Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 402 Boppard, Städtisches Museum (aus St. Severus) 1662

Beschreibung

Grabplatte der Maria Christina Schütz. Ursprünglich wohl im Boden von St. Severus, wurde sie um 1840 zunächst auf den Alten Friedhof, dann um 1931 an den heutigen Standort im Innenhof der ehemaligen Kurfürstlichen Burg verbracht1). Große Platte aus porösem Basalt, unter einer geschweiften Arkade reliefiertes Brustbild der Verstorbenen mit Schleier und Rosenkranz in den gefalteten Händen, darunter Inschrift (A) in fünf Zeilen. In den oberen Ecken zwei mit Initialen (B, C) bezeichnete Wappenschilde. Links unten zu unbekannter Zeit angebrachte Numerierung (D). Inschrift stark abgetreten.

Maße: H. 199, B. 95, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Maria Christina Schütz

 Thomas G. Tempel (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. A

    ANNO 1662 DEN 22 / OCTOBERa) IST GESTORB/EN MARIA CHRI- STINA / SCHVTZENb) DER SEL / GOT GNAT

  2. B

    T(HOMAS) M(IES)

  3. C

    M(ARIA) S(CHVTZIN)

  4. D

    25c)

Wappen:
Thomas Mies2)Maria Schützin3)

Kommentar

Fehlende Worttrenner und die verbesserten Fehler entsprechen dem ungelenken Eindruck der flüchtig und dünnstrichig ausgeführten Kapitalis.

Bislang konnte die Verstorbene in keinen sinnvollen Zusammenhang mit der seit dem Ende des 16. Jahrhunderts in Boppard bezeugten Familie Schutz/Schütz4) gebracht werden. Interpretiert man jedoch das Wappen ihres Mannes als Metzgerbeil, wird man schnell fündig: Bei Maria Christina dürfte es sich um eine Tochter des Johannes Schütz aus dem benachbarten Oberspay handeln, seit etwa 1650 verheiratet mit Thomas Mies5), Bopparder Schöffe und Ratsherr sowie Metzger und Wirt im Gasthaus zum Hirsch. Trotz der ungelenken Ausführung spiegelt die figürliche Grabplatte den hohen sozialen Rang der Familie Mies wider, einer der ältesten und bedeutendsten Schöffenfamilien Boppards.

Textkritischer Apparat

  1. R korr. aus A.
  2. Z korr. aus E.
  3. Zahl auf dem Kopf stehend.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Einleitung Kap. 2.1.1.
  2. Linksgewendetes Beil, aus einem schwebenden Sturzsparren hervorwachsend, begleitet von den Initialen T M.
  3. Rechteckiges Schlagholz ("Wäscheplätscher") mit unten nach rechts gewendetem Stiel, begleitet von den Initialen M S.
  4. So Frauenberger, Bürgerbuch 1, 734f.
  5. Vgl. dazu Frauenberger, Bürgerbuch 1, 533.

Nachweise

  1. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 215f.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 424.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 402 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0040207.