Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 225 Boppard-Hirzenach, Kath. Pfarrkirche St. Bartholomäus 1576?

Beschreibung

Grabplatte des Propstes Roland von Waldenburg gen. Schenkern, plan in die südliche Querhauswand der ehemaligen Benediktiner-Propsteikirche eingelassen. Große Platte aus gelbem Sandstein mit Umschrift (A) zwischen Linien, im Feld flachreliefierte Figur des Verstorbenen in weltlicher Tracht: mit Schaube und Barett, in der rechten Hand ein Buch, mit der linken in den Mantel greifend; in den Ecken je ein Wappenschild. Anstelle der Fußpartie kleine rechteckige Tafel mit zweizeiliger, stark verwitterter Stifterinschrift(?) (B). Abgesehen von geringen Beschädigungen an den Rändern gut erhalten.

Maße: H. 220, B. 104, Bu. 7,5 (A), 3 (B) cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Grabplatte des Roland von Waldenburg gen Schenkern

 Heinz Straeter (GDKE Denkmalpflege) [1/1]

  1. A

    ANNO · DO(MINI) · 1574 · 6 · NOVE(MBRIS) OBIIT · V(ENE)RABILS · ET · NOBILYS · D(OMI)N(V)S · RVLAND(VS) A WAL/DENBVRGK · DICTVS / SCHENCKHERN · PRAEPOS(ITVS) · IN · HIE(R)TZ(ENACH) · CVI(VS) · A(N)I(M)AE · DE(VS) · MISE(RETVR) · A(M)ENa)

  2. B

    A[.....] 1576b) / IO(HANNES) · PRE[PO]SITVSc)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1574 am 6. November starb der ehrwürdige und edle Herr Roland von Waldenburg gen. Schenkern, Propst in Hirzenach. Gott möge sich seiner Seele erbarmen, Amen.

Wappen:
Waldenburg gen. Schenkernunbekannt1)
unbekannt2)unbekannt3)

Kommentar

Die uneinheitlich schmale Kapitalis zeigt breites D neben extrem schmalem spitzovalem O, C und G mit überstehendem oberen Bogenabschnitt, M mit hochgezogenem Mittelteil und R mit relativ weit außen am Bogen ansetzender, gerader Cauda. Als Worttrenner dienen Quadrangeln.

Der einem alten westfälischen Geschlecht4) entstammende Roland von Waldenburg gen. Schenkern5) ist von 1527 bis 1530 als Mönch bzw. von 1536 bis 1537 als Keller der Benediktiner-Abtei Siegburg (Rhein-Sieg-Kreis) bezeugt. Anfang 1539 übernahm er als Propst die Verwaltung der zu Siegburg gehörenden Propstei Hirzenach. In dieser Funktion stand er dem zu dieser Zeit offenbar nur noch einen Mönch zählenden 'Konvent' vor, fungierte aber gleichzeitig als Pfarrer zu Hirzenach. 1569 ließ er eine Brunnenanlage im Propsteigarten errichten6).

Bei der schwer leserlichen Inschrift auf dem Täfelchen könnte es sich - wie im Falle der Hirzenacher Propst-Grabplatte von 16357) - um die Stifterinschrift des bis 1585 amtierenden Propstes Johann von Wilach handeln, der für die Anfertigung der Grabplatte seines Vorgängers gesorgt hatte.

Textkritischer Apparat

  1. AMEN aus Platzgründen in kleiner Schreibweise.
  2. Lesung der letzten Ziffer unsicher.
  3. Lesung und Ergänzung der zweiten Zeile unsicher.

Anmerkungen

  1. Ein Löwe.
  2. Wechselzinnenbalken, links oben begleitet von einem Mohrenkopf mit Stirnbinde.
  3. Gespalten.
  4. Vgl. dazu die spärlichen Hinweise bei Fahne, Geschichte 188. - Seit 1637 ist die Familie auf Schloß und Hof Liebeneck in Osterspai (rechtsrheinisch gegenüber Boppard gelegen, Rhein-Lahn-Kreis) und auf Burg Liebenstein nachweisbar; vgl. dazu Preisschrift Hirzenach 453 Anm. b und Dehio Rheinland-Pfalz 802.
  5. Vgl. zum Folgenden Wisplinghoff, Hirzenach 195 und Schoebel, Hirzenach pass.
  6. Vgl. Nr. 214.
  7. Vgl. Nr. 359.

Nachweise

  1. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 854 mit Abb. 703.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 225 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0022503.