Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 286 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche St. Martin 1607

Beschreibung

Epitaph für Eva M. Hoffman geb. Dreysen und ihre vier verstorbenen Kinder Appolonia, Catharina, Cornelius und Peter. Mit Eisenklammern außen neben dem Westportal an der Wand des Treppenturms befestigt. Mittelgroße Platte aus Schiefer mit umlaufender Randlinie, in den oberen Ecken des Feldes zwei von Initialen (E) begleitete Marken im Wappenschild. Dazwischen ein eingetieftes Kreuz, flankiert von dem Titulus (A) und der Jahreszahl (B). Darunter Grabgedicht (C) in zehn Zeilen, gefolgt von einer vierzeiligen Namensliste der jeweils mit einem kleinen Kreuzchen als verstorben gekennzeichneten Kinder (D). Das nur wenig beschädigte Epitaph ist in seinem unteren Drittel durch zahlreiche eingeritzte Namen, Initialen und Jahreszahlen des 18. und 19. Jahrhunderts verunstaltet.

Maße: H. 92, B. 68, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Epitaph der Eva Maria Hoffmann und Kinder

 Heinz Straeter (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. A

    I(ESVS) N(AZARENVS) R(EX) I(VDEORVM)1)

  2. B

    1 6 0 7

  3. C

    EVA +a) · DREŸSEN · ICH · IVNOESb) / WEIB · HAB · HIE · LICENc) · MEINEN · LEIB AN · DIESEM · FEINEM · HEILIGEN · ORT MEIN · SEEL · DIE · IST · GEZOGEN · FORT INS · ZVRVNFFTIGc) · VATTERLANT DEN · STERBLIHENc) · GAR · VNBEKANT MEIN · MAN · IOHANS · HOFFMAN AVF · EINE · ZEIT · IST · WORDEN QVIT WEIB · VND KIND · MIT · EINANDER · ZV · GLEICH GOTT · GEB · VNS · ALL DAS · HIMMEL · REICH AMEN

  4. D

    DIS · SIND · MEINE · KINDER / CORNILIS · HOFFMAN + / PETER · HOFFMAN + / APPLONIA · VND + · CATHARINA + · HOFFMENc)

  5. E

    I(OHANN) H(OFFMAN) E(VA) M(.....) D(REŸSEN)

Versmaß: Deutsche Reimverse.

Wappen:
Johann Hoffman2)Eva M. Dreysen3)

Kommentar

Die für Schiefer relativ breit und in einheitlicher Strichstärke ausgeführten Buchstaben sind in ein vorliniertes Zweilinienschema gestellt, das nur von der weit nach unten gezogenen Cauda des Q durchbrochen wird. Auffällig ist die Schreibung des G mit stark verkürzter Cauda. Worttrenner sind spitz ausgezogene Quadrangeln, die auch als i-Punkte dienen.

Über die Kinder der Familie Hoffman4) ist wenig bekannt. Die inschriftliche Andeutung über den gleichzeitigen Tod von Mutter und Kind wird durch einen Eintrag im Kirchenbuch bestätigt, wonach Eva Dreysen am 10. April 1607 bei der Geburt ihres Sohnes Peter verstorben ist5). Obwohl die verstorbene Mutter einem fiktiven Leser von ihrem Tod, ihrem Begräbnisplatz und ihrem Ehemann Johann erzählt, der gleichzeitig Frau und Kind verloren hat, dürfte in ihm der Auftraggeber des Epitaphs zu suchen sein. Abgesehen vom Material weist die Platte keine Ähnlichkeit mit vergleichbaren Grabdenkmälern6) auf, die eine Zuschreibung an die Werkstatt der Oberweseler Grabplatten (I bzw. II) annehmen ließe.

Textkritischer Apparat

  1. Sterbekreuzchen über dem A.
  2. So für IVNGES. - Die erste Zeile ist durchgehend mit größeren Buchstaben (5 cm) geschrieben.
  3. Sic!

Anmerkungen

  1. Joh 19,19.
  2. Marke Nr. 62, begleitet von den Initialen I H.
  3. Marke Nr. 63, begleitet von den Initialen E M D.
  4. Möglicherweise gehörte der als Stifter einer Wandmalerei in St. Martin genannte Johann Wilhelm Hofmann (vgl. Nr. 379) mit zu dieser Familie.
  5. Vgl. dazu Schaaf, Familienbuch Oberwesel 391. - Peter wurde noch getauft, Paten waren Peter Dreys(en) und Barbara Schrag(en), Frau des Maternus Schrag(en); vgl. zu ihm die folgende Nr.
  6. Vgl. dazu Einleitung Kap. 4.5.

Nachweise

  1. Campignier, Rundgang 59f.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 559f.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 286 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0028603.