Die textilen Inschriften der Stadt Bamberg

1. Vorwort, Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

1.1 Vorwort

Die Stadt Bamberg verfügt über einen einzigartigen Schatz an beschrifteten historischen Textilien. Auf diesen Bestand machte Dr. Renate Baumgärtel-Fleischmann, Diözesanmuseum Bamberg, die Kommission für die Herausgabe der deutschen Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit aufmerksam, als sie die Bearbeitung nach dem Tod von Prof. Dr. Rudolf Michael Kloos übernahm. Die Kommission beschloss daher – abweichend von ihren damaligen Usancen – zumindest die Textilien des Domschatzes in die Bearbeitung der Bamberger Inschriften aufzunehmen. Durch ihre starke berufliche Beanspruchung konnte eine Fertigstellung des Teilbandes Bamberg Dom von Frau Dr. Baumgärtel-Fleischmann nicht erreicht werden. Nach ihrem Tod fiel das Manuskript an die Inschriftenkommission zurück. Bei der Weiterarbeit an den Bamberger Beständen fanden sich zahlreiche weitere Textilien im Bereich der Stadt. Vorarbeiten für den Dombestand durch Frau Dr. Tanja Kohwagner-Nikolai führten zu dem Ergebnis, dass die Bearbeitung der sog. Kaisermäntel den Umfang eines DI-Artikels bei weitem sprengen würde. Es gelang der Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit dem Diözesanmuseum und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften für die Bearbeitung ein Forschungsprojekt der DFG einzuwerben. Ihm bleibt die Erforschung der sog. Kaisermäntel nunmehr vorbehalten.

Die in Bamberg neben diesen hochrangigen Stücken aufgefundenen Textilien – verwiesen sei hier nur auf die einzigartige Objektgruppe der Fürhangtücher – stellen ebenfalls eine wichtige und kaum je an einem anderen Ort erhaltene Menge an inschriftlichen Quellen in diesem Material dar. Es scheint deshalb geboten die bereits gewonnen Forschungsergebnisse über den vielfältigen Bestand möglichst bald der Forschung zur Verfügung zu stellen.

Die Kommission ist Frau Dr. Tanja Kohwagner-Nikolai zu Dank verpflichtet, dass sie ihre große Sachkenntnis, diesen so oft vergessenen Inschriftenträgern gewidmet hat. Frau Dr. Christine Steininger und Frau Dr. Ramona Baltolu sei für ihre Hilfe bei der Redaktion gedankt. Dank für Hilfe geht an Domkapitular Dr. Norbert Jung, Domstift Bamberg, Dr. Holger Kempkens, Diözesanmuseum Bamberg, Dr. Matthias Exner, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Frau Dr. Anja Kregeloh sowie ihre Kolleginnen und Kollegen in der Textilrestaurierung, dem Historischen Archiv und der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg, den Mitarbeiterinnen des Restaurierungsateliers für Textilien am Bayerischen Nationalmuseum München, Frau Dr. Eva Schurr und den Mitarbeiterinnen der Museen der Stadt Bamberg, Dr. Franz Bornschlegel und Prof. Dr. Peter Zahn, Inschriftenkommission München. Zu danken ist auch Frau Dr. Kathrin Müller, Kommission für Semitische Philologie der BAdW, Frau Dr. Reingard Neumann, Greven, und Frau Dr. Isabelle Dolezalek, Freie Universität Berlin, sowie zahlreichen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bereich der Semitischen Philologie und der Islamischen Kunstgeschichte für ihre vielfältige Hilfe. Last not least geht der Dank an Frau Sibylle Ruß für die kollegiale Zusammenarbeit, ihre stete Bereitschaft zur Hilfe und zur wissenschaftlichen Diskussion. Ohne ihre Unterstützung wäre der Zugang zu den oft fragilen Objekten nicht möglich gewesen.

Walter Koch

1.2 Vorbemerkungen und Benutzungshinweise

Die vorliegende Edition enthält Inschriften auf textilen Trägern im Bereich der Stadt Bamberg aus dem Zeitraum bis 1650. Berücksichtigt werden sowohl die im Original erhaltenen als auch die nicht mehr original, sondern nur mehr in ungedruckten oder gedruckten Quellen sowie auf Fotos oder in Nachzeichnung überlieferten Inschriften. Die Edition folgt den Richtlinien des deutschen Inschriftenwerks, wie sie 1991 von Walter Koch für die Münchner Reihe zusammengestellt worden sind.

Ausgeschlossen sind die Inschriften der drei sog. Kaisermäntel (Sternenmantel Kaiser Heinrichs II., blauer Kunigundenmantel und Chormantel der Hl. Kunigunde) sowie des Bamberger Rationales. Ihre Bearbeitung ist einem gesonderten Forschungsprojekt vorbehalten1).

Ansonsten wurde Vollständigkeit der Erfassung soweit als möglich angestrebt. Objekte mit heute völlig zerstörten und nirgends überlieferten Inschriften sowie Nachrichten über verlorene Inskriptionen ohne Textüberlieferung wurden nicht berücksichtigt.

Die Inschriften werden im Katalogteil in chronologischer Folge geboten. Ihre Präsentation erfolgt nach einem einheitlichen Schema.

Die Kopfzeile gibt links die laufende Nummer im Rahmen der Edition an. Ein lateinisches Kreuz neben der Zahl kennzeichnet nicht mehr im Original erhaltene Inschriften. In der Mitte der Kopfzeile ist der heutige bzw. der letzte bekannte Aufbewahrungsort des Inschriftenträgers angegeben. Am rechten Ende der Kopfzeile steht die Datierung. Sie ist nach Möglichkeit dem Inschriftentext entnommen. Können Objekte nur einer bestimmten Zeitspanne zugeordnet werden, sind sie – gegebenenfalls mit Fragezeichen versehen – jeweils am Ende des ermittelten Zeitraumes eingeordnet.

In der auf die Kopfzeile folgenden Beschreibung finden sich zunächst die Bezeichnung des Inschriftentypus und die Nennung des Inschriftenträgers sowie gegebenenfalls von Personen, denen er zugeordnet werden kann, ferner die präzise Angabe des Aufbewahrungsorts, Hinweise auf frühere Aufbewahrungsorte, eine Kurzbeschreibung des Inschriftenträgers mit Bemerkungen zu Material, Anbringung der Inschrift und Erhaltungszustand des Werks. Stehen mehrere Inschriften auf einem Träger, so werden diese mit römischen Zahlzeichen bezeichnet. Die Beschreibung des Inschriftenträgers erfolgt vom Betrachter aus. Nur bei Wappenbeschreibungen wird nach den Regeln der Heraldik verfahren. Die Beschreibung schließt mit Maßangaben zu Inschriftenträger und Inschrift ab. Die Schrifthöhe ist nach dem Normalwert des Buchstaben N bzw. n angegeben. Erhebliche Schwankungen werden durch die Angabe der Extremwerte vermerkt. Die Angabe der Schriftart ist typisierend. Vor der Textedition kopial überlieferter Inschriften ist die maßgebliche Quelle genannt.

In der Textedition sind Zeilenumbrüche durch Schrägstrich gekennzeichnet. Doppelte Schrägstriche markieren die Unterbrechung des Textes oder seinen Übergang auf ein anderes Inschriftenfeld. Metrische oder gereimte Texte sind versweise geboten. Gekürzte Wörter sind in originalen Inschriften nach Möglichkeit zwischen runden Klammern aufgelöst, wobei das Kürzungszeichen selbst entfällt. Worttrenner sind durch Punkte in halber Höhe wiedergegeben und gegebenenfalls in Apparat oder Kommentar beschrieben. Darunter gesetzte Bögen kennzeichnen Nexus litterarum, Ligaturen und Bogenverbindungen. Erhaltene, aber in ihrer Lesung nicht ganz sichere Buchstaben sind unterpunktiert. Zur Kennzeichnung zerstörter Textteile dienen eckige Klammern. Ist eine Ergänzung nicht möglich, wird die ungefähre Anzahl der ausgefallenen Buchstaben durch Punkte innerhalb der Klammern wiedergegeben. Bei umfangreicheren oder in ihrer Dimension ungewissen Verlusten sind drei Gedankenstriche gesetzt.

An den Wortlaut der Inschrift schließt sich der textkritische Apparat, gegebenenfalls der Nachweis von Zitaten sowie die Übersetzung der fremdsprachigen Texte an. Es folgt die Benennung bekannter und unbekannter Wappen.

Der Kommentar enthält gegebenenfalls notwendige Hinweise zu Schrift, Sprache, Formular, kunsthistorischen Fragestellungen und zur chronologischen Einordnung, insbesondere aber Erläuterungen zu den genannten Personen und zum historischen Umfeld.

Es folgt ein Anmerkungsapparat, der Zitate aus der Literatur, Nachweise und ergänzende Erläuterungen zu Beschreibung und Kommentar sowie die Blasonierung unbekannter Wappen bietet. Abgeschlossen wird jede Katalognummer durch ein Literaturverzeichnis, das in chronologischer Folge Abschriften, Abdrucke sowie Abbildungen und wesentliche Arbeiten über die Inschrift nachweist.

  1. Eine Zusammenfassung des derzeitigen Forschungsstands bietet: Kdm NF OF IV, II, 1 (Teil 2) 1828-1835, 1841-1850. »