Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 419 St. Goar, Schloß Rheinfels nach 1670

Beschreibung

Zwei Quader mit Bauinschriften vom südlich des Halsgrabens von Rheinfels erbauten Fort Scharfeneck, seit 1971 in den damals errichteten Neubau des Schloßhotels einbezogen. Zwei über die Südwestecke des Hotels versetzte Quader aus Sandstein mit dem Namen des Forts (A) und der wohl zugehörigen fünfzeiligen Bau- und Spruchinschrift (B). Die Buchstaben dieser Inschrift wurden in neuerer Zeit schwarz gefaßt.

Maße: H. 37, B. 175 (A); H. 55, B. 120 (B); Bu. 24 (A), 7,5 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Bauinschrift

 Brunhild Escherich (GDKE Denkmalpflege) [1/2]

  1. A

    SCHARFFENECK

  2. B

    PRO / POSTERITATE / INCEPTUM ANNO 1657 / FINITUM ANNO 167〈. 〉a) / FORTITUDO MEA A DOMINO1)

Übersetzung:

Für die Nachwelt. Begonnen im Jahr 1657, beendet im Jahr 167(.). Meine Stärke kommt von Gott.

Kommentar

Bei der in monumentalen Buchstaben gehauenen Namensinschrift fällt die Gestaltung des K mit sich nicht berührenden Schrägschäften auf. Aufgrund der in beiden Inschriften übereinstimmenden Ausführung der Buchstaben A, R und S und auch der Verwendung desselben gelblichen Sandsteins dürfte an der zeitgleichen Entstehung beider Inschriften nicht zu zweifeln sein.

In der ehemaligen Vorburg2), die ab 1657 unter Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels zu der gegen die Stadt St. Goar hin gerichteten mächtigen Geschützstellung ausgebaut wurde, befanden sich zuvor Stallungen und verschiedene Fachwerkgebäude, darunter auch die Kanzlei. Neben der Sicherung der beiden äußeren Schloßtore diente das neuerbaute Fort Scharfeneck zur besseren Überwachung der Uferstraße bzw. des Verkehrs auf dem Rhein. Diese und andere Baumaßnahmen3) standen im Zusammenhang mit der Absicht des Landgrafen, Rheinfels zur stärksten und modernsten Festung des Reiches auszubauen.

Textkritischer Apparat

  1. MDCLXVII Grebel, 1667 Fischer. - Ungeklärt bleibt, ob ein Versehen des Steinmetzen vorliegt und die Zahl wirklich zu 1667 zu ergänzen ist oder ob vergessen wurde, die fehlende Ziffer nachzutragen, und somit das Fort Scharfeneck erst in den 70er Jahren (oder noch später) fertiggestellt wurde.

Anmerkungen

  1. Anspielung an verschiedene Bibelstellen, etwa Ps. 42,2 oder 117,14.
  2. Vgl. zum Folgenden Fischer, Rheinfels pass.
  3. Vgl. auch Nrr. 421 und 446.

Nachweise

  1. Grebel, Rheinfels 139.
  2. Fischer, Rheinfels 14.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 419 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0041902.