Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 373 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1642

Beschreibung

Grabplatte des landgräflich-hessischen Oberamtmanns Dominicus Pors(ius). Wohl ursprünglich in der Pfarrkirche, dürfte die Platte während der dortigen Restaurierungsarbeiten nach 18431) entfernt und in die damalige Dechanei (das heutige Evang. Gemeindeamt in der Oberstraße) verbracht worden sein. Von dort versetzte man sie 1966 an die heutige Stelle innen an die Westwand der Turmhalle. Große Platte aus Basalt mit unbeschrifteten Leisten, im Feld oben Vollwappen im Lorbeerkranz, darunter gestaffelte Inschrift in 22 Zeilen.

Maße: H. 206, B. 100, Bu. 4-5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Dominicus Pors(ius)

 Brunhild Escherich [1/1]

  1. D(EO) O(PTIMO) // M(AXIMO) S(ACRVM) / HIC QVIESCIT / NOBILISS(IMI) ET STRENVI VIRIa) / D(OMI)NI DOMINICI PORSII / CONSIL(IARII) HASSIACI (ET) COMITAT(VS) / CATTIMEL(IBOCENSIS) AC DITION(IS) EPSTEIN / PRAEFECTI SVPREMI / BEATE EXANIMATVM / AC / OBSERVITIA IN VITA / DEO PIE / PRINCIPI FIDE / REIPVBL(ICAE) COMMODE / PRAESTITA / IMMORTALITATE DIGNVMb) / CORPVS / NATVM XII NOVEM(BRIS) A(NN)O MDLXXXVIII / DENATVM / IV APRIL(IS) A(NN)O MDCXLII / IN COELO INTER ELECTOS / GAVDENTE (ET) PLAVDENTE / ANIMA

Übersetzung:

Dem besten höchsten Gott geweiht! Hier ruht - der hervorragenden Unsterblichkeit würdig - der Leib des wohledlen und gestrengen Mannes, des Herrn Dominicus Porsius, hessischer Rat und Oberamtmann der Grafschaft Katzenelnbogen und der Herrschaft Eppstein, glücklich verstorben, im Leben stets bemüht, gegenüber Gott fromm, dem Fürsten treu, dem Gemeinwesen zum Nutzen. Geboren am 12. November im Jahr 1588, verstorben am 4. April im Jahr 1642. Seine sich freuende und triumphierende Seele (weilt) im Himmel unter den Auserwählten.

Wappen:
Pors(ius)2)

Kommentar

Die Kapitalis entspricht der auf der nahezu identisch gearbeiteten Grabplatte seiner Ehefrau.

Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt ernannte Dominicus Porsius3) 1629 zum Kriegskommissar der Niedergrafschaft Katzenelnbogen und zum Amtmann der Herrschaft Eppstein und 1632 auch zu Hohenstein; schließlich fungierte er seit 1638 bis zu seinem Tod als Oberamtmann der Niedergrafschaft Katzenelnbogen mit Sitz auf Schloß Rheinfels. Seiner gedruckt vorliegenden "Christliche(n) Leichpredigt"4) zufolge verstarb er am 4. April um 12 Uhr mittags zu Darmstadt, wurde dann nach St. Goar überführt und am 18. April in seinem "Schlaffkämmerlein" beigesetzt. Hierbei handelte es sich um eine kleine Grabkammer südwestlich der Treppe zum Choraufgang, in der vermutlich schon seine im Jahr zuvor verstorbene Frau Anna Elisabetha5) bestattet worden war. Ob die ausgesprochen schlichte Gestaltung seiner Grabplatte, die kaum seiner Stellung als ranghöchster Verwaltungsbeamter6) der Niedergrafschaft entsprochen haben dürfte, mit den Notzeiten des 30jährigen Krieges zusammenhängt, bleibt offen.

Textkritischer Apparat

  1. Die gesamte Zeile fehlt bei Ensgraber.
  2. Emmendiert aus DDIGNVM.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu und zum Folgenden Einleitung Kap. 2.1.9 und den Hinweis bei Grabplatten St. Goar 129.
  2. Geflügelter Pferderumpf aus einer Krone wachsend. - Offensichtlich besteht keine Verwandtschaft mit dem gleichnamigen hessischen Lehrer- und Pfarrergeschlecht, das drei Seeblätter im Dreipaß im Wappen führte; vgl. dazu Knodt, Wappenbuch 19 mit Taf. 29.
  3. Vgl. zum Folgenden Sponheimer, Niedergrafschaft 208 und 212 sowie Demandt, Rheinfels 449 und 513ff. - Die eigentlich zu Hessen-Kassel gehörende Niedergrafschaft befand sich von 1626 bis 1647 im Besitz der Landgrafen von Hessen-Darmstadt; vgl. dazu Demandt, Rheinfels 446ff.
  4. Freundlicher Hinweis von Herrn Alexander Ritter, Mainz.
  5. Vgl. die vorhergehende Nr.
  6. Vgl. dagegen Nr. 323 mit dem aufwendigen Epitaph eines seiner Vorgänger. - Die hohe Stellung von Pors zeigt sich auch in seiner mehrmaligen Verwendung als hessischer Gesandter bei Reisen nach Prag, Dresden und Pirna, an den französischen Königshof sowie an den kaiserlichen Hof nach Wien; vgl. dazu Demandt, Rheinfels 513f.

Nachweise

  1. Ensgraber, Chronik 215.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 373 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0037308.