Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 269 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1600

Beschreibung

Fragmentarisches Epitaph der drei Schwestern Jutta (?), Anna und Helena Felicitas Röder, befestigt an der Nordwand der westlichen Kapelle im nördlichen Seitenschiff. Hochrechteckige Schieferplatte mit vielzeiliger, zentrierter, ehemals golden gefaßter Inschrift zwischen vorgeritzten Linien, die sich in Stiftervermerk (A), drei Sterbeinschriften (B1-B3) und drei Bibelzitate (C1-C3) gliedert. Obere linke Ecke gebrochen, Wappen1) und ein möglicher architektonischer Rahmen fehlen.

Maße: H. 104, B. 69, Bu. ca. 2,5 cm.

Schriftart(en): Fraktur (B1, C1, C2), Fraktur mit Kapitalis (A, B3), Fraktur mit humanistischer Minuskel (B2, C3).

Epitaph der Jutta, Anna und Helena Felicitas Röder

 Heinz Straeter (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. A

    [N]achbenanten dreien lieben Döchterlein So der getreue Gott / In Irem Itzo Anfahenden Alter durch den Zeittlichen Todt abgefor=/dert zu einem Christ- lichen gedöchtnus ausz liebe Auffgericht vo(n) / Johan Rödern · I(VRIS) · V(TRIVSQVE) D(OCTOR) · / Vndt / Elisabeth Heusnerin / den Elterna)

  2. B1

    An(n)o · 1597 · den · 16 · Aprilis · wardt Gute Jungb) Morge(n)s v(m)b · 2 · / Vren · Verschiet den · 17 Ap(ri)l(is) Nachmittag Zu 2 vre(n) des Jars

  3. B2

    An[n]a wardt gebore(n) den 7 · Maÿ · A(nn)o 94 Ab(end)s v(m)b · 7 · vren / Verschied den 1 · Nouembrisc) A(nn)o · 1600 redentd) diesen Worte(n) nach / O Herr in deine händt befehl ich meinen Geist2) · O Herr / seÿe mir Armen Sunder gnadig3)

  4. B3

    Helena Felicitas kam zur Weltt den · 19 · Maÿ · A(nn)o · 1598 · / Morgens vmb · 2 · vren verschied gedultig den · 2 · NOVE(MBRI)S / A(nn)o 1600 Abents vmb · II · vren Gott verleihe Inen allen / ein frolige Aufferstehung

  5. C1

    Sirach · 38 · / Mein kindt wen einer stirbtt so beweine ihn vnd klage / ihn alsz seÿ dir grosz leid geschehen vnd verhule seine(n) leib / geburlicher weise vnd bestatte In Ehrlich Zum grabe, du / soltt bitterlich Weinen vnd Hertzlich betrubtt sein vnd leidt / drag(en)e)4)

  6. C2

    Jesaia · 26 · / Aber deine Todten werden leben vnd mit dem leichna(m) auffer/ stehen5)

  7. C3

    Paulus an Philip(per)f) I / Ich habe lust ab zu scheiden vnd beÿ christo zu sein6)

Kommentar

Die Inschrift besticht durch die eigenwillige Mischung mehrerer zeitgenössischer, gut ausgeführter Schriftarten: durchgehend Fraktur für den laufenden Text, Kapitalis für den Titel und einen Monatsnamen sowie humanistische Minuskel für einen Monatsnamen und den Nachweis eines Bibelzitats. Schriftwechsel, gedrängte Schreibweise und starke Kürzungen bei den Tagesdaten der Inschriften (B2) und (B3) könnten Indizien für Nachträge sein; dies ist aber nicht beweisbar, da die Uhrzeiten keine Merkmale dieser Art aufweisen. Einfache Punkte und Quadrangeln als Interpunktionszeichen werden - mit wenigen Ausnahmen - nur noch zur Markierung der Zahlen verwendet.

Bei den Eltern der (wohl an der damals im Rheintal grassierenden Pest) verstorbenen Mädchen handelt es sich um den in St. Goar tätigen Juristen Dr. Johannes Röder7) und seine Frau Elisabeth, eine Tochter aus der Ehe des landgräflich-hessischen Beamten Otto Heusner8) mit Margarete Wigand9). Die Schrifttafel dürfte aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit dem Dernbach- bzw. dem zweiten Röder-Epitaph10) in derselben unbekannten Werkstatt hergestellt worden sein.

Textkritischer Apparat

  1. Beide Worte stehen - durch eine geschweifte Klammer verbunden - nach rechts versetzt auf der Höhe des Vndt.
  2. Sic!
  3. Datum in humanistischer Minuskel.
  4. Korrigiert; i-Punkt über de noch erkennbar.
  5. In kleiner Schreibweise am rechten Rand.
  6. Text in humanistischer Minuskel.

Anmerkungen

  1. Vermutlich gehört der an der Ostwand der Seitenkapelle angebrachte Aufsatz mit den Wappen Röder (?) (Weinrebe mit abhängender Traube) und Heusner zu diesem Epitaph, vielleicht aber auch zu dem Epitaph Nr. 276.
  2. Lk 23,46.
  3. Lk 18,13.
  4. Sir 38, 16f.
  5. Jes 26,19.
  6. Phi 1,23.
  7. Er amtierte in den Jahren 1595 bis 1602 als landgräflich-hessischer Schultheiß von St. Goar; vgl. dazu Sponheimer, Niedergrafschaft 209 und Nr. 276.
  8. Vgl. Nr. 236.
  9. Vgl. Nr. 245.
  10. Vgl. Nrr. 272 und 276.

Nachweise

  1. Ensgraber, Chronik 196f.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 269 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0026905.