. Seeliger-Zeiss, Grabmal 262 mit Abb. 5.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 10 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0001006.