Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 259 St. Goar, Evang. Stiftskirche 1599

Beschreibung

Grabplatte des landgräflich-hessischen Beamten Ludwig Zöllner von Speckswinkel. Entdeckt im Juli 2000 während Ausschachtungsarbeiten zum Einbau einer Kirchenheizung, gegenwärtig in der Krypta links neben der Treppe zum Kirchenschiff aufbewahrt. Die in drei großen Teilen aufgefundene Platte diente als Füllmaterial einer bis dahin unbekannten Gruft im westlichen Mittelschiff. Große Platte aus gelbem Sandstein, im Feld oben zwei Vollwappen nebeneinander, darunter Rollwerktafel mit vielzeiliger Inschrift. Stark abgetreten und zweimal diagonal gebrochen.

Maße: H. 174, B. 84, Bu. 3 cm.

Schriftart(en): Humanistische Minuskel mit Kapitalis.

Grabplatte des Ludwig Zöllner

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/2]

  1. AN(N)O 1599 den 6 · (Septem)brisa) ist in / G[ott Versch]ieden der Ehrnha/ff[t - - -] Zo/ll[ner - - -] furst/lich [- - -]b)

Wappen:
Zöllner von Speckswinkel1)Heusner

Kommentar

Trotz des großen Textverlustes kann aufgrund der Inschriftenreste und der Wappenkonstellation davon ausgegangen werden, daß es sich bei dem Verstorbenen um den landgräflich-hessischen Beamten Ludwig Zöllner von Speckswinkel2) gehandelt hat, der seit dem 21. Oktober 15703) mit einer Tochter des landgräflich-hessischen Finanzbeamten Otto Heusner4) verheiratet war. Ludwig war von 1570 bis 1583/84 als Nachfolger des Caspar Dryander5) Kammerschreiber des Landgrafen Philipp d. J. von Hessen-Rheinfels und nach dessen Tod unter Landgraf Ludwig d. Ä. zeitweise Keller auf Burg Rheinfels. Durch den Fund der Grabplatte kann sein bisher als vor dem 8. Mai 1608 angegebener Todeszeitpunkt präzisiert werden. Das Ehepaar hatte mindestens eine Tochter, die jung verstorben war und eine ähnlich gearbeitete Grabplatte6) erhalten hatte.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch eine 7 angezeigt.
  2. Der vermutlich 14-zeilige Text ist dermaßen abgetreten, daß in seinem weiteren Verlauf (meist am Zeilenbeginn) nur noch vereinzelte Buchstaben zu erkennen sind.

Anmerkungen

  1. Schrägbalken, belegt mit drei Herzen; vgl. Knodt, Wappenbuch Taf. 18.
  2. Vgl. zu der seit Ende des 15. Jh. in hessischen Diensten nachweisbaren Beamtenfamilie Demandt, Amt und Familie 105 und zum Verstorbenen Gundlach, Zentralbehörden 3, 306 und Demandt, Landgraf Philipp 98.
  3. Landgraf Philipp d. J. schenkte dem Paar einen vergoldeten Becher und beteiligte sich an den Hochzeitskosten; vgl. dazu Demandt, Landgraf Philipp 98, Anm. 163.
  4. Vgl. zu ihm Nrr. 236 und 276.
  5. Vgl. zu ihm Nr. 304.
  6. Vgl. dazu Nr. 262.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 259 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0025908.