Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 352 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1631

Beschreibung

Grabplatte des landgräflich-hessischen Schultheißen Conrad von Hael gen. Schütz. Aufgefunden bei den Bauarbeiten der Jahre 1979-82, gegenwärtig an der Westwand des südlichen Seitenschiffs befestigt. Große Platte aus rotem Sandstein mit umlaufendem Bibelzitat (A) auf erhabener Leiste. Im Feld oben Rollwerktafel mit gestaffelter Grabinschrift (B) in 18 Zeilen, unten Rundmedaillon mit zwei durch Beischriften (C) bezeichneten Ehewappen, dabei ein geflügelter Puttokopf. Geringer Schriftverlust durch die leicht beschädigten Leisten.

Maße: H. 210, B. 113, Bu. 5,5 (A), 4 (B), 2,5 (C) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Conrad von Hael gen. Schütz

 Brunhild Escherich (ADW) [1/1]

  1. A

    HIOB AM 19 CAP(ITEL) (et) c(etera) ABER ICH WEIS DASSa) MEIN / ERLOSER LEBET VND ER WIRD MICH HERNACH AVS DER ERDEN AVFWECKEN VND / WERDE DANACH MIT DISER [MEINER] HAVT / [V]MBGEBEN WERDEN VND WERDE IN MEINEM FLEISCH GOTT SEHEN (et) c(etera)1)

  2. B

    A(NN)O .1.631. Am .9. MAŸ STARB SELIG / DER EHRNVEST VND MANHAFTE CONRAT / VON HAEL GENANT SCHÜTZ DER LETZTEb) / DIESES GESCHLECHTS GEWESNER FvRST(LICH) / HESSISCHER REISIGER SCHVLTHEIS DES / KIRCHSPIELS KEHMEL SEINES ALTERS IM 68 / IAHR VND IM 13 · IAHR SEINER SCHWACHHEIT / DES SCHLAGS DESSEN LEICHNAM VNDER / DIESEM GRABSTEIN /:c) WELCHEN SEIN TOCH=/TERMAN JOHAN JACOB NORDECK ZOLL=/SCHREIBER ALHIER JHME ZVR GEDECHT/NVS LEGEN LASSEN :d) RUHET, DEME GOTT / AN JENEM GROSEN TAGE EINE FROLICHE / AVFFERSTEHUNG VND UNS LE=/BENDEN EINE SELIGE / NACHFART GNEDIGLICH / VERLEYHEN WOLLE / AMEN

  3. C
    SCHÜTZb) VON / HAEL PLETZ 
Wappen:
Hael gen. Schütz2)Pletz

Kommentar

Die sorgfältig und in ausgewogenen Proportionen gehauene Kapitalis der Umschrift zeigt ausgeprägte Linksschrägenverstärkung, verbunden mit feinstrichigen Rechtsschrägen, die beim V gelegentlich verkürzt ausgeführt sind. Die in einfacher und kleinerer Schrift ausgeführte Grabinschrift weist weitere Besonderheiten auf: neben kapitalem auch zweibogiges E, in vier aufeinanderfolgenden Fällen eindeutige Schreibung von J statt dem bis dahin üblichen I und vor allem die verhältnismäßig frühe Verwendung des runden U statt V.

Conrad von Hael gen. Schütz3) amtierte von 1598 bis 1621 als Schultheiß des zu Hessen-Darmstadt gehörenden Ortes Kemel4) im Vordertaunus. Der sonst nicht weiter bezeugte Verstorbene war dem Wappen nach mit einer Angehörigen der in Oberwesel nachweisbaren Familie Pletz5) verheiratet. Ob er wegen seines Schlaganfalls dienstunfähig war und sich in die Obhut der Familie seiner vermutlich vor ihm verstorbenen Frau zurückgezogen hatte, bleibt offen. Jedenfalls läßt die Inschrift darauf schließen, daß das Ehepaar ohne (überlebende) männliche Nachkommen geblieben war und daß daher der mit einer Tochter der Verstorbenen verheiratete hessische Zollschreiber Johann Jacob Nordeck6) das Grabdenkmal für seinen Schwiegervater errichten ließ.

Textkritischer Apparat

  1. Zweites S klein nachgestellt.
  2. Z klein nachgestellt.
  3. Schrägrechter Strich mit Doppelpunkt zur Kennzeichnung des Beginns der Parenthese.
  4. Doppelpunkt mit schräglinkem Strich zur Kennzeichnung des Endes der Parenthese.

Anmerkungen

  1. Hiob 19,25f.
  2. Linksgewendet. Vogel auf Schlange; vgl. dazu Knodt, Wappenbuch Taf. 31.
  3. In den Quellen wird er offenbar nur als Konrad Schütz aufgeführt; vgl. dazu Sponheimer, Niedergrafschaft 213.
  4. Gem. Heidenrod, Rheingau-Taunus-Kreis; vgl. dazu Sante, Hessen 247.
  5. Vgl. Nrr. 217 und 231.
  6. Vgl. zur Familie Nr. 247.

Nachweise

  1. Ensgraber, Chronik 202.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 352 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0035206.