Inschriftenkatalog: Rhein-Hunsrück Kreis

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 60: Rhein-Hunsrück-Kreis I (2004)

Nr. 222 Boppard, Karmeliterkirche 1575

Beschreibung

Totenschild des Johann Boos von Waldeck, heute an der Nordwand des Chors befestigt. Achteckige Scheibe aus Holz mit tingiertem Wappen und zwischen profilierten Randleisten umlaufender, schwarz auf Weiß gemalter Sterbeinschrift. Ein Leistensegment fehlt.

Schriftart(en): Fraktur mit Kapitalis-Versalien.

Totenschild des Johann Boos von Waldeck

 Thomas G. Tempel (ADW) [1/1]

  1. · A(nn)oa) 1575 den · 9 May Starb der Edell vnd Ere(n)uest Ioha(n) Boes von Walde[ck Erbamtmann] daselbst der Sele(n) Gott genaedtb)

Wappen:
Boos von Waldeck

Kommentar

Aufgrund des guten Erhaltungszustandes der Inschrift muß davon ausgegangen werden, daß die Buchstaben zumindest nachgezogen wurden. Der Vergleich mit der Überlieferung des Textes bei d'Hame und die Verwendung von Kapitalis- anstelle der sonst üblichen Fraktur-Versalien lassen auf eine starke Überarbeitung schließen.

Spätestens seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind die Boos von Waldeck in Boppard ansässig und als Mitglieder des Rates nachweisbar. Der mit Maria Zandt von Merl verheiratete Johann1) war einer von fünf Söhnen aus der Ehe des Simon II. Boos von Waldeck2) mit Margareta Cratz von Scharfenstein. In den Jahren 1566 und 1569 erwarb der als Kurpfälzer Erbamtmann3) auf der Stammburg Waldeck im Hunsrück fungierende Johann Besitz in Boppard, darunter das Haus Zum Goergen in der Judengasse, das ihm vermutlich fortan als Wohnsitz diente. Nach dem Tod seiner 1573 verstorbenen Frau4) verheiratete er sich ein zweites Mal, hatte aber aus beiden Ehen keine Nachkommen.

Textkritischer Apparat

  1. o klein hochgestellt; Textbeginn nach einer Rosette.
  2. Anno 1575 den 9ten Maÿ starb der Edell undt Ehr=Veste johan Boess von Waldeck Erb Amptman daselbst der selen Gott Gnadt d'Hame.

Anmerkungen

  1. Vgl. zum Folgenden Anthes, Boos von Waldeck 15f. und Pauly, Beiträge 55f.
  2. Simon war zunächst kurtrierischer Amtmann in Boppard, Wellmich und Oberwesel, später dann Kurpfälzer Amtmann in Meisenheim. - Vgl. zu den dortigen zahlreichen Grabdenkmälern der Familie DI 34 (Lkrs. Bad Kreuznach), darunter auch den ebenfalls achteckigen Totenschild seines 1585 verstorbenen Bruders Anton (ebd., Nr. 361).
  3. Vgl. dazu Kdm. Rhein-Hunsrück 1.1, 270.
  4. Vgl. zu ihrem Totenschild Nr. 220.

Nachweise

  1. d'Hame, Confluvium II 2, 690.
  2. Bredt, Friedhof 141, Abb. 120.
  3. Kubach/Verbeek, Denkmälerinventar I 127.
  4. Kdm. Rhein-Hunsrück 2.1, 386.

Zitierhinweis:
DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 222 (Eberhard J. Nikitsch), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0022209.