Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 393 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1655

Beschreibung

Grabplatte des landgräflich-hessischen Zollbesehers Welcker, im Boden des ersten Obergeschosses des nördlichen Chorflankenturms als Spolie wiederverwendet. Schmale Platte aus Schiefer, obere Hälfte unbeschriftet, darunter gestaffelte Inschrift in sieben Zeilen. Die schmucklose Platte ist an den Längsseiten geringfügig abgewittert bzw. beschnitten.

Maße: H. 137, B. 67, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte NN. Welcker

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/1]

  1. HERRN · BESEHER / WELCKERS · BEGR[E]/BNÜS · IST GESTORBEN / ANNO 1655 · / SEINES ALTERS / 73 IAHR ·

Kommentar

Die in auffällig großen Buchstaben gehauene Kapitalis zeigt mit dem geschwungenen Schrägschaft bei N und der Verwendung des U für V zeittypische Besonderheiten. Für I, J und die Ziffer 1 wird das gleiche Zeichen verwendet: ein erhöhter gebogener Schaft mit einem kleinen Dreieck als überschriebenem i-Punkt. Als Worttrenner dienen große Quadrangeln.

Der einer im 16. und 17. Jahrhundert gut bezeugten St. Goarer Familie1) angehörende, sonst unbekannte Verstorbene wurde laut Inschrift 1581/1582 geboren. Er fungierte als Beseher2) am landgräflich-hessischen Zoll zu St. Goar, hatte also die Angaben der Schiffer über die zu verzollenden Waren zu überprüfen. Der einfache Text seines schlichten Grabdenkmals weicht von dem üblicher Grabplatten ab und erinnert eher an den einer Gruftplatte.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Demandt, Rheinzollerbe 3, Reg. und Grebel, Chronik 170f.
  2. Vgl. zu diesem neben dem des Zollschreibers verantwortungsvollsten Amt ausführlich ebd. 63f.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 393 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0039303.