Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 365 Boppard, Sandtor (Rheinallee) 1636, nach 1682

Beschreibung

Grabplatte der Anna Nol(erin) mit einer nach 1682 nachgetragenen Inschrift für Jacob Schneider. Ursprünglich wohl in St. Severus, seit unbekannter Zeit an der feldseitigen Wand des Sandtors befestigt. Große Platte aus Basalt mit Umschrift (A) zwischen Linien, im Feld oben zugehöriges (ehemals leeres?) Wappen im Lorbeerkranz, in das später sowohl das zur Inschrift (B) gehörige Wappen mit den fast verlöschten Initialen (C) eingehauen wurde, als auch weitere nicht zuzuordnende, schräg über die Schrift gesetzte Initialen (D). Unter dem Wappen Tafel mit der nachgetragenen Inschrift (B) in sieben (bzw. acht) Zeilen. Zwischen erster und dritter Zeile zu unbekannter Zeit angebrachte Numerierung (E), unter der Tafel weitere Numerierung (F). Gut erhalten.

Maße: H. 205, B. 101 (oben), 97 (unten), Bu. 6 (A), 5 (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Anna Nol(erin) mit nachgetragener Inschrift für Jacob Schneider

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/1]

  1. A

    A(NN)Oa) 1636 DE(N)b) 24 APRIL STARB / AN(N)A NOLERIN DESb) ERSAMEN GOTHART GEISLER KELLERS IM / HOSPITAL ALHŸ GEWESENEc) / EHLICHE HAVSFRAW DER SELENd) GOT GENEDIGe) SEIN · W(OLLE) · A(MEN) ·

  2. B

    ANNO 16〈..〉 DEN / 〈..... / ...〉 DER EHR/SAM IACOBVS SCH/NEIDER VON MV/HRSHVSEN GE/WESENER KEL/NER IM HOSPITAL

  3. C

    I(ACOBVS) S(CHNEIDER)

  4. D

    S M / A M S

  5. E

    34f)

  6. F

    36f)

Wappen:
Jacob Schneider?1)

Kommentar

Die Kapitalis der Umschrift ist im Gegensatz zur nachgetragenen Inschrift sehr sorgfältig ausgeführt und fällt durch zahlreiche Buchstabenverbindungen und Einstellungen auf.

Die sonst unbekannte Anna Nol(erin)2) war mit Gotthard Geisler verheiratet, der noch 1643 als Keller im Bopparder Hospital zum Heiligen Geist belegt ist3). Erstaunlich bleibt, daß nicht der Ehemann der Verstorbenen, sondern der Keller Jacob Schneider, ein offensichtlich nicht verwandter Amtskollege, die freigebliebene Tafel und das offenbar nicht ausgefüllte Wappen der Grabplatte für seine Zwecke nutzte. Da die Stelle bzw. die Zeilen für seine genauen Todesdaten freigelassen wurden, dürfte die Grabinschrift noch zu seinen Lebzeiten ausgeführt worden sein. Der aus Morshausen (Rhein-Hunsrück-Kreis) stammende, 1658 und nach 1660 als Keller am Hospital zum Heiligen Geist amtierende Schneider4) war zweimal verheiratet und ist noch 1682 als Pate belegt.

Die Bedeutung der nachgetragenen Initialen ist nicht bekannt.

Textkritischer Apparat

  1. O klein hochgestellt.
  2. E klein in D eingestellt.
  3. Erstes E klein in G eingestellt und mit dessen gerader Cauda ligiert.
  4. Zweites E klein in L eingestellt.
  5. Erstes E klein in G eingestellt und mit dessen gerader Cauda ligiert; I in D klein eingestellt.
  6. Zahl auf dem Kopf stehend.

Anmerkungen

  1. Ein gestürzter Anker, begleitet von den (gerade noch erkennbaren) Initialen I S.
  2. Ihre Zugehörigkeit zu der in Boppard seit Ende des 16. Jh. gut bezeugten Familie Noll(en) ist nicht eindeutig (vgl. dazu Frauenberger, Bürgerbuch 1, 603); sollte sie mit der am 4. August 1619 geborenen Anna Noll identisch sein, so wäre sie bereits im Alter von 17 Jahren verheiratet und verstorben gewesen.
  3. So Frauenberger, Bürgerbuch 1, 209. - Das Ende des 13. Jh. zur Beherbergung von Fremden und Obdachlosen gegründete Hospital wurde im 16. Jh. von zwei Hospitalmeistern geleitet, die eigentliche Geschäftsführung lag jedoch in den Händen eines Wirtschaftverwalters, des sog. Kell(n)ers; vgl. dazu Pauly, Beiträge 1, 127ff.
  4. Vgl. zu ihm ebd. 718.

Nachweise

  1. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 462f. mit Abb. 335.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 365 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0036507.