Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 321 Boppard, Städtisches Museum (aus St. Severus) 1616, 1684

Beschreibung

Grabplatte des Wilhelm Loer oder eines Familienangehörigen. Ursprünglich im Boden von St. Severus, wurde sie um 1840 zunächst auf den Alten Friedhof, dann um 1931 an den heutigen Standort im Innenhof der ehemaligen Kurfürstlichen Burg verbracht1). Große schmale Platte aus porösem Basalt mit Umschrift (A), im Feld oben in einer Rundbogennische reliefiertes Brustbild des Verstorbenen mit Mantel und Halskrause, die Hände gefaltet. Unten anschließend Kartusche mit Wappenschild im Lorbeerkranz, darüber eine Zeile, darunter zwei Zeilen einer nachgetragenen Inschrift (B) für eine oder einen Verwandten. Im Wappenschild von den Initialen (C) begleitete Marke. Rechts oben in der Kartusche zu unbekannter Zeit angebrachte Numerierung (D). Insgesamt äußerst stark abgetreten, von den Inschriften sind daher nur noch wenige Buchstaben erkennbar.

Maße: H. 182, B. 84, Bu. 4 (A, B), 5 (C) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Wilhelm Loer

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/3]

  1. A

    [ANN]O 16 · 16 [... / - - - / - - - / - - -] SEL [- - -]

  2. B

    A(NN)Oa) [1] 6 · 8[.]b) // [- - -] / L[AV]RENBERG

  3. C

    W(ILHELM) L(OER)

  4. D

    31c)

Wappen:
Wilhelm Loer2)

Kommentar

Kombiniert man die Initialen (C) mit dem verhältnismäßig sicher gelesenen Namen der Inschrift (B), so ist die Grabplatte zwei Angehörigen der alten, in Boppard weitverzweigten Familie Loer3) (auch Lhor, Luher, Lur) zuzuweisen. Bei dem in bürgerlicher Tracht Dargestellten könnte es sich um Wilhelm handeln, den 1574 erstgeborenen Sohn des Ehepaars Dietrich und Margarethe Loer. Ob die Umschrift (A) aber für den seit 1600 mit einer Maria verheirateten Wilhelm oder für ein anderes Mitglied seiner Familie verfaßt wurde, ist unklar: Zwar wurde das letzte von fünf Kindern seiner Ehe im Juli 1615 geboren, er selbst scheint aber noch 1617 letztmals bezeugt worden zu sein; zudem ist seine Frau Maria erst ab 1627 als Witwe belegt. Die Grabplatte könnte also noch zu Lebzeiten Wilhelms hergestellt und zunächst für ein vor ihm verstorbenes Familienmitglied verwendet worden sein. Die 1681 oder 1684 nachgetragene Inschrift (B) muß auf einen nahen, wieder nach Boppard zurückgekehrten Angehörigen aus der Familie einer namentlich unbekannten Schwester Wilhelms zu beziehen sein, die nach 1616 mit ihrem Mann Johannes Laurenberg in Montabaur (Westerwaldkreis) belegt ist.

Textkritischer Apparat

  1. O klein hochgestellt.
  2. 1 oder 4 möglich.
  3. Zahl auf dem Kopf stehend.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Einleitung Kap. 2.1.1.
  2. Marke Nr. 76, begleitet von den Initialen W L.
  3. Vgl. zum Folgenden Frauenberger, Bürgerbuch 1, 470ff.

Nachweise

  1. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1 mit Abb. 302.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 321 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0032107.