Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 270 Oberwesel, Kath. Pfarrkirche Unserer Lieben Frau 1601

Beschreibung

Fragmentarisches Epitaph des Ratsherrn Theobald Richard, vermutlich spätestens seit 1870 innen an der Südwand des südlichen Seitenchors1) befestigt. Hochrechteckige, unlinierte Tafel aus Schiefer mit zehnzeiliger, golden gefaßter Grabinschrift. Ein möglicher Rahmen und sonstige architektonische Zier fehlen. Die Oberfläche ist zerkratzt und verschmiert.

Maße: H. 55,5, B. 42,5, Bu. 2-3 cm.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalisversalien.

Epitaph des Theobald Richard

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. Dum sexcentenis, et millib(us) additur annus Et christo reges mÿstica dona ferunt. Mortis falce cadit, Theobald(us) no(m)ine Richar(d); Annis qui uixit, Septuaginta tribus. Postquam terdenas hÿemes, cu(m) laudea), Senat(us) Atq(ue) scabinorum munere funct(us) erat. Diuinas laudes, hac sacra Virginis aede Persoluit, pulsans Organa lustra decem Hinc merito nati memores chariq(ue)b) nepo=/tesc) Virtutis statuunt haec monu(m)enta Patri.

Übersetzung:

Als sechshundert und tausend Jahren eines hinzugezählt wurde und die Könige Christus die mystischen Geschenke brachten, fiel durch die Sichel des Todes Theobald mit Namen Richard, der dreiundsiebzig Jahre lebte, nachdem er dreimal zehn Winter in lobenswerter Weise das Amt eines Ratsherren und eines Schöffen bekleidet hatte. Er brachte göttliche Lobpreisungen dar, indem er in dieser Kirche der heiligen Jungfrau zehn Jahrfünfte lang die Orgel spielte. Daher haben die gedenkenden Kinder und die lieben Enkel dem Vater verdientermaßen dieses Denkmal der Liebe errichtet.

Datum: 6. Januar 1601 (Dreikönigstag

Kommentar

Die gut ausgeführte humanistische Minuskel zeigt wenige auffällige Formen wie i mit Quadrangeln als i-Punkte und frakturähnliche Zierschleifen beim zweibogigen E des Wortes Et. Die oberen Schaftenden bei b, d, h, l sowie die unteren Schaftenden bei p und q sind nach rechts abgeschrägt.

Über die Familie Richard ist außer dem in der Inschrift Mitgeteilten nichts bekannt. Möglicherweise existiert aber ein familiärer Zusammenhang mit dem aus Oberwesel stammenden Adam Richardi2), der seit als 1557 Kanoniker an Liebfrauen und 1568 bis 1586 als Dekan von St. Martin amtierte. Unklar ist die Stellung des Verstorbenen als langjähriger Organist von Liebfrauen zu den Gebrüdern Becker3), die 1598 ebenfalls als Organisten inschriftlich genannt werden.

Textkritischer Apparat

  1. e dem d klein eingestellt.
  2. chalariq(ue) Kdm.
  3. Letzte Silbe interlinear rechts am Rand.

Anmerkungen

  1. Vgl. NN.
  2. Vgl. zu ihm Pauly, Stifte 495.
  3. Vgl. Nr. 257.

Nachweise

  1. NN., Liebfrauenkirche 48.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.2, 341.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 270 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0027008.