Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 377 Boppard, Städtisches Museum (aus Kl. Marienberg) 1649

Beschreibung

Grabplatte für die Nonne und Sangmeisterin Amelia von der Leyen. Ursprünglich im Benediktinerinnen-Kloster Marienberg, seit unbekannter Zeit am heutigen Standort im Innenhof der ehemaligen Kurfürstlichen Burg. Große Platte aus porösem Basalt mit Umschrift (A) zwischen Linien, im Feld oben und unten je zwei Wappennamen (B, C), die zugehörigen Wappen fehlen1). Teilweise abgetreten, sonst gut erhalten.

Maße: H. 200, B. 97, Bu. 6-7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Amelie von der Leyen

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/1]

  1. A

    A(NN)Oa) 1649b) · 20 · SEPTEM(BRIS) · OBYT / RELIGIO(SA) · AC · PRAENOB(ILIS) · VIRGO · AMELIA · V(ON) · / DER · LEYEN · P(RO)FESSA · / ET · CANTRIX · REQ(VIESCAT) · I(N) · S(ANCTA) · P(ACE) · AET(ATIS) [..] · PROF(ESSIONIS) · 32 ·

  2. B

    [V(ON) D(ER) LEY]EN · SCILLNGc)

  3. C

    WALDPOTT · STAFFEL

Übersetzung:

Im Jahr 1649 am 20. September starb die fromme und wohledle Jungfrau Amelia von der Leyen, Nonne und Sangmeisterin, im Alter von (..) Jahren, im 32. Jahr der Ablegung ihres Gelübdes.

Wappen:
nicht ausgeführt

Kommentar

Die dünn eingehauene Kapitalis zeigt A durchgehend mit geknicktem Balken sowie Q mit kleinem Bogen und gerade ansetzender Cauda. Kürzungszeichen fehlen, als Worttrenner dienen große Quadrangeln.

Amelia war das jüngste von drei Kindern aus der 1604 geschlossenen zweiten Ehe Georgs IV. von der Leyen zu Saffig2) mit Katharina Schilling von Lahnstein. Ihre Großmütter waren Amalia von Staffel und Anna Waldbott von Bassenheim. Aus der Angabe ihrer Profeß ergeben sich die Jahre 1617/1618 für ihren endgültigen Eintritt in das Benediktinerinnen-Kloster Marienberg. Da der Chorgesang für alle Nonnen verbindlich war, dürfte CANTRIX hier nicht in der allgemeinen Bedeutung 'Sängerin', vielmehr in der Bedeutung Vorsängerin oder Sangmeisterin zu verstehen sein. Über die zugehörige Orgel verfügte der Marienberger Konvent nachweislich erst seit 1647, die 1662 durch eine größere ersetzt wurde3). Erstaunlicherweise übte ihre 1650 in das Kloster eingetretene Nichte Eva Cordula4) die gleiche Funktion aus.

Textkritischer Apparat

  1. O klein hochgestellt.
  2. 4 korr. aus 6.
  3. Sic! für SCHILLING.

Anmerkungen

  1. Es lassen sich keine Anzeichen dafür erkennen, daß die Wappen jemals ausgeführt waren.
  2. Vgl. dazu und zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF IV Taf. 40 und 41, mit der offensichtlich falschen Todesangabe 1694.
  3. Vgl. dazu Rhein. Antiquarius II 5, 299f.
  4. Vgl. Nr. 435.

Nachweise

  1. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 423.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 377 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0037700.