Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 230 Boppard, Städtisches Museum (aus St. Severus) 1583

Beschreibung

Grabplatte des Bopparder Zollschreibers Anthon Kunigstein. Ursprünglich im Boden von St. Severus, wurde sie um 1840 zunächst auf den Alten Friedhof, dann um 1931 an den heutigen Standort im Innenhof der ehemaligen Kurfürstlichen Burg verbracht1). Große schmale Platte aus porösem Basalt, unter einer flach reliefierten vegetabilen Arkade das Brustbild des Verstorbenen mit gefalteten Händen, darunter Inschrift in elf Zeilen. In den oberen Bogenzwickeln zwei identische Wappen. Die untere Hälfte stark abgetreten, sonst gut erhalten. Keine (sonst übliche) Numerierung erkennbar.

Maße: H. 180, B. 85, Bu. 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Anthon Kunigstein

 Dr. Eberhard J. Nikitsch (ADW) [1/1]

  1. ANNO · 1583 · DEN · / 15 · IVNII · IST · IN · GOT · VE/RST[OR]BEN · DER · ERN/HAFT · ANTHON · KVNI/GST[EIN]a) · CHVRFVRST=/ LICHER · ZOLLSCH=/RIBER · ZV · BOPA=/RT · ALS · ER · LEBT / 〈- - -〉b) / WELCHER · / SEELEN · GOT · / GNAT · AMEN ·

Wappen:
Anthon Kunigstein2)Anthon Kunigstein

Kommentar

Die gleichstrichig ausgeführte, fast wie eingeritzt wirkende Kapitalis zeigt zu Beginn der Inschrift als Besonderheit spitzes A mit nach links überstehendem Deckbalken, N mit kaum wahrnehmbarem Schrägschaft, spitzovales O und R mit weit außen am Bogen ansetzender Cauda. Die Worttrennung am Zeilenende ist nicht konsequent durchgeführt. Als Worttrenner dienen kleine Dreiecke.

Durch seine zwischen 1565 und 1570 geschlossene Ehe mit Catharina, Tochter des kurfürstlichen Schultheißen und Kellers Philipp von der Ecken3), wurde der von auswärts zugezogene Kunigstein4) zum Mitglied der damals reichsten und bedeutendsten Bopparder Familie. Im September 1568 zum Zollschreiber und damit zum Vorsteher der äußerst einträglichen Bopparder Zollstelle5) berufen, war er der ranghöchste kurtrierische Finanzbeamte der Stadt.

Textkritischer Apparat

  1. KUNIG [...] Kubach/Verbeek; Kdm.
  2. Eine Zeile für die fehlende (und nicht nachgetragene) Altersangabe freigelassen.

Anmerkungen

  1. Vgl. dazu Einleitung Kap. 2.1.1.
  2. Auf Dreiberg stehendes Eichhörnchen, eine unbekannte Pflanze haltend.
  3. Vgl. dazu und zum Folgenden Frauenberger, Bürgerbuch 1, 151 und 399.
  4. Sein Vater war Eberhard Ku(ö)nigstein, Schöffe und Notar zu Mayen in der Eifel und späterer Zollschreiber zu Linz am Rhein; vgl. dazu Reif, Ämterbuch 3.
  5. Vgl. dazu Volk, Boppard 203ff.

Nachweise

  1. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 212.
  2. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 422 mit Abb. 302.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 230 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0023000.