Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 443 Boppard, Karmeliterkirche 1685

Beschreibung

Meßstiftung der Freifrau Antonetta von Landsberg. Profiliert gerahmte Tafel aus schwarzem Lahnmarmor, oben von sechs Wedeln umgebenes Wappen, darunter ovale Rollwerktafel mit zwölfzeiliger Inschrift. Gut erhalten.

Maße: H. 89, B. 71, Bu. 1,6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis (1. Zeile) und humanistische Minuskel.

Meßstiftung der Antonetta von Landsberg

 Heinz Straeter (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. GOTT VND DESSEN ALLERHEILIGSTEN / Mutter vnd Iungfrawen Mariae zu höchsten ehren / hat / Die hochwollgebohrne Freÿfraw Antonetta Wittib / von Landtsberg, Freÿin von vnd zu der Leÿen, Fraw zu / Erwitte, wöcklem, mehlem, völlinghausen, Brock vnd marck / Generalin vnd Landtrostin in Westphalen (et) c(etera) zu ihrer, / ihres abgelebten Herren vnd deren Erben seelen heill / eine ewige mees alle sambstag an diesem priuilegir=/ten Mutter=Gotts altar des heili- gen scapulirs, als sonderbahre patronin fundirt den 8 octo(bris) / 1 6 8 5

Wappen:
Landsberg/Leyen1)

Kommentar

Die in konventionellen Formen etwas unsicher ausgeführte humanistische Minuskel zeigt als Besonderheit durch Ligatur verbundene Buchstaben bei ct und st.

Jutta Antonetta2), die Stifterin der ewigen Messe an dem heute verlorenen Marienaltar3), wurde 1633 als Tochter des Hans Kaspar von der Leyen zu Gondorf und seiner zweiten Frau Anna Margareta von dem Bongart geboren. Seit 1654 mit Dietrich von Landsberg zu Erwitte in kinderloser Ehe verheiratet, zog sie sich nach dem 1683 eingetretenen Tod ihres Gatten vermutlich nach Boppard zurück, wo ihre ältere Schwester Eva Cordula Nonne im Kloster Marienberg war4). In den Jahren 1690 und 1713 erfolgten weitere Meßstiftungen5) durch weibliche Angehörige derer von der Leyen.

Anmerkungen

  1. Gespalten, vorn ein gegitterter Balken, hinten ein Pfahl.
  2. Vgl. zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF IV Taf. 41.
  3. Nach der in Archivium fol. 239-242 überlieferten Urkunde sollte die Stiftung von 200 Reichstalern "auf iährliche Pension angelegt" werden. - Der im Chor des Seitenschiffs stehende Altar wurde bei der Restaurierung der Kirche im Jahr 1845 entfernt und gegen den alten Hochaltar von St. Severus ausgetauscht; vgl. dazu Nolden 12 und Nr. 422.
  4. Vgl. Nr. 435.
  5. Vgl. dazu Kdm. 385f. mit Abb. 272f.

Nachweise

  1. Nolden, Karmeliterkirche 11.
  2. Schlad, Chronick 1, o. P.
  3. Rhein. Antiquarius II 5, 532.
  4. Martini, Carmel 303.
  5. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 126.
  6. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 384f.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 443 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0044303.