Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 372 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1641

Beschreibung

Grabplatte der Anna Elisabetha Pors(ius) geb. Moltzan. Aufgefunden bei der Wiederherstellung des Fußbodens im Januar 19661), seitdem innen an der Westwand der Turmhalle befestigt. Große, nach unten hin leicht konisch zulaufende Platte aus Basalt mit unbeschrifteten Leisten, im Feld oben Vollwappen im Lorbeerkranz, darunter gestaffelte Inschrift in 19 Zeilen.

Maße: H. 204, B. 98 (oben), 91 (unten), Bu. 4 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Anna Elisabetha Pors(ius)

 Brunhild Escherich (ADW) [1/1]

  1. D(EO) O(PTIMO) // M(AXIMO) S(ACRVM) / NOBILISSIMA ET PIEN- TISS(IMA) FAEMINA / ANNA ELISABETHA / NATA NOBILISSIME / E MOLZANORVMa) IN MEGAPOL(I) FAMILIA / 2 · NOVEMBER A(NN)O MDCVIII / NVPTA DINGNISSIMEb) / NOBILISSIMO D(OMI)N(O) DO- MINICO PORSIO / CONSILIARIOc) HASSIACO (ET) COMITAT(VS) / CATTIMELIBOC(ENSIS) (ET) DITION(IS) EPSTEIN / PREFECTO SVPREMO / XXIV FEBRVAR(II) A(NN)O MDCXXXIX / MORTVA / BEATISSIME / SWALBACI I IVLII A(NN)O MDCXLI / AETATIS SVAE XXXIII / SPE RESVRECTIONIS ET VITAE / AETERNAE HIC PLACIDE / QVIESCIT

Übersetzung:

Dem besten höchsten Gott geweiht! Hier ruht in Frieden die hochedle und überaus fromme Frau Anna Elisabetha, hochedel geboren am 2. November im Jahr 1608 aus der Familie Moltzan in Mecklenburg, würdigst verheiratet mit dem hochedlen Herrn, Herrn Dominicus Porsius, dem hessischen Rat und Oberamtmann der Grafschaft Katzenenlnbogen und der Herrschaft Eppstein, seit dem 24. Februar 1639, seligst verstorben in Schwalbach am 1. Juli 1641 im Alter von 33 Jahren in der Hoffnung der Auferstehung und des ewigen Lebens.

Wappen:
Molz(an)2)

Kommentar

Außer den inschriftlich mitgeteilten Daten ist über die jung Verstorbene nichts bekannt. Vermutlich weilte sie zur Kur in dem zur damaligen Zeit weitbekannten, zu Hessen-Rheinfels gehörenden Badeort (Langen-)Schwalbach3) im Taunus und erlag dort einem unbekannten Leiden. Ihr auf Schloß Rheinfels über St. Goar residierender, bereits im folgenden Jahr verstorbener Ehemann4) erhielt eine nahezu identisch gearbeitete Grabplatte, vermutlich aus der gleichen unbekannten Werkstatt. Das Ehepaar dürfte in einer gemeinsamen Gruft begraben worden sein5).

Textkritischer Apparat

  1. Z dem L eingestellt. - SIMEEMOLZANORUM Ensgraber.
  2. Sic!
  3. I dem L klein eingestellt.

Anmerkungen

  1. Die Platte lag etwa 25 cm unterhalb des Fußbodens südwestlich der Treppen des Choraufgangs auf einem bruchsteingemauerten Grabgewölbe, in dem zwei belegte Holzsärge aufgefunden wurden; vgl. dazu Grabplatten St. Goar 129.
  2. Redend: Gespalten, vorne Maulbeertraube zwischen zwei Blättern; hinten: zwei linksgewendete Hasenrümpfe am Spalt.
  3. Das Ehepaar Pors(ius) scheint sich dort öfters zur Kur aufgehalten zu haben, bezeugt ist zumindest ein Aufenthalt des Ehemannes für das Jahr 1639; vgl. den Hinweis bei Demandt, Rheinfels 514.
  4. Vgl. die folgende Nr.
  5. Vgl. Anm. 1.

Nachweise

  1. Ensgraber, Chronik 216.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 372 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0037200.