Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 254 Boppard, Städtisches Museum (aus St. Severus) 1597, 1613

Beschreibung

Grabplatte des Anton Lotlei mit einer 1613 nachgetragenen Inschrift für seinen Bruder Jacob. Ursprünglich im Boden von St. Severus, wurde sie um 1840 zunächst auf den Alten Friedhof, dann um 1931 an den heutigen Standort im Innenhof der ehemaligen Kurfürstlichen Burg verbracht1). Große schmale, sich nach unten hin verjüngende Platte aus Basalt mit Umschrift (A) zwischen Linien, oben im Feld ein reliefiertes (Allianz-)Wappen im Lorbeerkranz. Darunter eine von zwei Flügeln bekrönte Tafel mit der nachgetragenen Inschrift (B) in sieben Zeilen. Zwischen der Tafel und dem Kranz eine zu unbekannter Zeit angebrachte Numerierung (C). Gut erhalten.

Maße: H. 178, B. 90 (oben) bzw. 76 (unten), Bu.7-8 (A), 6,5 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Anton Lotlei und Jacob Lotlei

 Thomas G. Tempel (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. A

    A(NN)O · 97a) AVF · SANT · / LVCKS · TAG · STARFb) · CHRISSTVFEL · LVTLEI · / SOHN · THONNIS · / LVTLEI · D(ER) · S(EELEN) · G(OTT) · G(ENAD)c)

  2. B

    AN(N)Od) · D(OMI)NI · 1613 · / DEN · 9 · IANVA(RII) / STARB · DER · ER:/SAM · IACOB · LOT=/LEY · DER · SELE(N) · / GOT · GENAD · / · AMEN ·

  3. C

    58

Datum: 18. Oktober 1597.

Wappen:
Christof Lotlei/Lotlei2)

Kommentar

Die äußerst dünnstrichig ausgeführte Inschrift (A) zeigt als Dreiecksporen an den Schaftenden, bei der etwas kompakter wirkenden Inschrift (B) fallen G mit geradem unteren Bogenabschnitt und M mit stark hochgezogenem Mittelteil auf.

Bei Anton3) handelt es sich um einen Sohn aus der Ehe des Christof Lotlei4) und seiner Frau Gertrud, Bewohner des Bopparder Hauses Zum Schwert. Für die heraldischen Usancen der Zeit ist die Gestaltung des für den vermutlich jung Verstorbenen bestimmten (Allianz-)Wappens aufschlußreich: Es zeigt nicht nur das Familienwappen, sondern auch eine Variante desselben mit den Initialen seines Vaters. Antons Grabplatte diente im Jahr 1613 zur Aufnahme der Grabinschrift für seinen mit einer nicht näher bezeugten Anna verheirateten Bruder Jakob, mit der dieser einen im April 1612 geborenen Sohn Jacob hatte.

Textkritischer Apparat

  1. Kürzung durch Minderzahl.
  2. Sic!
  3. Die restliche Hälfte der Zeile ist nicht beschriftet.
  4. O klein hochgestellt.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Einleitung Kap. 2.1.1.
  2. Zwei Marken nebeneinander: vorn Monogramm C(HRISTOF) L(UTLEI), die Spitze des L mit einem achtstrahligen Stern besetzt; hinten lateinisches Kreuz, aus einem sechsstrahligen Stern wachsend.
  3. Vgl. zum Folgenden Frauenberger, Bürgerbuch 1, 484.
  4. Vgl. zur Grabinschrift seines Vaters Paul Lotlei die vorhergehende Nr.

Nachweise

  1. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 213.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 422.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 254 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0025406.