Inschriftenkatalog: Stadt Darmstadt und Landkreise Darmstadt-Dieburg sowie Groß-Gerau

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 49: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau (1999)

Nr. 6 Wolfskehlen, Evangelische Kirche 1330

Beschreibung

Fragment der Grabplatte Elisabeths von Wolfskehlen. Die Platte aus rotem Sandstein steht heute im Vorraum des Kircheneingangs. Die Inschrift läuft auf dem Rand zwischen Linien um und geht dann oben im Feld in kleinerer Schrift in die zweite Zeile über. Das übrige Feld nimmt die eingeritzte Darstellung der Verstorbenen ein, die unter einem Spitzbogen steht und in beiden Händen je einen Wappenschild hält. Der untere Teil der Platte ist abgebrochen und verloren. Als Worttrenner wurden Punkte verwendet.

Maße: H. 136, B. 94, Bu. 5,5–11 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 49, Nr. 6 - Wolfskehlen, Evangelische Kirche - 1330

 Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz (Thomas G. Tempel) [1/2]

  1. + ANNO · D(OMI)NI · Mo / · CCCo · XXXo · IIo · K(A)L(ENDAS)a) · MARC[II . . . / . . . / . . .]T · VXOR · NICOLAI · DE // WOLVISKELN ·

Übersetzung:

Im Jahre des Herrn 1330, am 2. Tag vor den Kalenden des März (28. Februar)1) (starb Elisabeth), die Frau des Nikolaus von Wolfskehlen.

Wappen:
unbekannt;2) Wolfskehlen.3)

Kommentar

Die Buchstaben zeigen deutliche Hastenverbreiterungen und Bogenschwellungen. Das A ist stets pseudounzial, C, E und unziales M sind durch kräftige Abschlußstriche geschlossen, und der Balkensporn des L ist bis über die halbe Höhe der Haste hochgezogen.

Durch die Verstümmelung der Grabplatte ist von dem Namen der Verstorbenen nur der letzte Buchstabe erhalten geblieben, doch ist sie durch die Nennung ihres Ehemannes Nikolaus von Wolfskehlen identifizierbar. Nikolaus, ein Sohn Alberts von Wolfskehlen, ist von 1276 bis 1283 urkundlich belegt. Er war mit einer Elisabeth verheiratet, die 1316 als Witwe bezeichnet wird und um deren Grabplatte es sich folglich handeln muß.4) Unbekannt ist jedoch, welcher Familie Elisabeth entstammte, da sich ihr Wappen nicht identifizieren läßt. Da es sich aber auf der linken Seite der Platte, also der vornehmeren, heraldisch rechten Seite, befindet, dürfte Elisabeth einer Familie angehört haben, die von der Herkunft über den von Wolfskehlen stand.5) Diese waren vermutlich ehemalige Reichsministerialen, die über ausgedehnten Grundbesitz in der Gegend um Wolfskehlen verfügten.6)

Textkritischer Apparat

  1. Möglich wäre allerdings auch die Auflösung zu K(A)L(ENDIS), wenn man die beiden vorausgehenden römischen Ziffern nicht auf die Tagesdatierung, sondern auf das Jahr bezieht.

Anmerkungen

  1. Oder: 1332, an den Kalenden des März (1. März).
  2. Ein Balken.
  3. Ein Frauenarm mit Beigewand, die Hand eine Rose haltend.
  4. Möller, Stammtafeln AF I, Taf. XXXXII.
  5. Dasselbe Phänomen läßt sich auf der Grabplatte der Katharina Gräfin von Homburg beobachten, die mit Ritter Antilmann von Graseweg verheiratet war, vgl. DI 34 (Lkr. Bad Kreuznach) Nr. 70 mit Abb. 47; auch auf der Tumbenplatte für Hans V. von Hirschhorn, der mit Iland Wild- und Rheingräfin zu Dhaun verheiratet war, ist ihr Wappen auf der linken Seite angebracht, vgl. DI 38 (Lkr. Bergstraße) Nr. 50 mit Abb. 34.
  6. Möller, Stammtafeln AF I 118.

Zitierhinweis:
DI 49, Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Nr. 6 (Sebastian Scholz), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di049mz06k0000602.