Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 396 St. Goar, Kath. Pfarrkirche 1658

Beschreibung

Glocke des Meisters Nikolaus von Unckel. Noch 1974 im Glockenturm nachgewiesen, wurde sie vermutlich wegen des "schlechten Klang(s)"1) abgenommen und in der Taufkapelle aufgestellt. Gut erhaltene, kleine Glocke mit einzeiliger Umschrift zwischen Rundstegen, beidseitig begleitet von einem breiten stilisierten Blütenfries.

Maße: H. 46, D. 54, Bu. 1,8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Glocke

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/2]

  1. · SANCTE GOAR ET SANCTA ELISABETA ORATE PRO NOBIS ANNO DOMINI 1658

Übersetzung:

Heiliger Goar und heilige Elisabeth bittet für uns. - Im Jahr des Herrn 1658.

Kommentar

Die bislang unbeachtete Glocke kann aufgrund des charakteristischen Barockfrieses dem Kölner Meister Nikolaus von Unckel zugewiesen werden, dessen bekanntes Werk zwischen 1627 und 1662 29 Glocken umfaßt2).

Da im Gefolge der am 6. Januar 1652 vollzogenen Konversion des Landgrafen Ernst von Hessen-Rheinfels3) eine katholische Gemeinde in St. Goar entstanden war, wurde ab 1654 vor den Toren der Stadt mit der Planung zum Bau einer katholischen Kirche begonnen, die 1657 fundamentiert und bereits 1660 geweiht werden konnte. Ein benachbarter Torturm der Stadtmauer diente der kleinen barocken Kirche als Glockenturm. Vermutlich wurde die Glocke abgenommen, als man die Kirche abriß und 1889/91 den heutigen Neubau errichtete. Die Inschrift wendet sich mit der Anrufung an den hl. Goar an den namengebenden Patron der Stadt, mit der an Elisabeth an die bedeutendste hessische Heilige des Mittelalters und versucht so, traditionsbildend an vorreformatorische Strukturen4) anzuknüpfen.

Anmerkungen

  1. So Eiser, Pfarrkirche 54.
  2. Freundliche Mitteilung von Herrn Jörg Poettgen, Overath, vom 15. Januar 2003, mit Hinweis auf seine in Arbeit befindliche Monographie "Kölner Glockengießer aus sieben Jahrhunderten - ihre Werkstätten und ihre Bedeutung (geplanter Erscheinungstermin 2004).
  3. Vgl. dazu und zum Folgenden Kratz, Landgraf Ernst 14-24 sowie Spennemann-Weber-Haupt, St. Goar 14.
  4. Im gleichen Jahr wurde die Deckplatte der Tumba des Heiligen aus der Krypta der ehemaligen Stiftskirche in die neue katholische Kirche überführt und aufgestellt; vgl. dazu die vorhergehende Nr. - Beide Denkmäler gehören zu den wenigen erhaltenen Stücken der ehemaligen Ausstattung der katholischen Kirche.

Nachweise

  1. BAT, Abt. B III, Nr. 10,11, Bd. 2, fol. 73r (freundlicher Hinweis meines Kollegen Dr. Rüdiger Fuchs).

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 396 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0039600.