Santa Maria dell’Anima: Antikensammlung

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

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DIO 03: Santa Maria dell’Anima, Rom (2012)

A1, Nr. 1 Santa Maria dell’Anima, Innenhof (aus dem Antiquariat Pennelli am Campo de' Fiori) 2./1. Jh. v. Chr.

Beschreibung

Grabstele aus Tuffstein in Form einer kleinen Säule mit eckiger Basis für Gaius Orcuius1), die aus Cerveteri stammt, auf unbekannte Weise2) 1872 nach Rom in das Antiquariat Pennelli gelangte und dort von Dressel in Augenschein genommen wurde3). Im Innenhof der Anima blieb sie lange Zeit unentdeckt und man nahm an, dass sie verloren sei4).Wiederentdeckt wurde sie erst von Blumhofer 1990; wie er selbst schreibt durch Zufall bei seinen Recherchen zu seiner Arbeit über die etruskischen Cippi in Cerveteri. So ist in seinem Katalog für den hier nun vorliegenden Cippus zu lesen, dass Blumhofer ihn im Innenhof der Anima gefunden habe, aber auch schon damals keine Aussage über die Anschaffung dieser Inschrift gemacht werden konnte5) Hinter dem Namen des Verstorbenen sind deutlich und tief eingemeißelte Worttrenner in Form von Dreiecken zu erkennen. Ein Worttrenner vor Orcuius lässt sich nur noch aufgrund starker Verwitterung erahnen. Die Schrift verläuft ungleichmäßig in mittlerer Höhe der Säule.

Maße: H. 31, B. 12, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Scriptura actuaria.

etruskischer Cippus

 Dr. Eberhard J. Nikitsch [1/4]

  1. C(AIVS)a) • ORCVI(VS)6) • A(VLI) • F(ILIVS)

Übersetzung:

Gaius Orcuius, Sohn des Aulus.

Kommentar

Die Grabstele hat die Form einer kleinen Säule (Columella) und zeigt die typische Variante des etrurischen Cippus7), wie er auch aus der antiken Stadt Caere, dem heutigen Cerveteri, bekannt ist. Caere war von mehreren Grabanlagen umgeben8). Nach Blumhofer stammt der Cippus für C(AIVS) ORCVI(VS) aus der Nekropole Banditaccia. Die Zuordnung zu einem bestimmten Grabbau allerdings ist nicht mehr möglich9). Die Cippi wurden meist vor den Gräbern in sogenannte Einlasssteine eingesetzt, in denen mehrere Cippi Platz fanden. Ebenso wurden Beispiele dafür gefunden, dass sich Cippi in den Gräbern befanden.10) Die Datierung der Cippi beruht nach Blumhofer auf epigraphischen und prosopographischen Beobachtungen11), wonach sich für die vorliegende Inschrift der Zeitraum vom 2.bis zum 1. Jh. v. Chr. ergibt.12) Somit ist sie die einzige Inschrift der antiken Sammlung im Innenhof der Anima, die aus republikanischer Zeit stammt. Dressel gibt den Namen des Verstorbenen mit CORCVI(VS) wieder13), während Cristofani14) und Blumhofer15) die Lesung C(AIVS) ORCVI(VS) vertreten. Das häufige Formular auf den Columellae – bestehend aus abgekürztem praenomen und ausgeschriebenem nomen gentile – lässt die Annahme zu, dass auch hier mit dieser Form zu rechnen ist. Allerdings zeigt sich bei der Autopsie, dass im Vergleich zu den deutlich gemeißelten dreieckigen Worttrennern hinter CORCVI(VS) und hinter A(VLI) nur noch schwer der Worttrenner zu erkennen ist.

Textkritischer Apparat

  1. CORCVI(VS) Dressel.

Anmerkungen

  1. Zum Namen siehe unten.
  2. Bormann selbst berichtet, dass ihm nicht bekannt sei, wie die Inschrift nach Rom gelangte. Siehe CIL XI p.541 unten.
  3. CIL I² 1967 und CIL XI 3671a.
  4. CIL I² p.1061 und CIE 6283 nach Cristofani.
  5. BLUMHOFER, Cippi, S. 38, Nr. 24. Obwohl Blumhofer im Innenhof der Anima die Autopsie des Cippus durchgeführt hat, scheint er die anderen Inschriften nicht beachtet zu haben.
  6. Zu den Nominativen auf -i siehe KAIMIO, Nominative, passim.
  7. Zu den unterschiedlichen Ausführungen der Cippi siehe CIE p.401f. nach Cristofani. Anders dagegen bei BLUMHOFER, Cippi, S.1-3, der eine typologische Neuordnung vorlegt.
  8. Die Lage der antiken Stadt und die sie umgebenden Gräberstädte bei CIE p.399 und 402.
  9. BLUMHOFER, Cippi, S. 38, Nr. 24. Zu beachten sind allerdings die falschen Verweise zu CIL I, CIL XI und zum CIE. Dessenungeachtet stimmen die Konkordanzen zum CIE im Anhang wieder.
  10. BLUMHOFER, Cippi, S.133-147.
  11. BLUMHOFER, Cippi, S.103-126.
  12. BLUMHOFER, Cippi, S. 38, Nr. 24 und S. 113-118.
  13. CIL XI 3671a.
  14. CIE 6283.
  15. BLUMHOFER, Cippi, S. 38, Nr. 24.

Nachweise

  1. CIL I2 1967 (nach Abschrift von Dressel)
  2. CIL I2 p. 1054 et p. 1061
  3. CIL XI 3671a (nach Abschrift von Dressel)
  4. CIL XI p. 1343
  5. CIE 6283
  6. Blumhofer, Cippi S. 38, Nr. 24.

Zitierhinweis:
DIO 03, Santa Maria dell’Anima, Rom, A1, Nr. 1 (Paul Sebastian Moos), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio003r001a1000104.