Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 400 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1662

Beschreibung

Epitaph des landgräflich-hessischen Amtmanns Johann Conrad Nordeck, mit Eisenklammern an der Ostwand der westlichen Seitenkapelle im nördlichen Seitenschiff befestigt. Hochrechteckige Tafel aus Schiefer mit 13zeiliger Inschrift. Gut erhalten, Wappen sowie ein möglicher Rahmen mit Zierarchitektur fehlen.

Maße: H. 83, B. 58,5, Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Epitaph des Johann Conrad Nordeck

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. AN(N)O 1662 · 14 · MARTŸ · / OBvTa) VIR PRAENOBILIS / ET STRENVVSb) IOANNES / CONRADVS NORDECVS / SERENISSIMI PRINCIPIS / HASSIACI WILHELMI / SEXTI / CAPITANEVS ET / PRAEFECTVS RESERVATO=/RVM IN COMITATV INFE=/RIORI CATZENELNBOGEN / QVI HIC CVM PATRE AVO / ET PROAVO NORDECIS IN PACE REQVIESCIT

Übersetzung:

Im Jahr 1662 am 14. März starb der wohledle und gestrenge Mann Johann Conrad Nordeck, Hauptmann des erlauchten hessischen Fürsten Wilhelm VI. und Reservaten-Amtmann in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen, der hier mit Vater, Großvater und Urgroßvater der Nordecks in Frieden ruht.

Kommentar

Die fast durchgehend mit leicht erhöhten Versalien versehene Kapitalis erweckt zum einen durch breite Spationierung, dreiecksförmig verbreiterte Serifen sowie Bogen- und Linksschrägenverstärkung klassizierende Formen nachzubilden, zeigt aber zum anderen zeittypische Formen wie A mit gebrochenem Balken und R mit stark geschwungener Cauda; außerdem sind Bögen nicht konsequent aus Kreisbögen gebildet und Serifen nicht regelmäßig ausgerichtet.

Die Familie Nordeck ist seit 1568 in St. Goar nachweisbar, als mit Friedrich Nordeck der (mutmaßliche) Urgroßvater des Verstorbenen das Amt des Kanzlers der damals neu geschaffenen Herrschaft Hessen-Rheinfels angetreten hatte. Während sich dessen monumentales Epitaph1) in St. Goar erhalten hat, sind die Grabdenkmäler seines ebenfalls inschriftlich erwähnten Großvaters und Vaters2) nicht mehr vorhanden. Johann Conrad Nordeck wurde von Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Kasssel als erster Kommissar des auf der Grundlage des Regensburger Rezesses von 1654 in St. Goar eingerichteten Reservatenkommissariats des Hauses Hessen-Kassel3) berufen und übte diese Funktion ab dem 1. Januar 1655 als bestallter Amtmann mit 100 Gulden Gehalt4) bis zu seinem Tode aus.

Textkritischer Apparat

  1. Sic!
  2. Über den beiden V jeweils ein kleiner schrägrechter Strich zur Kennzeichnung der Vokalität.

Anmerkungen

  1. Vgl. Nr. 247.
  2. Zahlreiche Mitglieder der Familie Nordeck sind im 17. und 18. Jahrhundert meist in landgräflich-hessischen Diensten in St. Goar nachweisbar, ohne daß bislang die verwandtschaftlichen Beziehungen genealogisch geklärt worden sind; vgl. dazu die Hinweise bei Grebel, St. Goar 70f. und Sponheimer, Niedergrafschaft 221 (Register).
  3. Vgl. dazu Grebel, St. Goar 130ff. und Sponheimer, Niedergrafschaft 173f. bzw. 214. - Da seit 1649 durch Landgraf Ernst von Hessen-Rheinfels-Rotenburg eine neue (zudem katholische) Linie des Hauses Hessen begründet worden war (vgl. dazu Europ. Stammtafeln (1999) I,2 Taf. 241 und 147), gewisse Hoheitsrechte in der Niedergrafschaft Katzenelnbogen aber weiterhin dem Haus Hessen-Kassel zustanden, wachte ein zu St. Goar residierender kasselischer Kommissar (bzw. Amtmann) darüber, daß die Rheinfelser Behörden diese (reservierten) Rechte beachteten.
  4. So Heldmann, Diözese 125.

Nachweise

  1. Ensgraber, Chronik 206.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 400 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0040001.