Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 386 Boppard, Sandtor (Rheinallee) zw. 1638 und 1652

Beschreibung

Grabplatte der Anna Lorbecher. Ursprünglich wohl in der Karmeliterkirche, seit unbekannter Zeit an der stadtseitigen Wand des Sandtors befestigt. Große Platte aus Basalt mit Umschrift (A) zwischen Linien, im Feld oben nahezu unkenntliches Wappen in einer Rollwerkkartusche, darunter vermutlich unbeschriftete Rollwerktafel mit zu unbekannter Zeit angebrachter Numerierung (B). Stark abgetreten und verwittert, dadurch erheblicher Schriftverlust.

Maße: H. 215, B. 103, Bu. 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Anna Lorbecher

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/1]

  1. A

    ANNO 16[.. ...] 19 FEB(RVARII)a) STARB / DIE VIEL EHREN VND DVGENTREICHE FRAVE ANNA / LORBACHERINb) WEILANDT / HERRN IOHANNIS MERTLOCHS [N]ACHGE[LASSEN]E [WI]TTIB D(ER) S(ELEN) G(OT) G(ENEDIG) A(MEN)

  2. B

    13c)

Wappen:
unkenntlich1)

Kommentar

Die der bekannten kurtrierischen Beamtenfamilie Lorbecher2) zugehörige Verstorbene war spätestens seit 1592 mit dem Bopparder Schöffen, Ratsherrn und Baumeister Johannes Mertloch3) verheiratet. Anna hatte mit ihrem 1638 verstorbenen Mann neun Kinder, darunter die 1649 verstorbene Tochter Gertrud. Da Ehemann und Tochter in der Karmeliterkirche bestattet wurden4), ist davon auszugehen, daß auch Anna dort begraben wurde. Aus der im Jahr 1652 zu Ehren ihrer Eltern erfolgten Altarstiftung5) der verbliebenen Kinder des Ehepaars, ist anzunehmen, daß Anna kurz zuvor in hohem Alter verstorben ist.

Textkritischer Apparat

  1. Datumszeile fehlt bei Kdm.
  2. LODBACH Kdm.
  3. Zahl auf dem Kopf stehend.

Anmerkungen

  1. Mit Mühe ist vielleicht noch ein pilzförmiger Gegenstand zu erkennen. Da das Wappen aber nicht mit dem auf dem Oberweseler Lorbecher-Epitaph (vgl. folgende Anm.) übereinstimmt, dürfte es sich um das Wappen Mertloch gehandelt haben.
  2. Vgl. dazu den Hinweis zur Familie bei Hensler, Wiederherstellung 64 sowie Nr. 273 mit dem von Caspar Lorbecher für seine verstorbene Frau Wilhelma gestiftete Epitaph in Oberwesel. - Unklar bleibt die verwandtschaftliche Beziehung dieses ebenfalls aus Boppard stammenden Ehepaars zur Verstorbenen. Falls seine Eheschließung weit vor dem bislang bezeugten Datum "vor 1597" lag, könnte die Verstorbene mit seiner 1623 als Patin genannten Tochter Anna zu identifizieren sein; vgl. dazu Schaaf, Bürgerbuch Oberwesel 1140.
  3. Vgl. dazu Frauenberger, Bürgerbuch 1, 521.
  4. Vgl. Nrr. 368 und 378.
  5. Vgl. die folgende Nr.

Nachweise

  1. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 462.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 386 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0038609.