Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 223† Boppard, ehem. Benediktinerinnen-Kloster Marienberg 1576

Beschreibung

Grabdenkmal für Pfalzgräfin Maria von Pfalz-Simmern, Nonne im Kloster Marienberg. Die verlorene Inschrift ist - mit wohl nur geringen textlichen Abweichungen - auf ihrem vor 1768 angefertigten Gedenkstein1) überliefert. Dieser bereits bei d'Hame in Text und Nachzeichnung gebotene kreuzförmige Stein hat sich erhalten und befindet sich heute mit teilweise abgewittertem Schriftfeld im Klostergarten.

Erg. nach d'Hame.

Grabdenkmal der Maria von Pfalz-Simmern

 Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz [1/2]

  1. [Obiit]a) anno domini 1576 [vicesima n]ona maii illustrissima [sanctimonialis] Maria comitissa [palatina] rheni et ducissa [bavariae] huius monasterii scriba

Übersetzung:

Es starb im Jahr 1576 am 29. Tag des Mai die erlauchte Nonne Maria Pfalzgräfin bei Rhein und Herzogin von Bayern, Schreiberin dieses Klosters.

Wappen:
Pfalz-Simmern

Kommentar

Die im Jahr 1524 geborene Maria2) wurde im Oktober 1530 von ihren Eltern Herzog Johann II. von Pfalz-Simmern und Beatrix Markgräfin von Baden dem Kloster Marienberg übergeben3), in dem bereits ihre beiden Schwestern Johanna und Odilia4) als Nonnen lebten. Offen bleibt, ob Maria dem Skriptorium des Klosters lediglich angehörte oder als dessen Leiterin fungierte.

Die ohnehin schon schwierige Überlieferungssituation dieser Inschrift mit ihrem ungewöhnlichen Formular wird noch komplizierter, wenn man die textlich stark abweichende älteste Überlieferung5) berücksichtigt, in der sich ebenso Informationen aus der originalen Grabinschrift wie auch aus einem Totenbuch verstecken könnten.

Textkritischer Apparat

  1. Obiit stand auf dem originalen Stein von 1576 höchstwahrscheinlich nach dem Tagesdatum.

Anmerkungen

  1. Vgl. zur Ausführung Nr. 201 mit Anm. 1 und zur Problematik der Überlieferung den zugehörigen Kommentar.
  2. Vgl. zum Folgenden Europ. Stammtafeln NF I Taf. 28.
  3. Ihre Eltern setzten ihr eine jährliche Leibrente von 30 Gulden aus; vgl. dazu Kupp, Preisschrift 523f.
  4. Vgl. Nr. 201.
  5. E Vivis Excessit anno 1576. 20 Maij: Jllustrissima, ac Religiosa Maria Palat: Rheni & Ducissa, que huius Monasterij, quatuordecim Annis in Signis Scriba fuit, Cuius Anima, Requiescat in Pace, Amen; vgl. zu diesem den Berichten von Kremer/Lamey beigehefteten Text (fol. 162) den Kommentar zu Nr. 175.

Nachweise

  1. Das Denkmal des 18. Jh. überliefert bei: Kremer/Lamey, Varia fol. 161v und 162.
  2. d'Hame, Confluvium II 2, 437 und nach S. 570 (Nachzeichnung, bez. Nr. 6).
  3. Acta Academiae 3, 28.
  4. (Kupp), Geschichte fol. 14.
  5. Kupp, Preisschrift 492 (teilw.).
  6. Boulangé, Boppard 8.
  7. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 151.
  8. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 291.
  9. Wagner, Wittelsbacher 214 mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 223† (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0022307.