Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 345 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau 1627

Beschreibung

Grab- bzw. Gruftplatte für Simon Rudolf von Schönburg auf Wesel und seine Frau Magdalena von Naves. Ehemals wohl im Boden des nördlichen Seitenchors, seit unbekannter Zeit in dessen Nordwand eingelassen. Große Platte aus rot-weiß geflämmtem Sandstein, oben reliefiertes bekröntes Eheallianzwappen in einem Schild, darunter in elf gestaffelten Zeilen die leicht verwitterte Inschrift.

Maße: H. 235, B. 117, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Simon Rudolf von Schönburg auf Wesel

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. SIMONIS · RVDOLPHI · A · SCHONBVRGK / · ET · / MAGDALENAE · A · NAVES / ILLVSTRIVM · CONIVGVM / OSSA / HIC · TEGIT · LAPIS / QVORVM / HIC · AN(N)O · D(OMI)NI · MDCVIII · DIE · XV · IANVARY / HAEC AN(N)O D(OMI)NI MDCXXVII · DIE · XIII · APRILISa) / FATIS CESSERVNTb) / PIAE ANIMAE · REqVIESCANT · IN · PACE

Übersetzung:

Dieser Stein deckt die Gebeine des erlauchten Ehepaars Simon Rudolf von Schönburg und Magdalena von Naves, von denen er im Jahr des Herrn 1608 am 15. Januar, sie im Jahr des Herrn 1627 am 13. April vom Schicksal abberufen wurde. Die frommen Seelen mögen in Frieden ruhen.

Wappen:
anzwappen: Schönburg auf Wesel/Naves1)

Kommentar

Die an Nexus litterarum reiche, mit markanten dreieckigen Sporen versehene Kapitalis ist je nach Raumbedarf in wechselnden Proportionen ausgeführt, davon unberührt bleibt allerdings das schmale O. Daneben zeigt sie G mit kurzer eingestellter Cauda, M mit schräggestellten Schäften und sehr kurzem Mittelteil, N mit leicht geschwungenem Schrägschaft, Q einmal unzial und einmal kapital mit Cauda nach links sowie S mit geschwollenem Mittelteil (in der ersten Zeile). Als Worttrenner dienen kleine Quadrangeln.

Die Grabplatte diente zur Kennzeichnung der Begräbnisstätte beider Eheleute in der Familiengruft der Herren von Schönburg auf Wesel im nördlichen Seitenchor der Liebfrauenkirche2). Möglicherweise wurde die übergroße Platte mit dem Eheallianzwappen - aber ohne Inschrift - bereits anläßlich der Beisetzung des 1608 verstorbenen Simon Rudolf angefertigt, der damals ein monumentales Epitaph3) erhielt. Auch wenn die Todesdaten in der Inschrift stark gedrängt erscheinen, wurde sie sowohl aufgrund der Schriftmerkmale4) als auch des einheitlichen Duktus in einem Zug und ohne erkennbare Nachträge erst nach dem Tod seiner fast zwanzig Jahre später verstorbenen Ehefrau auf die Gruftplatte angebracht.

Textkritischer Apparat

  1. IS klein hochgestellt.
  2. T aus nicht ganz ausgeführtem D korrigiert.

Anmerkungen

  1. Gespalten, vorn Schönburg auf Wesel (Stamm IIb), hinten Naves: quadriert, 1/4. fünfmal geteilt, überdeckt von einem Pfahl, 2/3. in Hermelin ein Löwe. Gemeinsames Oberwappen: eine Krone.
  2. Vgl. dazu Einleitung Kap. 2.1.7.
  3. Vgl. Nr. 290.
  4. Geschwungener Schrägschaft beim N ist erstmals auf dieser Platte im Bearbeitungsgebiet nachweisbar.

Nachweise

  1. NN., Liebfrauenkirche, 26f.
  2. Lehfeldt, Bau- und Kunstdenkmäler 612.
  3. Campignier, Rundgang 51 (übers.).
  4. Pauly, Stifte 270.
  5. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 339.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 345 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0034503.