Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 434 Boppard, Städtisches Museum (aus Franziskanerinnen-Kloster St. Martin) 1680

Beschreibung

Grabplatte für zwei früh verstorbene Töchter des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rheinfels-Rotenburg. Die Platte befand sich ursprünglich auf dem Friedhof des Klosters, wo sie kurz vor 1880 "aufgegraben", anschließend in die Nordwand der Kirche eingemauert1) und erst nach 1988 an den heutigen Standort im Innenhof der ehemaligen Kurfürstlichen Burg verbracht wurde. Platte aus rotem Sandstein, oben reliefiertes, von fünf Helmen bekröntes Wappen, darunter Grabinschrift in mindestens acht Zeilen. Vor allem rechts und unten stark verwittert, die nur noch undeutlich zu erkennende Schrift schichtenweise abgeplatzt.

Erg. nach Kubach/Verbeek.

Maße: H. 105, B. 72, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Töchter des Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rheinfels-Rotenburg

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/1]

  1. SERENISSIMU[S] PRINCEPS WILLHELM[US]a) / HASSIAE LANDG[RA]VIUS SERENISS[IMA] / PRINCEPSb) CONIU(N)X [MAR]IA AN[N]A F[RANZISKA] / LANDGRAVIA NATA COMITISSA [DE LÖWEN/STEIN / C]HARISSIMIS PRINC[IBUS FILIABUS MARIAE / SOPHIAE] ERNESTINAE NATAE [- - - / - - -]2) EIUSDEM ANNOc) [- - - / - - - WILHELM]INAE [- - -]3)

Übersetzung:

Der erlauchte Fürst Wilhelm, Landgraf von Hessen, und die erlauchte Fürstin und Ehefrau, Landgräfin Maria Anna Franziska, geborene Gräfin von Löwenstein, (haben ihren) überaus teuren Töchtern, den Prinzessinnen Maria Sophia Ernestina (...) und Maria Amelia Wilhelmina (... diesen Stein gesetzt)4).

Wappen:
Hessen-Rheinfels5)

Kommentar

Bei den beiden Kindern6) handelt es sich um zwei von drei frühverstorbenen Töchtern des hessischen Landgrafen Wilhelm von Hessen-Rheinfels-Rotenburg aus seiner 1669 geschlossenen Ehe mit Maria Anna Franziska Gräfin zu Löwenstein-Wertheim. Als ältester Sohn des 1652 zum katholischen Glauben konvertierten, auf Rheinfels residierenden Landgrafen Ernst wählte er - wohl in Ermangelung eines geeigneten Ortes in St. Goar - das bereits von seinen Eltern wie auch von ihm und seiner Frau stark geförderte7) Franziskanerinnen-Kloster St. Martin in Boppard als Begräbnisstätte seiner Töchter. Ob er das Kloster zur Grablege seiner Familie ausersehen hatte, ist nicht ganz klar: Während seine bereits 1688 verstorbene Frau ebenfalls in St. Martin beigesetzt wurde, fand er selbst 1723 im hessischen Langenschwalbach seine letzte Ruhe.

Da Lehfeldt die heute nicht mehr lesbaren Jahreszahlen 1678 und 1680 als Todesjahre der beiden Prinzessinnen überliefert8) und Rutsch in seiner Paraphrase der Inschrift - wenn auch offensichtlich falsch bezogen - den "Grabstein" als am "2. Februar 1680 (von den Eltern) gewidmet"9) bezeichnet, dürften Grabplatte und Inschriften gleichzeitig noch im Jahr 1680 entstanden sein.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Sic! für PRINCIPISSA.
  3. Die bei Kubach/Verbeek und Kdm. dieser Stelle nachfolgende Jahreszahl 16(80) muß weiter unten gestanden und sich auf das Todesdatum der zweiten Tochter bezogen haben.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Rutsch, Boppard 76.
  2. Maria Sophia Ernestina wurde am 4. April 1678 auf Schloß Rheinfels geboren und verstarb am 8. April des gleichen Jahres; vgl. dazu Knetsch, Haus Brabant 257.
  3. Maria Amelia Wilhelmina wurde am 6. August 1679 in Langenschwalbach geboren und verstarb dort am 8. Februar 1680; vgl. dazu Knetsch, Haus Brabant 257.
  4. Da Rutsch, Boppard 76, in seiner Paraphrase der Inschrift an dieser Stelle das Wort "gewidmet" benutzt, dürfte der Text mit dieser oder einer ähnlichen Dedikationsformel abgeschlossen haben.
  5. Quadriert und mit Mittelschild (Hessen) belegt, 1. Hersfeld, 2. Ziegenhain, geteilt: oben Katzenelnbogen, unten Nidda, 4. geteilt: oben Diez, unten Schaumburg.
  6. Vgl. zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF I Taf. 101.
  7. Vgl. dazu und zum Folgenden Knetsch, Hessen-Rheinfels 9.
  8. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 580.
  9. Rutsch, Boppard 76.

Nachweise

  1. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 166.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 328.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 434 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0043404.