Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 346 Boppard, Karmeliterkirche 1628

Beschreibung

Grabplatte der Anna Schutz(in) von Zollferin. Noch 1886 im Boden des Mittelschiffs nachgewiesen1), ist sie heute an der Westwand der Kirche angebracht. Große Platte aus Basalt mit Umschrift (A) zwischen Linien, im leicht vertieften, perlstabgerahmten Feld oben Wappen der Verstorbenen im Lorbeerkranz, darunter Rollwerktafel mit dreizeiligem Spruch (B) und eingeritztem zweitem, von den Initialen (C) begleitetem Wappen. Leicht abgetreten mit kleineren Fehlstellen.

Maße: H. 206, B. 102, Bu. 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte der Anna Schutz von Zollferin

 Heinz Straeter (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. A

    A(NN)Oa) 1628 DEN · 13 · FEBRVARY / IST · IN · GOTT · ANDECHTIG · ENTSCHLAFFEN · DIE · EHRENTVEN/TRICHEb) · FRAVW · ANNA · SCHV/TZIN · VO(N) · ZOLLFER[I]Nc) · SCHVLTISIN · ZV · BOPPART · D(ER) · S(EELEN) · G(OT) · G(NADE) ·

  2. B

    O HER MEIN / HERTZ IST / BEREIT

  3. C

    I(OHANN) P(HILIPP)

Wappen:
Anna Schutz(in) von Zollferin2)Johann Philipp (von Werth)3)

Kommentar

Bei der sorgfältig eingehauenen Kapitalis wechseln die Proportionen von einzelnen Buchstaben und von Buchstabengruppen. Als Worttrenner dienen kleine Dreiecke.

Anna Schutz(in) war seit etwa 1615 die zweite Frau des Bopparder Schultheißen und kurfürstlichen Kellers Johann Philipp (von Werth)4), der ihr am 19. Februar - kurz nach ihrem Tod - ein Jahrgedächtnis stiftete5). Wie bei ihm dürfte auch bei ihr der Namenszusatz einen Herkunftsnamen meinen, vielleicht das luxemburgische Zolver. Daß Anna in der sonst vom Adel bevorzugten Karmeliterkirche begraben wurde zeigt ihre hervorgehobene soziale Stellung als Frau des obersten kurtrierischen Beamten in Boppard.

Textkritischer Apparat

  1. O klein hochgestellt.
  2. Sic! - Aufgrund einer abgespitzten Kante wurden N und T in etwas verminderter Größe über Eck gesetzt. Der Zeilenwechsel ist daher nicht eindeutig bestimmbar.
  3. Erg. nach Lehfeldt.

Anmerkungen

  1. So Lehfeldt.
  2. Herz, von einem Pfeil schräglinks durchbohrt.
  3. Marke Nr. 86.
  4. Der 1635 verstorbene Philipp stammte von der Rheininsel Niederwerth (Lkrs. Mayen-Koblenz); vgl. zu ihm Frauenberger, Bürgerbuch 1, 847. - Seine erste, 1613 verstorbene Frau Anna Melheims wurde in St. Severus bestattet; vgl. Nr. 312.
  5. Vgl. dazu Archivium fol. 203f.

Nachweise

  1. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 571 (erw.).
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 384 mit Abb. 275.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 346 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0034601.